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Badespaß im Landkreis:Chillen am Fidschi

Der Feringasee gehört zu den beliebtesten Seen im Landkreis.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Spritz am Deininger Weiher, Grillen am Ufer des Feringasees, das klare Wasser des Heimstettener Sees: Den Daheimgebliebenen im Landkreis bieten sich viele Gelegenheiten, um den Sommer noch zu genießen

Allzu lange dürfte der Sommer nicht mehr dauern. Die ersten braunen Blätter liegen schon am Boden, abends wird es wieder früher dunkel und morgens ist es schon etwas frisch. An diesem Wochenende aber pendeln die Temperaturen noch einmal um 30 Grad und darüber. Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten des Jahres, Sonne zu tanken und zu baden. Und dafür muss man nicht erst zum Starnberger See und sich durch Staus oder in verstopfte S-Bahnen quälen. Auch im Landkreis gibt es einige Schmuckstücke. Nur, wo badet es sich am schönsten?

Mittagszeit am Deininger Weiher bei Straßlach im Münchner Süden. Nur drei, vier Leute schwimmen durch das Wasser. Es ist ruhig. Kaum Kinder, die herumtollen, keiner dreht das Radio auf, niemand grillt. Der Weiher ist dicht umsäumt von Buchen, Eichen, Fichten. Seit acht Uhr morgens sind Luise Brandhuber und ihr Mann Rolf da. Sie haben zwei Sonnenschirme und zwei Liegen dabei - für jeden eine.

Wenn schönes Wetter ist, kommt das Ehepaar eigentlich immer hier her. Früher mit dem Fahrrad, jetzt mit dem Auto. Dass am Deininger Weiher so wenig los ist, liegt wohl auch daran, dass er mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen ist. Und die Ruhe ist genau das, was die Menschen, die es doch irgendwie her schaffen, am See schätzen. "In der Früh, wenn noch keiner da ist, ist es hier immer ganz idyllisch", sagt Luise Brandhuber. Sie und ihr Mann kommen auch hier her, weil der Parkplatz umsonst ist und der Zugang zum See keinen Eintritt kostet.

Vor dem Nachmittagstrubel fahren sie wieder

Neben dem Ehepaar auf einem großen Tuch liegt im geblümten Badeanzug noch eine Luise, die aber nicht Brandhuber, sondern Schilling mit Nachnamen heißt. Sie lernte das Rentnerpaar vor Jahren hier kennen. "Damals waren wir noch ein richtiger Rentnerklub, immer um die zehn Leute", sagt Schilling. Inzwischen sind sie und das Ehepaar Brandhuber die einzigen, die es noch her schaffen. Auch Schilling gefällt vor allem die Lage des Sees - zwischen Bäumen und Schilf, manchmal sogar mit Blick auf die Alpen. Sie mag auch, dass es ein Moorsee und keine Kiesgrube ist. Das Wasser hat deshalb eine bräunliche Farbe. Und weil der See auch nur 1,80 Meter tief ist, erwärmt er sich schnell.

Ein bisschen weiter vorne auf dem Holzsteg liegt das Ehepaar Matthias und Anja Hohmann. Sie kommen immer schon vormittags zum Deininger Weiher - und immer mit dem Motorrad. "Da bekommen wir immer einen Parkplatz - und so viele gibt es hier ja nicht", sagt Matthias Hohmann. "Aber das schadet eigentlich nicht, sonst kommen nur mehr Leute." Wie die Sardinen in der Dose dicht nebeneinander liegen, das kann das Ehepaar gar nicht leiden. Und deshalb fahren sie auch vom Deininger Weiher wieder weg, bevor der Nachmittagstrubel losgeht.

Am Eingang zum See gibt es links einen Kiosk. Die Badegäste können sich hier zum Beispiel für 4,90 Euro Currywurst mit Pommes oder Obatzten mit Brezen für 6,20 Euro kaufen. Auf der rechten Seite ist eine richtige Wirtschaft, das Waldhaus am Deininger Weiher. Hier sitzen nicht bloß Badegäste, sondern Männer mit Segelschuhen und weißen Hosen, Damen mit Blümchenblusen und junge Frauen im Sommerkleid, die Aperol Spritz trinken. Die Hauptgerichte kosten zwischen zwölf und 24 Euro: Etwa Gnocchi mit Pfifferlingen oder Spanferkel.

Blau, klar - so ist das Wasser am Fidschi

Zeit für einen Ortswechsel. Es geht fast 40 Kilometer Richtung Nordost zum Heimstettener See, der zwischen Feldkirchen, Kirchheim und Aschheim liegt. Kurz vorher sieht man schon radelnde Kinder mit Schwimmnudeln auf dem Gepäckträger und Mütter mit überquellenden Badetaschen. Anders als am Deininger Weiher kostet hier das Parken - 2,50 Euro für den ganzen Tag. Dafür findet auch jeder einen Platz und der Eintritt zum See ist kostenlos. Die Atmosphäre am Heimstettener See, den die Einheimischen auch "Fidschi" nennen, ist ganz anders als in Straßlach. Alles ist weitläufiger, größer und auch mehr auf Kinder und Jugendliche ausgelegt. Es gibt Tischtennisplatten und einen Bolz- und Spielplatz.

