Stadtklima:"Wir brauchen Luft, wir brauchen Grün, wir brauchen Platz"

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Stadtklima: Wichtig für die Abkühlung des Stadtklimas: das weitgehend noch unbebaute Hachinger Tal.

Wichtig für die Abkühlung des Stadtklimas: das weitgehend noch unbebaute Hachinger Tal.

(Foto: Claus Schunk)

Bei einer Online-Konferenz untermauern Grüne aus München und dem Landkreis ihre Forderung nach einem Schutz der Frischluftschneise im Hachinger Tal.

Von Daniela Bode, Neubiberg/Unterhaching

Das Hachinger Tal spielt eine wichtige Rolle bei der Frischluftversorgung Münchens sowie der anliegenden Gemeinden. Bei einem Online-Infoabend des Neubiberger Grünen-Ortsvereins mit rund 50 Teilnehmern haben Mitglieder der Partei aus der Stadt und dem Landkreis München ihr Ziel bekräftigt, dass die Frischluftschneise von einer Bebauung freigehalten werden sollte. "Wir brauchen Luft, wir brauchen Grün, wir brauchen Aufenthaltsraum", brachte es der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler aus Oberschleißheim auf den Punkt. Anlass für die Veranstaltung waren die seit Langem im Raum stehenden Pläne, dass auf dem Kapellenfeld zwischen Unterhaching und dem Neubiberger Ortsteil Unterbiberg Gewerbe angesiedelt werden soll. Bei dem Infoabend sollte über den aktuellen Stand informiert werden.

Der ehemalige Umweltreferent der Stadt München, Joachim Lorenz (Grüne), betonte die Bedeutung des Grünzugs wegen des Phänomens des "Alpinen Pumpens": ein Luftaustauschsystem zwischen den Alpen und der Münchner Schotterebene. Die Wichtigkeit des Systems bestätigt auch die Stadtklima-Studie des Deutschen Wetterdienstes, die seit Mitte des Jahres vorliegt. Vor einigen Jahren hatten die Gemeinde Neubiberg und die Stadt München ein interkommunales Strukturkonzept erarbeiten lassen, das in seiner Vorzugsvariante auf der Münchner Seite etwa acht Hektar Wohnen vorsieht, in Neubiberg auf dem Kapellenfeld etwa zwölf Hektar Gewerbe und weitere fünf Hektar an der Unterhachinger Straße, wie Lorenz erläutert. Ihm missfällt das Missverhältnis zwischen Wohnen und Gewerbe, wie er beim Infoabend verdeutlichte. Auch befürchtet er, die Gemeinde könnte sich unter anderem bei der Infrastruktur übernehmen, nur um mehr Gewerbesteuereinnahmen zu erzielen.

Ungeklärt ist auch der Hochwasserschutz

Auch der Hochwasserschutz ist noch nicht geklärt. Eine überstürzte Entscheidung der Kommune muss indes nicht befürchtet werden: Bei einem Gespräch zwischen der "Bürgerinitiative Frischluftzufuhr für München", in der sich Lorenz ebenfalls engagiert, und Vertretern Neubibergs im Sommer habe Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) versichert, vor einer endgültigen Beschlussfassung erst das mikroklimatische Gutachten abzuwarten. Dieses hatte die Stadt München Anfang des Jahres vergeben, es soll Aufschluss darüber geben, wie die Funktionsfähigkeit von Luftaustauschbahnen durch einzelne Bauvorhaben beeinträchtigt werden kann. Das Gutachten wird Anfang kommenden Jahres erwartet. Pardeller hat laut Lorenz aber auch gesagt, "a bisserl was geht immer", und auf entsprechende Bauvorhaben etwa der Stadt München in dem Bereich hingewiesen.

Vor zu viel Firmenflächen warnte auch die Grünen-Landtagsabgeordnete und Unterhachinger Gemeinderätin Claudia Köhler. "Als Unterhachinger ist klar: Man will kein Gewerbegebiet vor der Nase haben", sagte sie auch mit Blick auf die Herausforderung für die Infrastruktur der jeweiligen Nachbarkommune. Sie warb für eine "gemeinsame, nachhaltige Abstimmung" des Lebens-, Wohn-, Freizeit- und Wirtschaftsraums aller beteiligten Gemeinden. In dem Zusammenhang verwies sie auch auf das Moratorium über die weitere Ausweisung von Bauflächen für Wohnen und Gewerbe, dessen Verhängung die Grünen von Stadt und Land noch vor der Kommunalwahl 2020 gefordert hatten, bis beide Gutachten zum Regionalen Grünzug öffentlich vorliegen.

"Noch mehr Gewerbe in diesem Hexenkessel ist töricht"

Wie knifflig es schon jetzt mit dem Verkehr rund um das betroffene Areal aussieht, legte Mobilitätsexperte Büchler dar. Laut der Verkehrsmengenkarte von 2015 - eine aktuellere liegt laut dem Landtagsabgeordneten noch nicht vor - fuhren schon damals auf der Staatsstraße 2078 mehr als 19 000 Kraftfahrzeuge täglich, auf der Staatsstraße 2368 (Unterhachinger Straße) 9000 Fahrzeuge, auf der B 471 sogar 23 000. Das sei wahnsinnig viel Verkehr auf einer wahnsinnig kleinen Fläche, auf der man keinen weiteren brauche. "Es ist töricht, noch viel mehr Gewerbe in diesen Hexenkessel hineinzuziehen", sagte Büchler. Seiner Ansicht nach braucht es keine weiteren Arbeitsplätze - es herrsche bereits Vollbeschäftigung im Raum München - sondern Wohnungen.

Komplett gegen weiteres Gewerbe sprechen sich die Neubiberger Grünen indes nicht aus. Sie hatten in ihrem Wahlprogramm 2020 dafür plädiert, "bestehende Gewerbeflächen effizient zu nutzen und gegebenenfalls nachzuverdichten", wie Sprecherin Ulrike Dowie sagt. Daran halten die Grünen auch fest.

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In dem Grünzug könnte ein Gewerbegebiet entstehen - und das könnten die Menschen zu spüren bekommen. Die Bürgerinitiative Frischluftzufuhr schlägt deshalb Alarm.

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