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Corona-Inzidenz:"Die Reise geht Richtung 200"

Trotz Schnelltests - die dritte Corona-Welle hat den Landkreis voll erfasst.

(Foto: Claus Schunk)

Landrat Göbel rechnet trotz der von diesem Freitag an geltenden Notbremse bis Ende kommender Woche mit einer weiter steigenden Inzidenz. Schnelltests an Schulen ergaben bisher 22 positive Befunde.

Von Iris Hilberth

Die britische Variante des Coronavirus bestimmt mittlerweile das Infektionsgeschehen im Landkreis und treibt die Zahlen weiter in die Höhe. Wie Landrat Christoph Göbel (CSU) bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz am Donnerstag bekannt gab, werden inzwischen ausschließlich Mutanten nachgewiesen. Am Donnerstag waren dies erneut 98 neue Fälle. Die Inzidenz stieg derweil laut Robert-Koch-Institut (RKI) auf 140,2 "Wir beobachten die Entwicklung, die zu erwarten war, es ist so eingetroffen, wie wir es vermutet haben", sagte Göbel und ist sich auch bei seiner Prognose sicher: "Die Reise geht eindeutig in Richtung 200."

Für den Landrat stand daher bereits am Donnerstag außer Zweifel, dass die Schulen kommende Woche wieder mit Ausnahmen der Abschlussklassen komplett in den Distanzunterricht zurückkehren. Das wird zwar erst am Freitag offiziell festgelegt, doch sehen die Regeln aktuell genau dies vor, wenn der Inzidenzwert jenseits der 100 liegt. Im Landkreis ist das bereits seit Montag der Fall, weshalb von diesem Freitag an die "Notbremse" mit strengeren Vorschriften wie der nächtlichen Ausgangssperre und Kontaktbeschränkungen gilt; der Zugang zu Länden, die nicht zu den Geschäften des täglichen Bedarfs zählen, ist dann nur noch mit einem negativen aktuellen Testergebnis erlaubt.

Zwar sieht der Gesetzesentwurf der Bundesregierung derzeit Wechselunterricht bis zu einem Inzidenzwert von 200 vor, doch geht Göbel nicht davon aus, dass Bayern die Marke hinaufsetzt. "Das wage ich zu bezweifeln", so der Landrat. Auch rechnet er damit, dass das Gesetz erst Ende nächster Woche in Kraft tritt; dann stelle sich aufgrund der anhaltend steigenden Tendenz der Infektionen für den Landkreis die Frage 100 oder 200 gar nicht mehr.

Für die Abschlussklassen, die auch die kommenden Wochen in den Schulhäusern anwesend sein werden, gilt weiterhin die Testpflicht vor Unterrichtsbeginn. Laut Göbel laufen die Antigen-Schnelltests "reibungslos." Bislang wurden an 18 Schulen 22 Schüler positiv getestet. Durch PCR-Tests bestätigt wurden 14 Infektionen. Möglicherweise gab es allerdings bereits mehr positive Schnelltests, wie Göbel einräumt. Denn die Schulen sind nicht verpflichtet, die Resultate der Schnelltests zu übermitteln. Meldepflichtig gegenüber den Behörden sind nur die positiven PCR-Tests.

In Quarantäne geschickt werden mussten nach den Osterferien bereits wieder Klassen aus fünf Schulen. Ein positiver Schnelltest allein hat für die betroffene Klasse noch keine Auswirkungen. "Wenn die Schüler zuvor nicht längere Zeit zusammen waren, gelten sie nicht als Kontaktpersonen", bestätigt eine Behördensprecherin. Da in den meisten Schulen im täglichen Wechsel unterrichtet wird, war das zumindest zu Beginn der Woche nicht der Fall. Bei bestätigten Fällen allerdings gilt die konsequente Zwei-Wochen-Quarantäne, die wegen der britischen Variante angeordnet wird.

In den Pflegeheimen hingegen ist das Infektionsgeschehen stark zurückgegangen, derzeit gibt es nur noch drei Fälle unter Bewohnern und elf unter Mitarbeitern. "Wir haben auch immer wieder Infizierte unter den bereits geimpften Personen, die allerdings keinerlei Symptome zeigen", so der Landrat. Das Landratsamt hat am Donnerstag jedoch aufgrund der erhöhten Infektionslage angeordnet, dass sich Beschäftigte in Alten- und Pflegeeinrichtungen vorsorglich an mindestens zwei verschiedenen Tagen pro Woche auf das Coronavirus testen lassen müssen. Die Anordnung gilt von diesem Freitag an.

Geimpft sind im Landkreis inzwischen 85 004 Personen, von denen 23 373 bereits die zweite Spritze erhalten haben. Derzeit werden zum Großteil Erstimpfungen vorgenommen. Das hat damit zu tun, dass die Zeiträume zwischen den beiden Impfungen erweitert wurden. Beim Biontech-Impfstoff liegen nun sechs statt wie zunächst drei Wochen zwischen beiden Terminen, das Vakzin von Astra Zeneca wird nicht mehr nach neun, sondern mittlerweile nach zwölf Wochen zum zweiten Mal verabreicht. Seit die Hausarztpraxen am Impfen beteiligt werden, wurden hier 6335 Spritzen gesetzt. Von kommender Woche an soll Astra Zeneca ausschließlich in den Praxen geimpft werden. "Wir haben bewusst zusätzliche Astra-Zeneca-Dosen angefordert", so der Landrat, der auf eine Lieferung von 1900 Dosen in dieser und 1136 in der kommenden Woche verweist. Wesentlich mehr Impfstoff gibt es von Biontech: 6522 in dieser und 7218 in der kommenden Woche. Moderna liefert 1300 beziehungsweise 700 Impfdosen.

Dass in den Praxen immer noch zu wenig Impfstoff ankommt, kritisiert Allgemeinmediziner und Internist Friedrich Kiener aus Unterschleißheim. Mit vier Kassenarzt-Sitzen hätte sein Team eine Menge zwischen 80 und 200 Dosen bekommen können. In der vergangenen Woche seien aber nur 96 Dosen zur Verfügung gestellt worden, in dieser Woche waren es laut Kiener gar nur noch 36.

Kiener berichtet davon, dass die Ärzte erst einen Tag vor Erhalt des Impfstoffes die Anzahl der gelieferten Dosen erfahren. Er beklagt "eine deutlich fehlende Planbarkeit in der Versorgung mit Erst-Impfdosen". Bereits jetzt sehe er Schwierigkeiten mit den Dosen für die Zweit-Impfungen.

© SZ vom 16.04.2021/lb
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