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Kommunalwahl in Ismaning:Ungleiches Trio

Ismaning hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Das Foto zeigt die neue Kita an der Münchener Straße vor dem Wasserturm.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Während der Bürgermeister Alexander Greulich von der SPD und seine CSU-Herausforderin Annette Reiter-Schumann fleißig Wahlkampf machen, fährt Max Kraus von den Freien Wählern in den Urlaub.

In Ismaning gehen die Aspiranten auf den wichtigsten Job im Rathaus derzeit ganz unterschiedliche Wege im Kommunalwahlkampf: Die Bürgermeisterkandidatin der CSU, Annette Reiter-Schumann, macht Hausbesuche, um bei den Wählern Bekanntheit zu gewinnen, und sucht an Infoständen das Gespräch; Amtsinhaber Alexander Greulich (SPD) ist bei Ortsteilspaziergängen unterwegs, trifft sich mit Kollegen und Bürgern zum Bürgermeister-Stammtisch und steht an der "Ansprech-Bar" bereit.

Und Max Kraus? Der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft hat sich in den vergangenen Wochen bei einer ausgiebigen Reise in den Orient die nötige Energie für das Werben um die Gunst der Ismaninger geholt. So cool muss man erst einmal sein. Während also "der Max", wie er im Ort genannt wird, anscheinend dem 15. März ganz relaxed entgegenblickt, ist den beiden anderen die Anspannung schon ein bisschen anzumerken.

Reiter-Schumann, die von manchen Ismaningern nur "die Kandidatin" genannt wird, läuft die ganze Woche viele Kilometer durch die Gemeinde, die seit 2007 "ihre Heimat" ist, wie sie sagt. Bis auf den Sonntag ist sie auf Besuchstour, jeden Tag mit einer anderen Kandidatin oder einem Kandidaten von der CSU-Gemeinderatsliste. Diese Form des Wahlkampfs mache ihr großen Spaß, sagt Reiter-Schumann. Ihre Unterstützer firmieren als "Team ARS", die Initialen ihres Namens.

Die Parallele zu AKK ist offensichtlich, was spätestens seit der Rückzugsankündigung der immer wieder unglücklich agierenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer etwas unglücklich wirkt. Annette Reiter-Schumann, 50, will die erste Frau an der Spitze der Gemeinde im Norden des Landkreises werden. Eine Bürgermeisterin, die verbindet und "auch versöhnt". So steht es in ihrem Grußwort zum Wahlprogramm. Ist Ismaning etwa zerstritten, gibt es Gräben? Das nicht unbedingt, aber Verbesserungsbedarf sei immer vorhanden. Da ist sich die gebürtige Hamburgerin sicher. Das sei bei den Hausbesuchen in den anstrengenden Vorwahl-Wochen spürbar geworden. Und: "Viele freuen sich auch, dass eine Frau antritt." Noch dazu eine von der CSU.

Bürgermeister Alexander Greulich, seit 2014 im Amt, macht nicht unbedingt den Eindruck, dass ihn das schreckt. Zusammen mit seiner SPD will er gerne weitermachen und "mit Ismaning im Herzen die Zukunft gestalten", wie der Slogan der Sozialdemokraten für die Wahl 2020 heißt. Die Chancen stehen gut, weitere sechs Jahre die Geschicke einer Gemeinde als Bürgermeister lenken zu können, die sich angesichts ihrer guten Einnahmesituation vieles leisten kann.

Greulich ist beliebt, er setzt sich ein - und er kämpft, wenn es um die Belange der Ismaninger geht. Zum Beispiel wie jüngst bei der MVV-Tarifreform. Da kann er laut werden und da nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn ihm und den Seinen der Freistaat oder Bund auf die Nerven gehen. Im Gemeinderat bevorzugt er die integrative Form der Zusammenarbeit, der Umgangston im Kutscherbau ist kollegial und kultiviert, Zweiter Bürgermeister Josef Zettl (CSU) sitzt an seiner Seite vorne mit am Ratstisch.

Wahl 2014

Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) gewählt mit 52,9 Prozent

Gemeinderat (24 Sitze)

CSU 7 Sitze

SPD 8 Sitze

FWG 7 Sitze

Grüne 2 Sitze

Wahlergebnis

CSU 30,3

SPD 30,7

Grüne 9,4

FWG 29,6

Warum er weitermachen will? Die SPD habe in den vergangenen sechs Jahren so viel erreicht und angestoßen, sagt Greulich und verschweigt dabei nicht, dass im Gemeinderat meist Konsens herrscht. Das Gymnasium wurde errichtet und bezogen, die Mittelschule und die Camerloher-Grundschule saniert, ausgebaut und erweitert, die Geothermie und das Glasfasernetz ist auf nunmehr gut 50 Kilometer im Ort ausgebaut, Kitas wurden eröffnet, die Gemeinde-Mietwohnungen am Grabenanger stehen kurz vor der Fertigstellung, um nur einiges zu nennen.

