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Schadstoffmessung:Luftqualität gerät unter die Räder

Schadstoffmessung: 35 Sensoren hat die Nordallianz aufgestellt, auch an der Bajuwarenstraße in Ismaning.

(Foto: Nordallianz/oh)

Eine Analyse der im Auftrag der Nordallianz getätigten Messungen ergibt: Mehr Verkehr bedeutet auch mehr Mief im Ort.

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Mit einem Pilotprojekt hat die Nordallianz, ein Zusammenschluss von acht Kommunen in den Landkreisen München und Freising, seit September 2019 die Luftqualität in den Orten gemessen. Nun liegen die Ergebnisse, die von der Technischen Universität (TU) unter die Lupe genommen und analysiert worden sind, vor. Das Fazit: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Verkehrsstärke und der Stickstoffdioxid-Konzentration, wie die Nordallianz nun mitteilt. Das heißt, die Verkehrsspitzen am Morgen und am Nachmittag verursachen Spitzenwerte bei der Stickstoffdioxidkonzentration. Allerdings liegen die Luftschadstoffe im Bereich der Nordallianz unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte, die in der Bundesimmissionsschutzverordnung gelistet sind. Und auch das Bayerische Landesamt für Umwelt sieht daher keinen Bedarf für weitere Kontrollmessungen, wie die Nordallianz nach eigenen Angaben auf Nachfrage erfahren hat.

An insgesamt 35 Standorten in den Bündniskommunen Garching, Ismaning, Unterföhring, Ober- und Unterschleißheim sowie Eching, Neufahrn und Hallbergmoos wurden Messgeräte installiert, um Daten zu Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon zu sammeln. Nachdem die erfassten Daten bereits ehrenamtlich durch den Garchinger Mitarbeiter des Rechenzentrums der Max-Planck-Gesellschaft, Thomas Zastrow, analysiert wurden, gibt es nun eine wissenschaftliche Arbeit der TU München.

Masterarbeit an der TU

Am Lehrstuhl für Verkehrstechnik hat die Studentin Magdalena Staudt unter der Betreuung von Ulrich Glöckl eine Masterarbeit verfasst, wie Nordallianz-Geschäftsführerin Anna-Laura Liebenstund berichtet. Darin ging es um die Frage, ob die Verkehrsbelastung auf Straßen tatsächlich in der Luftqualität vor Ort zu erkennen ist. Das Ergebnis: An den analysierten Tagen sei vor allem ein Zusammenhang zwischen der Verkehrsstärke und der vorherrschenden Stickstoffdioxid-Konzentration zu erkennen, ebenso zwischen der Verkehrsstärke und der Feinstaub-10-Konzentration, jedoch in geringerem Ausmaß.

Um die von den Sensoren gemessenen Werte nochmals zu verifizieren, wird an drei Stellen mit verhältnismäßig hoher Belastung drei Monate lang nachgemessen: In Eching an der Unteren Hauptstraße, in Garching an der Einsteinstraße sowie in Unterschleißheim an der Landshuter Straße. Dort werden an Straßenlaternen Passivsammler angebracht, also Röhrchen aus Kunststoff, welche die Stickstoffbelastung über einen Zeitraum von einem Monat erfassen. Im Labor wird anschließend ausgewertet, wie hoch die monatliche Belastung war.

Auch wenn die Schadstoffbelastung der Luft unter den deutschen Grenzwerten liegt, dürfe man sich nicht ausruhen, findet Geschäftsführerin Liebenstund. Während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 habe sich auch in den Nordallianz-Daten eindeutig gezeigt, dass der reduzierte Autoverkehr eine sichtbare Erholungspause für die Umwelt, insbesondere für die Stickstoffdioxidbelastung, gewesen sei. Diese positive Entwicklung habe sich inzwischen wieder relativiert. Liebenstund appelliert deshalb an jede und jeden, den eigenen Einfluss auf die Luftqualität maßgeblich zu verringern - etwa durch mehr Radfahren, weniger Fleischessen, durch die Nutzung des ÖPNV oder durch die Vermeidung von Überkonsum.

© SZ vom 10.04.2021/sab
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