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S-Bahn München:Initiative blitzt im Ministerium ab

Auf der Strecke der S 7 gibt es nur ein Gleis.

(Foto: Claus Schunk)

Auf der Strecke der S 7 nach Aying wird es in absehbarer Zeit weder ein zweites Gleis noch einen dichteren Takt geben.

Für die S-Bahnlinie zwischen München und Kreuzstraße wird in absehbarer Zeit kein zweites Gleis gebaut, und auch der Takt wird nicht verdichtet. Das erfuhren Vertreter der Bürgerinitiative S 7-Ost-Plus bei einem Gespräch im bayerischen Verkehrsministerium, an dem auch die Bürgermeister von Aying und Ottobrunn, Johann Eichler (parteifrei) und Thomas Loderer (CSU), sowie die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) teilnahmen. Vertreter der Bürgerinitiative zeigten sich enttäuscht, aufgeben wollen sie dennoch nicht. "Steter Tropfen höhlt den Stein", sagt Nortrud Semmler von der Initiative.

Hartnäckigkeit wird mehr als nötig sein, um eine Verbesserung auf der Strecke in den Südosten von München zu erreichen. Denn laut Semmler hatten die Vertreter des Ministeriums zugeben müssen, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Sachen ÖPNV zu wenig beziehungsweise gar nichts getan wurde. Und jetzt sei halt für all die notwendigen Maßnahmen kein Geld da. Es sei deswegen auch nicht zu erwarten, dass irgendeine Maßnahme vor Fertigstellung der zweiten Stammstrecke in München angepackt werde, habe man ihnen zu verstehen gegeben.

Daran wird wohl auch die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) initiierte Ansiedelung der Raumfahrtfakultät in Ottobrunn und Taufkirchen nichts ändern. Die Initiative S 7-Ost-Plus ist überzeugt, dass das Projekt sehr kurzfristig eine verbesserte Verbindung nicht nur nach München, sondern auch nach Bad Aibling, Rosenheim, Miesbach und Schliersee nötigt macht. Im Ministerium aber winkte man ab. Eine Priorisierung der S 7 in der Bearbeitungsfolge sei von den Behördenvertretern abgelehnt worden, berichtet Semmler.

Immerhin hätte sie nach dem 70-minütigen Gespräch mit Hans-Peter Böhner, Leiter der Abteilung Verkehr in der Obersten Baubehörde, und Frank Kutzner, Leiter Projektgruppe Bahnausbau, festgestellt: "Wir werden ernst genommen." Denn es seien weitere Gespräche angeboten worden. So soll Ende 2020, wenn die Gutachten für die S-Bahn München, die Mangfalltalbahn und das Bob-Netz vorliegen und feststeht, welche Maßnahmen aus dem 37 Punkte umfassenden "Programm Bahnausbau Region München" vorgeschlagen werden, auch die Initiative S 7-Ost-Plus um eine Stellungnahme gebeten werden.

Mitgebracht hatte die Bürgerinitiative eine von 633 geplagten Bahnreisenden unterschriebene Petition für den 20-Minuten-Takt bis Aying sowie einen 20-40-Minuten-Takt bis Kreuzstraße mit Halt an allen Bahnhöfen. Neben der Machbarkeitsstudie für den zweigleisigen S-Bahn-Ausbau fordern die Unterzeichner auch eine Umfahrung des Bahnhofs Kreuzstraße, um eine direkte Verbindung für einen stündlichen Regionalzug zwischen Aying und Bad Aibling zu schaffen. Bürgermeister Eichler forderte vor allem "Planungssicherheit von oben". Er beklagte, dass Brücken und Bahnunterführungen bisher noch immer für ein Gleis geplant werden, obwohl der zweigleisige Ausbau der S 7 im Osten eigentlich vorgesehen ist.

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Sein Kollege Loderer aus Ottobrunn machte laut Semmler deutlich, wie problematisch die Kopplung der beiden eingleisigen Äste der S7 im Osten und Westen ist, weil sich hier Verspätungen automatisch einstellen und hochschaukeln. Auch seien die Bahnhöfe südlich von Höhenkirchen-Siegertsbrunn lediglich für Vollzüge mit zwei Zugeinheiten und nicht für Langzüge mit drei Zugeinheiten ausgebaut.

Die einzige Neuerung, die es zum Fahrplanwechsel in diesem Dezember geben wird, ist eine "Öffnung bisheriger Fahrten für den Fahrgastbetrieb". Das heißt: Bahnen, die jetzt noch von Kreuzstraße bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn durchfahren, werden dann in Aying halten. Aber nur dort. In Großhelfendorf, Peiß und Dürrnhaar können Fahrgäste weiterhin zusehen, wie die S-Bahn durchrauscht. Das hatten sich die Vertreter der Initiative anders vorgestellt, als sie Anfang Juli einen Zusage von Minister Hans Georg Reichhart (CSU) dafür bekommen hatten. Zeitgründe würden dagegen sprechen, hieß es nun aus dem Ministerium.

Ebenso sei es auch nicht möglich, dass die in Höhenkirchen-Siegertsbrunn stundenlang abgestellten Vollzüge nach Aying beziehungsweise nach Kreuzstraße weiterfahren und hier den 20- beziehungsweise 20-40-Minuten-Takt ermöglichen. Eine "Erholungszeit" der Züge wurde laut Semmler hier als Begründung für die Absage angeführt worden. Was das genau sein soll, fragen sich die Vertreter der Initiative auch nach dem Gespräch. Eine schriftliche Erklärung und einen Termin mit Vertretern von S-Bahn, Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Verkehrsministerium soll es dazu noch geben.