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Corona-Impfungen:"Wir reden von Null Mengen"

Mangels Lieferung ausreichender Dosen sind im Landkreis München in den kommenden zwei Wochen keine Erstimpfungen möglich.

(Foto: Claus Schunk)

Bis zum Ende der Pfingstferien sind keine Erstimpfungen möglich. Landrat Göbel nennt das Ausbleiben angekündigter Dosen "sehr unerfreulich".

Von Iris Hilberth

Bis nach den Pfingstferien wird es in den Impfzentren des Landkreises München voraussichtlich keine Corona-Erstimpfungen mehr geben. "Die angekündigten Liefermengen an Impfstoffen benötigen wir komplett für die Zweitimpfungen", sagte Landrat Christoph Göbel in einer Online-Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Er rechnet damit, dass sich der Landkreis in den nächsten drei Wochen ausschließlich im "Zweitimpfungsturnus" befindet. "Das ist sehr unerfreulich", so der Landrat, der auf die noch immer langen Wartelisten der Priorisierungsgruppen zwei und drei verweist. Insgesamt 49 000 dort eingruppierte Impfwillige warteten im Landkreis weiterhin auf einen Termin.

Wie es zu einem solchen Engpass an Impfstoffen kommen kann, ist dem Landrat schleierhaft. "Im März wurden uns 3000 Impfdosen pro Tag angekündigt und wir haben uns darauf vorbereitet", sagte Göbel. Er berichtete von einem Gespräch diese Woche mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Vertretern des Landkreistags, in dem der Minister betont habe, alle Dosen seien geliefert worden. "Das passt mit dem kommunalen Erleben nicht zusammen", so Göbel.

Mit großen Bedenken blickt der Landrat daher auf die geplante komplette Aufhebung der Priorisierung am 7. Juni. Das sei mit der großen Erwartungshaltung verbunden, dass auch genügend Impfstoff vorhanden sei. "Das kann ich im Moment nicht erkennen. Wir reden für die Erstimpfungen im Moment von Null Mengen." Diese Woche hat der Landkreis 9720 Impfdosen gemischt für Erst- und Zweitimpfung erhalten, in der kommenden Woche sollen 10 072 eintreffen, die ausschließlich für Zweitimpfungen vorgesehen sind.

Wer einen Termin für eine zweite Spritze hat, wird gebeten, diesen unbedingt einzuhalten, eine Verschiebung würde die Logistik deutlich erschweren. Ein triftiger Grund, doch das Vakzin zu einem anderen Zeitpunkt als vereinbart verabreicht zu bekommen, könne nur Krankheit oder ein schwerwiegendes Familienereignis wie eine Beerdigung sein. Familienfeiern und Urlaub zählten nicht dazu, machte der Landrat deutlich.

Während der Impffortschritt deutlich ausgebremst ist und allgemein auf den angekündigten "Turbo" gewartet wird, entwickeln sich die Infektionszahlen wesentlich erfreulicher, denn die Neuinfektionen gehen weiter zurück. Am Donnerstag kratzte der Landkreis mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50,2 bereits an der nächsten anvisierten Marke von 50. Sollten in den anstehenden Pfingstferien die Zahlen nicht wieder nach oben gehen - was der Landrat kaum glaubt - könnten in gut zwei Wochen alle Schüler wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. Aktuell gibt es keine Infektionsfälle in den Schulen, elf Kindergartenkinder sind derzeit noch infiziert, dadurch sind drei Kitas betroffen.

Bereits diesen Freitag treten einige Lockerungen in Kraft. So dürfen Hotels für Touristen wieder öffnen, auch viele touristische Angebote sind erlaubt und Laienensembles können wieder gemeinsam üben. Zudem dürfen Freibäder und Fitnessstudios öffnen. Auch bestimmte Veranstaltungen unter freiem Himmel sind wieder möglich, etwa Sportveranstaltungen mit maximal 250 Zuschauern. Sport unter freiem Himmel ist wieder in Gruppen von bis zu 25 Personen erlaubt, im Innenbereich nur kontaktfreier Sport. Alle Sportler benötigen einen negativen Testnachweis. Dass Schüler für die Tests in den Schulen Nachweise erhalten, die sie am selben Tag auch für den Vereinssport nutzen können, ist noch nicht möglich.

© SZ vom 21.05.2021/lb
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