Bauernproteste:Jetzt wird geredet statt protestiert

Bauernproteste: Im Januar hat Bauernobmann Anton Stürzer (zweiter von rechts) noch zusammen mit anderen Landwirten aus Protest Autobahnzufahrten blockiert - wie hier bei Ottobrunn -, jetzt will er mit Vertretern der Ampel-Parteien reden.

Im Januar hat Bauernobmann Anton Stürzer (zweiter von rechts) noch zusammen mit anderen Landwirten aus Protest Autobahnzufahrten blockiert - wie hier bei Ottobrunn -, jetzt will er mit Vertretern der Ampel-Parteien reden.

(Foto: Claus Schunk)

Der Bauernverband lädt Vertreter der Parteien aus dem Landkreis München zu einem Meinungsaustausch über die Lage der Landwirtschaft ein.

Von Martin Mühlfenzl, Sauerlach

Die Grünen stehen derzeit oft im Feuer, sie werden bei Veranstaltungen bedrängt, beschimpft, blockiert. Wirtschaftsminister Robert Habeck etwa wurde im Januar von einer aufgeheizten Menge darin gehindert, eine Nordsee-Fähre zu verlassen. Und vor wenigen Wochen mussten die Grünen im schwäbischen Biberach ihren politischen Aschermittwoch abbrechen, weil die Lage wegen gewaltsamer Proteste aus dem Ruder zu laufen drohte.

Wenn nun Vertreter der Partei am Donnerstag, 14. März, in den Landgasthof Schmuck in Sauerlach kommen, hätten sie definitiv nichts zu befürchten, versichert Anton Stürzer, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Landkreis München. "Wir als Landwirte und Vertreter der Bauern suchen den Dialog, wir wollen reden und in den Austausch gehen", sagt Stürzer. "Mit Gewalt haben wir überhaupt nichts am Hut." Von den Vorkommnissen in Nordfriesland und Biberach distanziere sich der Verband daher "ausdrücklich", sagt der Landwirt. "So etwas geht gar nicht." Dem Bauernverband sei es wichtig, mit allen demokratischen Parteien zu reden.

Der Bauernverband hat neben den Grünen auch Vertreter von SPD, FDP und CSU aus dem Landkreis München zu einem Austausch in den Landgasthof eingeladen - und das laut Stürzer ganz bewusst in einem "geschlossenen Rahmen". Man habe "schon viele positive Rückmeldungen" aus den verschiedenen Ortsverbänden der Parteien bekommen, sagt Stürzer, der gemeinsam mit Kreisbäuerin Sonja Dirl die Gesprächsrunde initiiert hat. Auf eine Einladung der AfD wurde bewusst verzichtet. "Mit den Rechten wollen wir nichts zu tun haben", stellt der Bauernobmann klar.

Bei den Gesprächen mit den Kommunalpolitikern soll es laut Stürzer nicht nur um die Streichung der Vergünstigungen beim Agrardiesel gehen. "Wir wollen auch um Verständnis werben und zeigen, wer wir sind, was wir machen und wie qualitativ hochwertig unser Beitrag ist." Es gehe um "Wertschätzung, nicht Wertschöpfung". Diese hätten die Landwirte aus der Bevölkerung erhalten, viele Menschen stünden hinter den Protesten.

"Ich bin zwar in der CSU, aber nicht immer linientreu."

Auch aus dem Landkreis München waren zahlreiche Landwirte bei Großkundgebungen gegen den Wegfall der Subventionen. Zudem gab es im Landkreis Proteste, etwa bei Mahnwachen in Keferloh, Aying oder Hofolding an der Auffahrt zur A8. Diese, seien alle friedlich und geordnet abgelaufen, betonen Stürzer und Kreisbäuerin Dirl. Von Beginn an hätten die Landwirte eine klare Haltung gegen Radikalität und Extremismus eingenommen.

Ampel-Bashing wollen die Bauern bei der Zusammenkunft kommende Woche mit Vertretern der vier Parteien auf keinen Fall betreiben, ebenso wenig solle ein unkritischer Schulterschluss mit der CSU erfolgen, kündigt der Bauernobmann an. "Ich bin zwar in der CSU, aber nicht immer linientreu", so Stürzer, der für die Partei auch im Münchner Kreistag sitzt und daran erinnert, dass es die CSU gewesen sei, die in der schwarz-gelben Koalition seinerzeit die Vergünstigungen beim Agrardiesel streichen wollte. "Das hat damals die FDP verhindert", so Stürzer. "Bei mir kriegen auch die Schwarzen ihr Fett weg, wenn sie es verdient haben."

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