In den nächsten Jahren folgen eine dritte Grundschule, das technische Rathaus, neue und vor allem bezahlbare Wohnungen für Seniorinnen und Senioren sowie alle anderen Altersgruppen. Natürlich sei da auch die Gestaltung der Ortsmitte mit Einkaufsmöglichkeiten und bezahlbaren gemeindlichen Wohnungen, so Greulich. Und ganz wichtig: Ismaning soll die "coolste Gemeinde" im Landkreis München werden. Zu diesem Zweck entsteht etwa am Kernbach ein weiterer Park mit Bachübergängen, Wiesen, Bauminseln, der für die Durchlüftung des Ortes und für die Naherholung von großer Bedeutung ist. Damit und mit Neupflanzungen innerorts sollen in immer häufiger auftretenden Hitzephasen zu einer Abkühlung beitragen, die im besten Fall bis zu acht Grad Celsius betragen kann, wie Greulich sagt.

Bei den Grünen rennt der Bürgermeister damit offene Türen ein. Die Partei hat selbst niemanden für die Bürgermeisterwahl aufgestellt, unter der Devise "Mehr Grün für Ismaning" will der Ortsverband aber bei der Gemeinderatswahl punkten, und das nicht nur mit Klimathemen. Die Grünen fordern mehr Plätze zum Verweilen und bedauern, dass Geschäfte verschwinden. Die Mieten seien viel zu hoch, viele könnten sich das nicht mehr leisten. Dagegen nehme der Autoverkehr immer mehr zu, Radler würden oft auf Gehwege verbannt. Und es gebe zu wenige Buslinien.

Für eine lebendige Ortsmitte brauche es einen Dorfladen und Begegnungszonen; Ismaning solle neue Wohnformen fördern, etwa Genossenschaften für Mehrgenerationenhäuser. Und beim Klima soll die Kommune mutige Vorreiterin werden, heißt es im Wahlprogramm, mit dem die Grünen die Anzahl der Sitze im Gemeinderat erhöhen wollen, damit sich die beiden amtierenden Kolleginnen Irene Holler und Silke Levermann nicht mehr so allein fühlen müssen. Bewahrheitet sich der Trend, könnte die grüne Welle auch in den Ismaninger Sitzungssaal im Kutscherbau auf dem Schlossgelände schwappen.

Auch die Ismaninger FDP hofft auf den 15. März. Sie tritt zur Kommunalwahl mit einer eigenen Gemeinderatsliste an, die vom 24-jährigen Jurastudenten Raphael Karlisch angeführt wird. Insgesamt neun Kandidaten stellen sich zur Wahl. Das letzte Mal haben die Freien Demokraten 2008 einen Versuch gestartet, in den Gemeinderat zu kommen. Derzeit gehören etwa 20 Ismaninger dem gemeinsamen FDP-Ortsverband mit Unterföhring an. "Ismaning hat so viel Potenzial, in einigen Bereichen ist das noch lange nicht ausgeschöpft. Ich möchte mich dafür einsetzen, Ismaning zum Hotspot digitaler Innovationen zu machen", wirbt Karlisch.

Und was haben die Freien Wähler vor, mit Max Kraus, der Greulich das Bürgermeisteramt streitig machen soll? Wie der Spitzenkandidat selbst sagt, hat er die Gemeindepolitik insbesondere durch seinen Vater kennengelernt, der seit 1978 für Jahrzehnte Verantwortung im Ismaninger Gemeinderat getragen hat. Seit 2008 gehört Kraus selbst dem Ismaninger Gemeinderat an - und auch dem Kreistag. Sein Antrieb ist in all den Jahren seines Engagements der Grundsatz: dass Ismaning auch Ismaning bleibt. Unter dieser Überschrift solle seine Arbeit als Bürgermeister stehen. Die Gemeinde könne auf eine lange Geschichte zurückblicken, deshalb müsse "das Gute in unserem Gemeinwesen erhalten und bewahrt werden", sagt Kraus.

Kommunalwahl in Ismaning

Die Kandidaten für den Gemeinderat

Hier gehe es um das tägliche Leben, um das Wohnen, die Arbeit und die Freizeit, so Kraus. Und es gehe darum, im Spannungsfeld der Großstadt München für die Eigenständigkeit zu sichern und weiterhin Heimat zu bieten, wirbt Kraus. Er selbst stehe für Qualität, Leistung und Tatkraft, sagt er. Und natürlich dafür, nicht alles so bierernst zu nehmen und in der Hochphase des Wahlkampfs ruhig mal eben etwas für die Work-Life-Balance zu tun. So ist er halt, der Max.

In einer früheren Version fehlte die Kandidatenliste der FDP.

© SZ vom 11.02.2020/wkr
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