Forschung und Wirtschaft:"Die Ausstattung ist entscheidend"

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Forschung und Wirtschaft: In und um das IZB in Martinsried haben sich zahlreiche Biotech-Unternehmen angesiedelt. Im Bild ein Mitarbeiter der Firma Ethris.

In und um das IZB in Martinsried haben sich zahlreiche Biotech-Unternehmen angesiedelt. Im Bild ein Mitarbeiter der Firma Ethris.

(Foto: Büro Monaco)

Peter Hanns Zobel hat das erfolgreiche Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie in Martinsried mit 50 Start-ups aufgebaut. Das Konzept ist seiner Meinung nach immer noch aktuell und zum Beispiel auf das jetzt von der CSU angeregte Energiewende-Gründerzentrum übertragbar.

Interview von Rainer Rutz, Planegg

Peter Hanns Zobel, 57, gilt als Vater der Gründerzentren in Bayern. Er ist seit mehr als 25 Jahren Geschäftsführer des Innovations- und Gründerzentrums für Biotechnologie (IZB) im Planegger Gemeindeteil Martinsried, in dem heute auf 26 000 Quadratmetern 700 Mitarbeiter in rund 50 Start-ups tätig sind. Rund 70 Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren an Grund-Investitionen nach Martinsried geflossen, je zur Hälfte vom Freistaat und als Darlehen von Banken. Das IZB gilt als eine der bedeutendsten Forschungsstätten im Gründerbereich europaweit. Die SZ sprach mit Zobel vor dem Hintergrund des CSU-Vorstoßes für ein neues Gründerzentrum mit dem Schwerpunkt auf erneuerbare Energien und alternative Antriebstechnologien.

SZ: Herr Zobel, zu Beginn war ihr Biotech-Gründerzentrum alles andere als willkommen: Bürgerinitiativen und Gemeinderäte aller Fraktionen fürchteten sich vor der Gentechnik, vor HIV-Viren, die umherschwirren könnten, vor Gen-Labors. Heute ist alles anders: Die Idee eines neuen Gründerzentrums zur Energiewende im Landkreis führt wohl zu keinen Protesten mehr, im Gegenteil: Zustimmung von allen Seiten.

Peter Hanns Zobel: Das stimmt. Unser Start war beschwerlich, alles war eher klein. Und das Wort "Biotechnologie" war negativ besetzt. Heute verstehen die Menschen, dass uns die Gründerthemen alle betreffen - besonders die Biotechnologie und die Nachhaltigkeit. Ohne Gründerzentren würde es in Deutschland wohl weniger und auch weniger erfolgreiche Start-ups geben. Denn von der Erfindung bis zum Markteintritt ist es ein langer Weg. Die richtige Infrastruktur und das Netzwerk zu Multiplikatoren und anderen Start-ups sind der Schlüssel zum Erfolg. Gründerzentren sind Katalysatoren, zum Beispiel werden neue Medikamente oder Umwelttechnologien entwickelt. Die Voraussetzung: Eine - sehr wichtige - neue Infrastruktur entsteht, Freilandflächen werden gebraucht. Entscheidend sind Ausgründungen von Universitäten und anderen Instituten. Die Gründer werden später zu Unternehmern. Sie sind der Motor für alles, was wir schätzen.

Sind denn Modelle wie das IZB überhaupt noch zeitgemäß? Der Staat stellt preiswerten Raum, auch bestausgestattete Labore und die nötige Infrastruktur zur Verfügung und kümmert sich eigentlich um Alles. Jeder kann zu Ihnen kommen und sich beraten lassen. Service rundum.

Ja, das ist richtig. Ich möchte aber betonen, dass wir immer zu Marktpreisen anbieten. Dass die Labore gut ausgestattet und möbliert sind, ist ein unschätzbarer Vorteil für Mieter. Wir bieten hier Besprechungsräume, ein Hotel, zwei Kindergärten, eine Chemieschule, einen Faculty Club, eine Fülle von Netzwerkveranstaltungen, PR und Marketing. Es geht nicht nur um Beton, die Ausstattung ist entscheidend. Und: Es muss ein Konzept da sein, das auf die Branche ausgerichtet ist. Man muss alles tun, dass die Gründer erfolgreich und zufrieden sind.

Forschung und Wirtschaft: Peter Hanns Zobel ist Geschäftsführer des IZB in Martinsried.

Peter Hanns Zobel ist Geschäftsführer des IZB in Martinsried.

(Foto: Alessandra Schellnegger/)

Apropos erfolgreich: Woran misst sich denn der Grad des Erfolgs?

Schauen Sie sich um. Wir wären hier nicht, wenn wir nicht erfolgreich wären. Von den 200 Start-ups, die wir hier in 27 Jahren hatten, sind nur neun insolvent gegangen - die meisten davon in den Jahren des Niedergangs des Neuen Marktes um das Jahr 2000. Die Spitzenforschung im IZB stößt weltweit auf großes Interesse. Allein 2015 haben unsere Start-ups Deals im Wert von über vier Milliarden Dollar mit hochkarätigen Kooperationspartnern abgeschlossen und damit Kapital nach Bayern geholt.

Können Sie uns ein paar signifikante Ergebnisse jahrelanger Forschung präsentieren?

Wie gesagt: Allein seit 2015 sind über vier Milliarden in Start-ups des IZB geflossen - das kriegen nur Leute, die Erfolg haben. Medikamente, wissenschaftliche Geräte oder Diagnosemethoden sind im IZB entwickelt worden. Der Corona-Impfstoff-Hersteller Biontech ist hier mit einer anderen Sparte vertreten. Hier wurden Vaterschaftstests per Haaranalyse entwickelt, es gibt Krebsmedikamente für Menschen und Tiere, im IZB Weihenstephan wurde ein Aufkleber erfunden, der Brände und Feuer schon im frühesten Stadium bemerkt - deutlich früher als herkömmliche Brandmelder. Für die Untersuchung der Prostata braucht man heute oft keine Biopsie mehr, man kann das mit einem neuen Liquid-Biopsy-Test machen, der hier entwickelt wurde. Produkte auf Basis von künstlicher Spinnenseide wurden erforscht, die aus Bakterien gewonnen werden. Dieses Hochleistungsmaterial wird nun in der Medizintechnik für Brustimplantate oder in der Luxusgüter-Branche statt herkömmlicher Seide oder in Kosmetika eingesetzt. Auch als umweltfreundliches Pflanzenschutzmittel wird es von dem weltweit größten Getreideanbieter aus den USA verwendet. Ich könnte hier noch endlos Innovationen auflisten. All das ist Biotech. Ein Wort zu den Zeitabläufen: Die Entwicklung eines Medikaments zur Marktreife dauert in Deutschland im Schnitt zwölf Jahre und kostet rund 1,3 Milliarden Euro.

Wenn Sie ein Resümee ziehen müssten und einen Blick in die Zukunft von Gründerzentren werfen möchten, wie sähe das aus?

Unser Gründerzentrum hat sich auf alle Fälle bewährt. Aus meiner Sicht benötigen wir nur eines: Wachstumspotenzial in qualitativer und quantitativer Hinsicht. Wenn das unbürokratisch und damit schnell gelingt, arbeiten wir uns als Hotspot der Biotechnologie an die Spitze.

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