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Laubholzbockkäfer:Holzpaletten werden nicht immer gegen Insekten behandelt

Timo zeigt durch Scharren an, dass er etwas gefunden hat. Der Terrier-Mischling muss manchmal noch an seine Arbeit erinnert werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zwanzig Minuten kann ein ausgebildeter Anoplophora-Spürhund am Stück arbeiten, danach braucht er eine mindestens ebenso lange Pause. Die Schnüffelei ist Schwerstarbeit für die Hunde, auch wenn sie mit großem Spaß bei der Sache sind. Aisbär, der die Trainingsstrecke auf dem Moosburger Hundeplatz schon vor Timo absolviert und gewissenhaft alle Bäume auf Käfergeruch untersucht hat, zeigt Michaela Starke normalerweise durch heftiges Scharren an, dass er etwas gefunden hat.

Er lernt jedoch gerade, auch ordentlich zu bellen, wenn er den Geruch lokalisiert hat. Sollte er einmal ein ganzes Waldstück absuchen müssen, könnte er seine Hundeführerin so leichter auf sich aufmerksam machen und: Der Laubholzbockkäfer sucht seinen Weg eigentlich nach oben in die Kronen der Bäume.

Nach der Eiablage bohren sich die Larven den Stamm oder dickere Äste hinauf, um den Wirt oben als Käfer wieder zu verlassen, wie Starke erklärt. Dabei würden jedoch die Wasser- und Zuckerleitungen der Bäume beschädigt, was zu deren Absterben führe. In diesem Stadium aber sei ein Befall visuell vor allem bei belaubten Kronen kaum zu erkennen, wirbt die 31-Jährige für den Einsatz von Spürhunden. Aisbär hat gelernt, seine Nase auch in Richtung Wipfel einzusetzen und springt schließlich hartnäckig an einem Stamm hoch, um die in einer Astgabel versteckte Geruchsprobe anzuzeigen - bellend, weil er so weit oben nicht scharren kann.

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Weil sich der Laubholzbockkäfer zum Glück nur sehr langsam ausbreitet, sieht Michaela Starke die Aufgabenbereiche ihrer Hunde aktuell neben dem Monitoring in Baumschulen vor allem in der Verpackungsholzkontrolle, etwa bei den Steinhändlern, die ihre Ware aus Asien auf Holzpaletten geliefert bekommen und dem ungeliebten Käfer damit eine Einreisemöglichkeit bieten.

Zwar müssten diese Paletten eigentlich gegen die Insekten behandelt werden, sagt Starke - aber wie es halt so ist, nicht jeder beachtet alle Bestimmungen. Nicht umsonst seien die Vorkommen des asiatischen Laubholzbockkäfers bislang vor allem in der Umgebung von Häfen und Flughäfen gefunden worden, zuletzt am Kelheimer Hafen, wo im April dieses Jahres wegen des Schädlings Alarm geschlagen wurde.

Timo und Aisbär ist all das herzlich egal. Für sie zählt nur die Belohnung, die es nach getaner Arbeit gibt. Aisbär, der weiße Schäferhund, bekommt sein Spielzeug, sobald er einen Käferfund gemeldet hat, und flitzt damit anschließend in großen Runden über die Wiese. Für Timo muss es manchmal stattdessen etwas zu fressen sein, verrät Michaela Starke: "Eine besonders gute Wurst etwa" - denn umsonst arbeitet auch ein Hund nicht gerne.

Michaela Starke lebt in Wartenberg. Sie und ihre Hunde sind vom Bundesamt für Wald (BFW) in Österreich als Anoplophora-Suchteams zertifiziert und stehen für entsprechende Aufträge zur Verfügung. Die Ausbildung ist von der Landesanstalt für Landwirtschaft anerkannt. Kontakt: www.facebook.com/anoplophora.spuerhunde.oberbayern.

Hilfreiche Hundenase

Die Nase eines Hundes funktioniert zwischen 40 und 100 Mal besser als die des Menschen. Kein Wunder also, dass der Mensch gerne den Hund zu Hilfe nimmt, wenn es darum geht, Dinge anhand ihres Geruchs aufzuspüren. Bekannt sind Drogen-, Sprengstoff- oder Geldsuchhunde, die Suche nach Insekten mittels Hundenasen ist dagegen noch relativ jung.

Für die Arbeit als Anoplophora-Spürhund werden die vierbeinigen Azubis zunächst mit dem Geruch bekannt gemacht. Weil asiatische Laubholzbockkäfer Quarantäneschädlinge sind, dürfen sie das Labor nicht verlassen. Die Hundeführer müssen sich mit Bohrspänen der Larven, Holzstücken mit Bohrgängen oder Zigarettenfiltern mit Lebendlarvengeruch behelfen. Die Geruchsproben werden in Deckelgläsern konserviert.

Zu Beginn der Ausbildung dürfen die Hunde an diesen Gläsern schnüffeln und werden dafür belohnt. Relativ schnell wird dieser Vorgang auch benannt, bei Michaela Starke etwa heißt der Geruch "Käfer", was gleichzeitig ihr Suchkommando ist. Im Verlauf der Ausbildung werden die Gläser mit dem Geruchsträgern dann in Tröge gestellt - und der Hund wird belohnt, wenn er sich für den richtigen Trog interessiert.

Im nächsten Schritt kommt ein Tisch mit Löchern über das Geruchsglas und der Hund bekommt seine Belohnung, wenn er die Nase über das Loch hält, unter dem das Glas steht. Hat er das verstanden, steht einer "richtigen Suche" schon fast nichts mehr im Weg.

Bei der Käfersuche tragen die Hunde spezielle Geschirre, die zusammen mit dem Suchkommando bedeuten, dass jetzt die Arbeit beginnt. Außer dem Asiatischen Laubholzbockkäfer können sie auch den Zitrusbockkäfer erschnüffeln, einen weiteren Schädling aus Asien, der allerdings noch nicht so verbreitet ist. vo