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Vita Bella:Der Traum vom schönen Leben

Ottobrunn, Wirtshausserie, Restaurant Vita Bella,

Santo Cammalleri pflegt in seinem Restaurant Vita Bella in Ottobrunn eine ausgesuchte Weinkultur mit Produkten aus seiner Heimat.

(Foto: Angelika Bardehle)

Seit Jahresbeginn führt Santo Cammalleri das "Vita Bella" in Ottobrunn

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Mit nur 15 Jahren macht sich Santo Cammalleri auf in Richtung Norden. "Ich wollte bisserl Geld machen, arbeiten", sagt der gebürtige Sizilianer - und leben, gut leben. Vielleicht hat der heute 55-Jährige seine neue Osteria im Ottobrunner Waldschlösschen auch deshalb "Vita Bella" genannt, schönes Leben. Es sollte ein neuer Abschnitt werden für Cammalleri und seine "Famiglia", wie er sagt, schließlich arbeiten seine Ehefrau, der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn im Familienunternehmen mit. Doch schon nach drei Wochen war vorerst wieder Schluss mit dem neuen Leben in Ottobrunn. "Der Lockdown", sagt Cammalleri und hebt die Hände ein wenig hilflos nach oben. Drei Wochen hatte er seinen neuen Laden offen - und dann musste er ihn coronabedingt schon wieder dichtmachen.

Als das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, begannen er und seine Famiglia zu renovieren und einen Außer-Haus-Verkauf anzubieten; und jetzt, wo der Betrieb im Vita Bella nach und nach wieder anläuft, erstrahlt die altehrwürdige Villa an der Kreuzung der Prinz-Otto-Straße mit der Rosenheimer Landstraße in neuem, aber dennoch klassischem Glanz. An der Wand im Gastraum steht ein meterhoher Rotwein-Schrank, am Eingang ein kleiner gläserner Tresor für den Weißen. "Ich liebe Wein. Den Roten, wenn es kälter wird, und den Weißen, wenn es heiß ist", sagt er. "Und ich biete nur die besten Weine Italiens an." Auch den lichtdurchfluteten Wintergarten und die Terrasse zur Rosenheimer Landstraße hin hat Cammalleri hergerichtet, nur die Freifläche hinter dem Haus mit der Überdachung haben sie noch nicht geschafft. "Aber vielleicht kommt das noch."

Otto-Museum

Es gibt diese Momente, da nimmt Jan Murken den König ganz sanft in den Arm. Also des Monarchen Büste, die ein zentraler Bestandteil der Ausstellung im König-Otto-von-Griechenland-Museum in Ottobrunn ist. Im Jahr 1989 wurde das hoch angesehene Museum von dem Kinderarzt und Genetiker Murken gegründet und seitdem leitet der heute 85-Jährige das Haus. Es beleuchtet nur in Teilen die Geschichte der so jungen Kommune, die erst im Jahr 1955 in den Rang einer eigenständigen Gemeinde erhoben worden war. Vielmehr steht das Leben des Namensgebers Ottobrunns im Zentrum: des späteren Königs von Griechenland Otto. Wenngleich die Berührungspunkte zwischen der Gemeinde und dem König gering ausfallen. Am 6. Dezember 1832 nahm der 17-jährige Prinz hier Abschied von seinem Vater Ludwig I. von Bayern, ehe er nach Griechenland aufbrach, um dort die Regentschaft zu übernehmen. Anhand mehrerer Hundert Exponate - etwa die Taschenuhr des Monarchen - wird das Leben des nicht immer glücklichen sowie unglücklich agierenden Königs dokumentiert; dabei kommen immer neue Stücke hinzu. Zuletzt der Brief eines Soldaten, der Otto auf seiner Reise begleitet hat. "Liebste Ältern" beginnt Martin Vogt sein Schreiben und lässt es damit enden, bald voll Freude nach Hause zurückkehren zu wollen. König Otto kehrte 1862 zurück, unter weniger freudvollen Umständen. Er musste Griechenland nach einem Aufstand verlassen. müh

An den Wänden hängen Bilder in Schwarz-Weiß mit Szenen aus seiner Heimat, natürlich darf da ein Foto einer klassischen Vespa nicht fehlen. Und aus seiner Heimat hat Cammalleri viel Gespür für das Kulinarische mitgebracht, eine breite Palette an Klassikern "von Nord nach Süd", wie er sagt, an der in der Küche auch gerne etwas gefeilt wird. Die Nudeln und Ravioli werden selbst zubereitet, etwa passend zur Jahreszeit Ravioli mit Kürbisfüllung und Pfifferlingen in ausgelassener Butter. Kalbsfilet mit Marsala steht an diesem Tag ebenso auf der Tageskarte wie Goldbrasse und - doch etwas ausgefallener - Rinderbäckchen. Jeden Tag gibt es eine neue Tageskarte und dazu einmal pro Woche eine kleine Karte mit besonderen Empfehlungen. Aber natürlich darf auch der Klassiker der italienischen Küche nicht fehlen - Pizza in allen Variationen. Bisher sei die Resonanz auf seine Osteria gut, sagt Cammalleri, er möchte den Spagat schaffen zwischen etwas gehobenerer Küche und auch "etwas Masse", wie er sagt. Daran hätten sich die Gäste in den Jahren vor seinem Einzug Anfang des Jahres eben gewöhnt. Dabei sei es ihm wichtig, nur frische Produkte anzubieten. "Wir machen alles selbst", sagt er.

Nur eines wird er nicht mehr mitmachen. Den zweiten Kampf ums Überleben nach einem Lockdown. 40 Jahre sei er nun in der Gastronomie und habe dabei auch viel erlebt und mitgemacht. "Aber ich habe zu meiner Frau gesagt, ein zweites Mal - mit mir nicht." Schließlich will er nur eines: Bella Vita.

© SZ vom 10.09.2020
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