Den finden Jan und Janine Xyländer besonders toll. Sie sind mit ihrem Sohn Oskar da. Er ist vor Kurzem zwei geworden - aufs Klettergerüst kann er also noch nicht, aber dafür in den Sandkasten. Obwohl die Familie schon seit 15 Jahren im Landkreis München lebt, hat sie bisher kaum Gelegenheit gehabt, das Freizeitangebot in der Umgebung zu testen. Am Wochenende fahren Janine und Jan Xyländer meistens nach Leipzig, in ihre Heimat. Einmal waren sie am Kastensee in Glonn, aber da hat es ihnen nicht gefallen. "Der Boden war ganz schlammig", sagt Janine Xyländer. Das ist am Heimstettener See anders: Hier ist das Wasser blau und klar, der Grund kiesig. Der Fidischi ist ein Baggersee, entstanden vor fast 80 Jahren durch den Kiesabbau.

Schöner könnte es fast nicht sein, sagt auch Andrea Oberschätzl. Einziges Manko: die Toiletten. "Die riechen nicht so toll." Auch mehr Häuschen zum Umziehen könnte es geben, sagt die Studentin. "Dafür war das Essen top und auch der Preis okay." Unter großen Kastanienbäumen können sich die Badegäste im Biergarten erfrischen, wenn sie genug vom Wasser haben. Hier sitzen die meisten mit einem kühlen Weißbier oder einem Radler. Als festere Grundlage gibt es zum Beispiel ein halbes Brathendl mit Pommes für 5,50 Euro, Bratwurst für fünf Euro oder Thunfischsalat für 7,50 Euro.

Die Nachmittagssonne knallt vom Himmel, es wird immer heißer. Doch zweien scheint das gar nichts auszumachen: Melissa Möller und Rupert Reithmeier pritschen im Sand lässig den Ball hin- und her. Bei ihnen sieht Volleyball gar nicht schweißtreibend aus. Immer, wenn es geht, kommen sie zum Spielen an den Feringasee in Unterföhring. Sie finden, der Beachvolleyballplatz dort ist der beste in der ganzen Umgebung.

"Im Prinzregentenbad in München zum Beispiel gibt es viel zu wenig Sand", sagt Melissa Möller. Da gehe man schon mal mit blutigen Knien und Ellenbogen nach Hause. Einen Kritikpunkt hat die Studentin aber auch an der Anlage am Feringasee: Linien, um die Spielfelder zu begrenzen, und Netze müssen sie selbst mitbringen. Weil das jeden Tag aufs Neue ziemlich aufwendig ist, lassen sie ihr altes Netz einfach da und haben eine Plastikschnur zur Linie umfunktioniert.

Neben dem Volleyballfeld sitzen Jugendliche und rauchen Shisha, aus einer kleinen Anlage kommt Popmusik. In der Nähe grillt ein Ehepaar Hähnchenstücke. Wenn sie Öl auf das Fleisch gießen, steigt Rauch auf. Das Grillen ist eigentlich das Einzige, was Mario Wandelt an seinem See stört. "Wenn der Wind ungünstig steht, hängt über dem Wasser eine Rauchwolke", sagt er. Wandelt ist nicht zum reinen Vergnügen am Badesee. Er ist Mitglied der Wasserwacht. "Meistens passiert nichts Schlimmes. Mal ein Fahrradsturz, mal ein Bienenstich."

Wirkliche Notfälle gibt es ein-, zweimal im Jahr

Aber dann, am Donnerstagabend um kurz nach 19 Uhr, geht es doch um Leben und Tod. Wandelt und seine Kollegen sitzen gerade beim Abendessen auf der Veranda der Wasserwacht, als sie hören, wie jemand um Hilfe ruft. Sie zögern keinen Augenblick und fahren mit dem Boot raus. Da sehen sie, wie eine ältere Frau von zwei Badegästen über Wasser gehalten wird - sie selbst ist so erschöpft, dass sie kurz davor ist, zu ertrinken. Die Wasserwachtler ziehen die Dame raus, bringen sie ans Ufer, hören ihre Lunge ab. Alles scheint soweit in Ordnung zu sein. "Solche Notfälle gibt es bei uns vielleicht ein- oder zweimal im Jahr", sagt Wandelt. Ansonsten bleibe es immer ruhig.

Für ihn zeichne der Feringasee aus, dass er für viele verschiedene Menschen etwas biete. Hinter einer Kette aus Bojen liegt der Wassersportbereich für Surfer und Segler, auf der Halbinsel gibt es einen FKK-Bereich, auch mit Kiosk und Wirtschaft kann der See dienen. Gerade bei vielen jungen Leuten sei der Feringasee beliebt, sagt Wandelt. "Manchmal ist hier die ganze Nacht Party."