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Kuriose Polizei-Fälle 2018:Und dann noch die verdächtigen Signale am Himmel

Kenai, allein im Zug

Einen herrenlosen Hund aus der S-Bahn gaben Reisende Anfang März am DB-Infopoint ab. Katrin Scheller, Diensthundeführerin der Bundespolizei, fand dank Halsbandinfo schnell den Besitzer, einen Mann aus Furth, Gemeinde Oberhaching. Der kannte das schon. Ja, Kenai fahre gerne S-Bahn. Unerklärlicherweise steigt er immer am Bahnsteig Richtung München ein. Vielleicht auch deswegen, mutmaßt der 41-jährige Besitzer, weil er Kenai bei einem seiner ersten Ausflüge an der Ochsenbraterei abholen musste. Bundespolizei-Diensthund "Keks" freute sich jedenfalls, dass er bis zu dessen Abholung zur Abwechslung einmal einen nicht dienstlichen Artgenossen kennenlernen durfte. Weitere großstadtaffine Tiere im Jahr 2017 waren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): ein Biber auf der Maximilianstraße, eine Königsnatter auf einem Gartenstuhl in Neuaubing, eine aus Australien mitgereiste Riesenkrabbenspinne in einem Rucksack am Flughafen.

Polizei München Ach, du dicker Nager
Polizei München

Ach, du dicker Nager

Ein steckengebliebenes Eichhörnchen, ein vergessener Leichenwagen und arg verwirrte Kiffer. Münchens Polizei musste sich 2016 mit einigen skurrilen Fällen befassen.   Von Martin Bernstein

Die Killer-Avocado

Fünfzig Zentimeter Telefonkabel haben im Juni einen Polizeieinsatz im Westend ausgelöst. Eine Fürstenfeldbruckerin hatte beim Einkaufen etwas entdeckt, was definitiv nicht ins gut sortierte Gemüseregal gehört: eine Avocado, aus der ein Kabel hing. Sie alarmierte die Polizei. Eine Streife inspizierte die verdächtige Beere aus der Familie der Lorbeergewächse und kam zu der vorläufigen Einschätzung, dass von der mutmaßlichen Guacamole-Bombe keine Gefahr ausging. Zur näheren Begutachtung wurde das Gemüse aber auf die Westend-Wache an der Beethovenstraße gebracht. Dort schnitten die Beamten die Avocado fein säuberlich auf und inspizierten noch einmal das Innenleben des Objekts. Doch auch dort fand sich nichts Verdächtiges - grünes Fruchtfleisch, dunkler, holziger Kern, aber keine "abnormalen Fremdkörper", wie es im Polizeibericht heißt. Wann und von wem das Kabel in die Avocado-Schale gesteckt worden war, blieb ungeklärt. Nicht jedoch das weitere Schicksal der Frucht: Sie endete nicht als Dip, sondern im Biomülleimer.

Mysteriöse Kreise am Firmament.

(Foto: Martin Hammer)

SOS in und über der Stadt

Eine aufmerksame Frau beobachtete im September aus einer Wohnung in ihrer Nachbarschaft ein beunruhigendes Morsesignal: dreimal kurz - dreimal lang - dreimal kurz. Die Frau konnte das Signal richtig deuten, es handelt sich um den internationalen Hilferuf. SOS! Geistesgegenwärtig alarmierte die Frau die Münchner Polizei. Streifenbeamte konnten die Sache schnell klären. Ein Junge spielte in aller Ruhe und ohne jeden Notfall mit seiner Taschenlampe und sendete die Signale unbeabsichtigt aus dem vierten Stock. Für die Frau gab es dennoch viel öffentliches Lob von der Polizei, weil sie "das SOS erkannt hat und dadurch richtig reagieren konnte".

Ein echter Notfall war dagegen eine Fahndung der Bundespolizei zur Wiesnzeit. "Ich wollte ihn ansprechen, wusste aber nicht, ob ich das überhaupt darf", wenn es um so etwas "Privates" gehe, schrieb eine junge Traunsteinerin den Beamten. Die Frau war "vom Lächeln" eines Bundespolizisten so angetan, dass sie am nächsten Morgen nach dem Unbekannten suchte. Sie habe mit dem Polizisten am Hauptbahnhof mehrfach Augenkontakt gehabt und er habe ihre Blicke lächelnd erwidert. Ihre E-Mail hatte sie an das Polizeipräsidium München geleitet und von der Inspektion 16 ging die Suchanfrage weiter zur Bundespolizei. Schon am frühen Nachmittag war der Herzensbrecher tatsächlich ermittelt. Es handelt sich um einen 23-jährigen Polizeimeister. Auch er, so stellte sich heraus, hatte weder die junge Frau noch den Blickkontakt vergessen. Ein anderer Notfall endete im Dezember eher traurig. Ein etwa 40 Jahre alter Mann hatte sich in einem Café nahe der Wasserburger Landstraße verdächtig gemacht. Mehre Tage lang saß er immer wieder da, schaute aufs Handy oder hinaus auf die Straße; dann wieder ging er nach draußen, telefonieren. Nach einigen Tagen wurde die Sache den Angestellten unheimlich. Sie riefen die Polizei. Die Beamten kamen und befragten den Mann. Was sie dabei erfuhren, hatte allerdings nicht das Zeug zu einem Kriminalfall. Ein Date hatte der Mann ausgemacht - und war immer wieder versetzt worden.

Polizei in München Warum München so sicher ist

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Rein statistisch kommt hier ein Polizist auf 265 Bürger - das ist der schlechteste Wert aller deutschen Millionenstädte. Dennoch gibt es hier deutlich weniger Straftaten als in Hamburg, Köln oder auch Frankfurt. Woran liegt das?   Von Thomas Schmidt