Bürgermeisterwahl in Putzbrunn:Häppchenweise Alternativkost serviert

Bürgermeisterwahl in Putzbrunn: Vor einem Dutzend Interessierter beginnt Tobias Stokloßa (links) im Cafè Fillion in Putzbrunn seinen Wahlkampf vor der Bürgermeisterwahl am 3. März.

Vor einem Dutzend Interessierter beginnt Tobias Stokloßa (links) im Cafè Fillion in Putzbrunn seinen Wahlkampf vor der Bürgermeisterwahl am 3. März.

(Foto: Claus Schunk)

Der erst 24-jährige CSU-Kandidat Tobias Stokloßa präsentiert sich beim Wahlkampfauftakt in einem Café als Gegenentwurf zu SPD-Amtsinhaber Edwin Klostermeier. Im Gepäck: die Ergebnisse einer Umfrage am Ort.

Von Martin Mühlfenzl, Putzbrunn

Manch politische Karriere beginnt mit einem kulinarischen Bestechungsversuch. Bei Robert Niedergesäß war das einst so: Der CSU-Kommunalpolitiker stach im Jahr 2001 den SPD-Bürgermeister Peter Dingler in Vaterstetten bei der Kommunalwahl aus, indem er im Wahlkampf Jugendlichen eine Pizza spendierte. Der gastronomische Coup ebnete Niedergesäß erst den Weg ins Rathaus und später ins Ebersberger Landratsamt, dem er seit zehn Jahren vorsteht. Statt mit Pizza ist Tobias Stokloßa mit griechischen Vorspeisen in seinen Wahlkampf in Putzbrunn gestartet - und mit den Ergebnissen einer Umfrage, die der 24-jährige CSU-Gemeinderat am Donnerstagabend im Café Fillion einem Dutzend Interessierter vorgestellt hat.

Am 3. März sind die Putzbrunnerinnen und Putzbrunner dazu aufgerufen, ihren Bürgermeister zu wählen. Und sie haben dabei - bisher - die Wahl zwischen einem seit mehr als 17 Jahren amtierenden Rathauschef und einem Newcomer in der Kommunalpolitik. Drei Bürgermeisterwahlen hat der 67-jährige Amtsinhaber Edwin Klostermeier (SPD) schon gewonnen; zuletzt im März 2018, als ihm trotz Verlusten mit einem Ergebnis von etwa 53 Prozent bei zwei Gegenkandidaten noch einmal der Durchmarsch in der ersten Runde gelang.

Vor der Wahl in diesem Frühjahr hat der Amtsinhaber lange gezögert, ob er noch einmal antreten soll. Am Ende dieses Prozesses stand die Entscheidung, seinen Hut in den Ring zu werfen - um im Falle einer Wiederwahl aber nur zwei Jahre im Amt zu bleiben und die Bürgermeisterwahl in Putzbrunn wieder mit der regulären Kommunalwahl im Frühjahr 2026 zusammenzuführen.

So lange will Tobias Stokloßa nicht warten. Dementsprechend hat der 24-Jährige, der ein Studium in Master Public Management absolviert hat und seit 2022 als Kämmerer in der Gemeinde Poing arbeitet, sein Wahlkampf-Motto gewählt: "Alles hat seine Zeit. Jetzt ist Zeit für neue Ideen." Das darf getrost als Seitenhieb auf Klostermeier verstanden werden, was Stokloßa auch nicht verhehlt. "Ich will sechs Jahre gestalten und mit Weitblick führen und nicht nur zwei Jahre verwalten", sagte er am Donnerstagabend.

Um schon vor dem eigentlichen Wahlkampf zu erfahren, was die Putzbrunner bewegt, habe er daher eine Umfrage aufgelegt. Jeden Haushalt erreichte eine Postkarte, es konnte aber auch online abgestimmt werden. Stokloßa zeigte sich zufrieden mit der Resonanz, schließlich hätten etwa zehn Prozent der Einwohner mitgemacht - von jung bis alt, nahezu gleich viele Frauen wie Männer. Und die Ergebnisse hätten vor allem eines gezeigt: "Im Großen und Ganzen wohnen die Leute sehr gerne in Putzbrunn. Aber viele beklagen, dass sich in den vergangenen Jahren zu wenig getan hat."

Vor allem der Personalmangel in den Kitas beschäftigt viele Menschen

Dann begann ein Ritt durch kommunalpolitische Themen, die in etwa der Speisenauswahl auf der Speisekarte des Cafés Fillion glich: von allem etwas. Aber Stokloßa gelang es, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Vor allem drei Themen würden die Putzbrunner bewegen: die Probleme bei der Betreuung in den Kindertageseinrichtungen, insbesondere der Ausfall oder die Kürzung von Betreuungszeiten wegen des Fachkräftemangels; der Verkehr und dabei primär der fehlende Lärmschutz an der A 99 sowie der Wunsch nach mehr Maßnahmen beim Klima- und Umweltschutz; und schließlich wünschten sich viele mehr Angebote für Jugendliche und Senioren, aber auch ein Ärztehaus und bezahlbaren Wohnraum.

Stokloßa bot zu alledem Lösungen an: Er wolle aktiver um mehr Personal in den Kitas werben, auch in den sozialen Medien. Sogenannte Springerkräfte könnten in den beiden gemeindlichen Kindergärten aushelfen. Beim Lärmschutz könnte die Gemeinde in Vorleistung gehen, noch ehe der nächste Abschnitt beim Ausbau der Ostumfahrung angegangen wird. Und der Strom aus großen PV-Anlagen könnte gespeichert und in Wärme umgewandelt werden. Am 3. März entscheidet sich, ob der CSU-Kandidat außer griechischen Häppchen auch seine Lösungen servieren darf.

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