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Programmvorstellung:Montag mit Tradition

Wirt Ricky Steinberg, Nina Angerbauer, Klaus Rieger, und Charly Trautmann stellen das Programm für den Keferloher Montag vor.

(Foto: Claus Schunk)

Das Keferloher Volksfest findet in diesem Jahr in zeitlich abgespeckter Form statt. Als Redner wird Bayerns Finanzminister Markus Söder im Festzelt sprechen. Auch das historische Stierschätzen findet wieder statt

Von Martin Mühlfenzl, Keferloh

Früher war eben nicht alles besser. Da konnte es schon mal passieren, dass sich der Keferloher Maßkrug beim dritten Anstoßen in einen Scherbenhaufen verwandelte und der Maßkrughalter nur noch den Henkel in Händen hielt. So dünn war der "Urkrug der Bayern" einst. Das hatte freilich den einen Vorteil, dass die Kollateralschäden "nach der zehnten Maß" deutlich geringer ausfielen, "wenn mal ein Krug auf einen Schädel traf", sagt Klaus Rieger und lacht, einen der heute beliebten und äußerst robusten Keferloher Krüge hochhaltend.

In zwei Wochen kommen diese wieder zum Einsatz - bei der 1050. Auflage des Keferloher Montags am 5. September. Dann werden die stolzen Besitzer eines Keferloher Kruges im Bierzelt auf Gut Keferloh gemeinsam anstoßen - und ihr Gefäß keinesfalls aus den Augen lassen. Denn in diesem Jahr sind keine neuen Krüge gebrannt worden. Sie sind in ihrer Herstellung einfach zu teuer, und die Organisatoren um Klaus Rieger können das Geld nicht vorstrecken. "Das zeigt auch, dass es heute nicht mehr ganz so einfach ist, den Keferloher Montag auf die Beine zu stellen. Er ist natürlich ein finanzielles Risiko", sagt Rieger bei der Vorstellung des diesjährigen Programms.

Die Konkurrenz durch andere Volksfeste ist "wahnsinnig groß"

Lange Zeit wurde in Keferloh diskutiert, ob sie das traditionsreiche Fest überhaupt noch werden abhalten können. Die Konkurrenz durch andere Volksfeste etwa sei "wahnsinnig groß" sagt Rieger. Die Keferloher Freunde", der tragende Verein, haben sich in diesem Jahr daher für eine abgespeckte Variante entschieden. In den vergangenen Jahren startete der "Montag" ja stets am Samstag.

Ein ganzes Wochenende dauerte die Veranstaltung. "Aber das war in diesem Jahr nicht zu stemmen", sagt Rieger - weil auch die Bereitschaft von Händlern und Schaustellern nicht vorhanden war. "Normalerweise kamen schon vorher viele Angebote, am Wochenende mitzumachen. Aber die blieben in diesem Jahr komplett aus", sagt Rieger. "Daher kehren wir zum ursprünglichen Montag zurück."

Einst war der Keferloher Montag der bekannteste und bedeutendste Viehmarkt für Pferde und Schweine im Süden Bayerns - und zugleich ein Feiertag der Landwirte. Seinen Ursprung hat der Markt in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Der siegreiche Graf Eberhard von Ebersberg gestattete seinen tapferen Hauptleuten Niklas und Baldhauser, die herrenlosen Pferde der besiegten Ungarn zusammenzutreiben und zu verkaufen. Der Viehmarkt war geboren und gewann im Lauf der Zeit immer mehr den Charakter eines Volksfestes.

Markus Söder macht auf seiner Dauer-Wahlkampftour Station

Den hat es freilich noch heute. Und zu einem richtigen Volksfest gehört auch ein echter Festredner. Einer, der es versteht, der Menge einzuheizen und seine Botschaften geschickt unter das Volk zu bringen. Diese Gabe besitzt Bayerns Finanzminister zweifellos, das geben ja auch seine politischen Kontrahenten ohne Umschweife zu. Und da sich der Christsoziale ohnehin auf seiner eigenen Dauer-Wahlkampftour befindet, hat er die Einladung nach Keferloh in diesem Jahr angenommen. Von 14 Uhr an wird Söder dort sprechen.

Zum traditionellen Keferloher Montag gehören freilich auch die Landmaschinen-Schau und die Traktor-Oldtimer-Präsentation, die wieder Josef Hornburger auf die Beine gestellt hat. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Samerberger Trachtler die Veranstaltung musikalisch begleiten und das historische Stierschätzen stattfindet. Rund um das Festzelt werden wieder zahlreiche Händler an den Marktständen und auf dem Bauernmarkt ihre Waren anbieten. "Wenn das Wetter mitspielt", sagt Klaus Rieger. Denn zum Keferloher Montag gehört es auch, dass die Händler keine Standgebühren zahlen müssen und bei schlechtem Wetter manch einer spontan abspringt.

Das Festzelt übernimmt die Firma Stiftl, die schon 2013 mit dabei war. Das Bier liefert die Münchner Augustiner-Brauerei - die Maß kostet übrigens 8,90 Euro. "Wir sind sehr froh, dass beide mit dabei sind. Denn ohne deren Bereitschaft würde es den Keferloher Montag nicht mehr geben", sagt Rieger. Der aber soll noch lange existieren, sagt der Chef der Keferloher Freunde. Und im kommenden Jahr wollen sie auch wieder Krüge anbieten. Feste, robuste Krüge, die nicht beim dritten Anstoßen auseinander brechen.

© SZ vom 23.08.2016

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