Corona:Luftreinigung ohne lästigen Filterwechsel

Corona: Noch brummt es: Bürgermeister Jan Neusiedl und Schulleiterin Claudia Angermaier mit dem CO2-Messgerät. Oben an der Wand der Luftreiniger.

Noch brummt es: Bürgermeister Jan Neusiedl und Schulleiterin Claudia Angermaier mit dem CO2-Messgerät. Oben an der Wand der Luftreiniger.

(Foto: Claus Schunk)

Grünwald schafft für Schulen und Rathaus Geräte an, die mit Plasmatechnik arbeiten.

Von Claudia Wessel, Grünwald

Sie sind so unauffällig, dass Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) beim Besuch in der ersten Klasse der Martin-Kneidl-Grundschule erst mal nachfragen musste: "Wo sind nun die Luftreiniger?" Rektorin Claudia Angermaier zeigte die zwei kleinen Kästen links und rechts oben an der Wand. Sie sind so klein, obwohl es sich laut David Beil, dem ebenfalls anwesenden Geschäftsführer der Lieferfirma Losano aus Grasbrunn, um die Version in der mittleren Größe handelt. Sie sind so gut wie lautlos und im Landkreis München - jedenfalls in Schulen - einzigartig, wie Neusiedl versicherte.

Denn zwar haben inzwischen viele Gemeinden ihre Schulen mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet. Doch Grünwald sei die einzige Gemeinde, die solche mit Plasma-Technologie benutze, betonte der Bürgermeister. Die Inspiration zu dieser Technik habe er durch eine Grünwalder Ärztin erhalten, berichtete Neusiedl bei dem Ortstermin. Diese habe schon lange vor Corona derartige Luftreinigungsgeräte mit Erfolg benutzt und damit ihre Arzthelferinnen vor Ansteckung bei Patienten geschützt. Auch der Heuschnupfen einer Mitarbeiterin sei dadurch kuriert worden, jedenfalls während der Arbeitszeit in der Praxis.

Diese Luftreinigungsgeräte filterten die Luft nicht, wie herkömmliche Hepa-Filter, erklärte Beil, sondern sie zerstörten die Keime in der Luft. Ursprünglich seien sie für Operationssäle und Kliniken entwickelt worden. "Sie reinigen die eingesaugte Luft in Bruchteilen einer Sekunde durch mehrere, gleichzeitig wirkende Mechanismen", so Beil. Dadurch würden 99,99 Prozent der in der Luft enthaltenen Viren und Keime neutralisiert. Auch Allergene und Gerüche würden reduziert. Es entstünden keinerlei schadhafte Nebenprodukte. Ein Vorteil der Geräte ist auch, dass keine Filter gereinigt oder ersetzt werden müssen und kein Sondermüll anfällt. 70 Stück gibt es davon inzwischen in der Grundschule, in Klassenräumen, Lehrerzimmer, Rektorat und weiteren Räumen. Die Gemeinde hat dafür rund 160 000 Euro gezahlt.

Auch das Gymnasium und die Rathausverwaltung werden bald mit derartigen Geräten ausgestattet. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Das Gymnasium wird ebenfalls 140 Geräte erhalten, das Rathaus benötigt 88 Stück. Der Gemeinderat gestattete die außerplanmäßige Ausgabe von 653 000 Euro. Geprüft wird auf Antrag von CSU-Gemeinderätin Sindy Loos weiterhin, ob auch der Sitzungssaal mit gereinigter Luft ausgestattet werden soll.

Vom Frieren befreien die Geräte die Kinder in der Schule allerdings nicht, gelüftet werden muss trotz der Filtergeräte. Wann die Fenster geöffnet werden müssen, werden schon von Januar an CO₂-Ampeln in den Grünwalder Schulen anzeigen. Im Moment geben sich die Kinder noch mit einem Brummton zufrieden, der ertönt, wenn die Luft zu dick wird. "Diese Geräte waren schneller lieferbar", erklärt Neusiedl die Funktion des kleinen Kästchens, das auf einem Schrank steht. Die "Ampeln" sind ähnliche Geräte, zeigen aber Farben an: Grün für gute Luftqualität, Gelb für passable Luftqualität, Rot für: Lüften empfohlen.

© SZ vom 10.12.2020
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