bedeckt München 20°

Pullach:Knapp am Eklat vorbei

Im Pullacher Gemeinderat fliegen mal wieder die Fetzen. Grund dieses Mal: die Pläne für den Schulcampus.

(Foto: claus schunk)

Nach einer aggressiven Debatte vertagt der Gemeinderat die Entscheidung über den Schulcampus.

Von Michael Morosow, Pullach

Es war in der Aprilsitzung des Pullacher Gemeinderats, als Renate Grasse von den Grünen für ihre Arbeit als Vorsitzende der elfköpfigen interfraktionellen Schulgruppe des Gremiums von allen Seiten Lob und Anerkennung entgegenschlug, Christine Eisenmann (CSU) ihr als kleine Aufmerksamkeit gar eine Schultüte mit Schokolade überreichte und sich Grasse am Ende für die konstruktive Arbeit der Schulgruppenmitglieder bedankte. Angesichts dieser Akte der Herzlichkeit wäre man fast zu der Annahme geneigt gewesen, dass die Chemie zwischen allen fünf Fraktionen wieder stimmt und Sacharbeit an die Stelle von Dauerfehden treten würde. Am Dienstag im Gemeinderat hätte die konstruktive Arbeit der Schulgruppe in einen Beschluss münden sollen. Die Sitzung schrammte jedoch knapp an einem Eklat vorbei. Am Ende wurde die Beschlussfassung auf die nächste Sitzung verschoben.

Zur Abstimmung standen die Vorschläge der Schulgruppe zur Grundschulplanung und zu einer Machbarkeitsstudie für einen Campus für Gymnasium und Mittelschule. Daran mitgearbeitet hatten Bautechnikleiter Peter Kotzur und seine Kollegin Sabine Haschka. Die Fraktionen goutierten die Arbeit. Ihr Vorschlag: Schulcampus im Bereich des heutigen Gymnasiums, Sportplätze auf der Kuhwiese.

Dieses Mal hatte Eisenmann keine Schultüte dabei, sondern eine Liste von Kritikpunkten. Unter anderem bemängelte sie überholte Prognosen der Schülerzahlen aus dem Jahr 2019, forderte fehlende Unterlagen des Gymnasium-Zweckverbandes ein und gab zu verstehen, dass zuerst die Machbarkeit für den Schulcampus zu klären sei, "bevor wir über den Neubau der Grundschule nachdenken". Außerdem sei der Beschlussvorschlag "kein bisschen" abgestimmt gewesen und habe es in der Schulgruppe keinen Konsens gegeben.

Auch Angelika Metz (WIP) ergriff entrüstet das Wort, sprach von überzogenen Planungen und ereiferte sich darüber, dass sie vor der Sitzung keine Möglichkeit gehabt habe, den Beschlussvorschlag zu sehen. "Ich fühle mich hintergangen", sagt sie. Metz und Eisenmann, beide Mitglieder der Schulgruppe, waren indes in der letzten und entscheidenden Sitzung, als Nägel mit Köpfen gemacht wurden, nicht zugegen, wie überhaupt von den elf Mitgliedern nur vier anwesend waren, drei Grüne und Caroline Voit von der Fraktion Pullach plus.

Renate Grasse wirkte konsterniert nach dem Gegenwind ausgerechnet aus dem Lager der Schulgruppe. Sie entschuldigte ihr Versäumnis, den Beschlussvorschlag der Gruppe nicht weitergegeben zu haben, damit, dass sie nicht die Zeit gefunden habe, die Beschlüsse der Schulgruppe aus der letzten Sitzung mit allen, die abwesend waren, einzeln durchzusprechen. "Ich wollte niemanden über den Tisch ziehen, die Unterstellungen machen mich traurig", sagte sie. Sich noch einmal in der Gruppe treffen, Differenzen beilegen, "noch einmal darüber schlafen" und dann mit dem Thema abermals in den Gemeinderat gehen, schlug Reinhard Vennekold (WIP) vor. Doch bevor sich das Gremium mit elf gegen neun Stimmen auf eine Verschiebung einigte, wurde es aggressiv im Saal des Bürgerhauses: "Wir sind hier nicht zum Überschlafen da, auch kein Schweizer Internat für höhere Töchter", sagte Peter Bekk (Grüne), worauf Michael Reich (FDP) aus der Haut fuhr: "Appelle an das Erwachsensein haben wir alle nicht nötig, mich so zu belehren, ist eine Unverschämtheit", ereiferte er sich mit so lauter Stimme, dass Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne)

Mäßigung einforderte. Es sei bereits ein weiteres Treffen der Schulgruppe vereinbart, sagte Renate Grasse am Mittwoch zur SZ. Ihre Fraktionskollegin Verena Hanny rechnet nicht mit einem Erfolg: "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir keine Einigung finden werden", sagte sie.

© SZ vom 08.07.2021/lb
Zur SZ-Startseite

United Initiators
:Pullach hält an Planung für Chemiewerk fest

Im Gemeinderat findet sich keine Mehrheit für einen vorläufigen Stopp des Verfahrens zur Erweiterung des Standorts. Für das Bürgerbegehren gegen das Projekt sind bereits 400 Unterschriften beisammen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB