Werksviertel Wie teuer wird der Konzertsaal?

Das Modell von Cukrowicz Nachbaur begeistert Musiker wie Juroren, ist aber bei vielen Münchnern umstritten - und landete bei einem internen Ranking der günstigsten Entwürfe auf Platz neun von 31.

(Foto: Cukrowicz Nachbaur Architekten/dpa)
  • Akustik, Statik, angepasste Entwürfe: Zu viel ist noch ungewiss beim neuen Konzertsaal. Eine verlässliche Kostenschätzung kann es darum noch nicht geben.
  • Offenbar gibt es aber durchaus eine Zahl als Orientierungspunkt: 370 Millionen Euro.
  • Beim Architektenwettbewerb spielte offenbar auch eine Rolle, ob man die Entwürfe in diesem Kostenrahmen verwirklichen kann.
Von Christian Krügel und Wolfgang Wittl

Alle Politiker und Konzerthaus-Verantwortlichen hatten sich bislang tunlichst bemüht, keine konkreten Kosten für das Projekt im Werksviertel zu nennen. Aus gutem Grund: Die beim Wettbewerb siegreichen Architekten Cukrowicz Nachbaur müssen erst ihre Entwürfe überarbeiten und detaillierte Bauplanungen vorlegen.

Zudem fehlen noch die Pläne von Akustikern und Statikern. "Nach jetzigem Stand kann noch niemand eine seriöse Kostenberechnung abgeben", sagte deshalb Bauminister Joachim Herrmann am Mittwoch im Haushalts- und Wissenschaftsausschuss des Landtags. Doch bei der Debatte über das Projekt dort wurde klar, dass es sehr wohl einen Kostenrahmen gibt, der offenbar auch im Preisgericht des Architektenwettbewerbs eine Rolle spielte: 370 Millionen Euro.

Konzerthaus München

Das sind die Entwürfe für den Konzertsaal

Die Zahl hatte das Finanzministerium vor gut einem Jahr in den Raum gestellt, seitdem hatte das Kultusministerium immer nur von einem Kostenrahmen zwischen 150 und 300 Millionen Euro gesprochen. Landtagsabgeordnete von CSU, SPD und Freien Wählern pochten darauf, dass 370 Millionen definitiv eine Obergrenze sein müsse. "Wir brauchen keine Kostenberechnung, keine Kostenschätzung. Die 370 Millionen sind unser Maßstab", sagte Bernhard Pohl (Freie Wähler).

Tatsächlich war das wohl auch den Juroren im Preisgericht bewusst. "Es ist nicht so, dass wir Kosten völlig außen vor gelassen haben", sagte Daniel Oden vom Staatlichen Bauamt, den Minister Herrmann zum Projektbeauftragten für das Konzerthaus ernannt hat. Es habe einen gewissen "Plausibilitätscheck" gegeben, der wegen der unterschiedlichen Saalentwürfe nicht einfach gewesen sei.

Deshalb habe man auf die Grundkonstruktion der Häuser geachtet und sei am Ende zu dem Ergebnis gekommen: "Alle fünf Preisträger sind im Rahmen der 370 Millionen zu verwirklichen", so Oden. Neben dem siegreichen Entwurf der Vorarlberger Architekten waren vier weitere Modelle anderer Büros gekürt worden. Das gläserne Konzerthaus von Cukrowicz Nachbaur habe in einem internen Kostenranking auf Platz neun der 31 Entwürfe gelegen und sei um etwa 20 Prozent teurer eingestuft worden als der günstigste Entwurf.

Einige Architekten hätten aber die 370-Millionen-Grenze mit ihren Plänen sicher gerissen. Die Verhandlungen mit den Wettbewerbssiegern würden jetzt zügig geführt, Daniel Oden hofft auf eine Beauftragung bis Februar. Parallel werde auch mit den Büros auf den Plätzen zwei bis fünf verhandelt, wenn diese überhaupt noch interessiert seien.

Kultur in München Harte Recherche in den besten Konzertsälen Europas
Konzerthaus-Projekt

Harte Recherche in den besten Konzertsälen Europas

Um Erfahrungen für das neue Konzerthaus im Werksviertel zu sammeln, besuchen einige Parlamentarier Konzerte und Führungen - manche sprechen von der "anstrengendsten Reise ihrer Laufbahn".   Von Lisa Schnell

Für CSU-Haushaltspolitiker Ernst Weidenbusch sind mehrere Verhandlungsoptionen ein absolutes Muss: "Die Hauptplanungsaufgabe hat schon gelautet, den Kostenrahmen einzuhalten. Wenn es der erste Platz ist, gut. Es kann aber auch der fünfte Platz sein. Daran wird sich der Haushaltsausschuss messen lassen."

Alle Abgeordneten drängten auf eine scharfe Kostenkontrolle. Denn trotz Herrmanns Beteuerungen, Daniel Oden sowie eine externe Projektsteuerung würden extrem auf die Kostenentwicklung achten, sitzt der Zweifel der Abgeordneten offenbar tief. Es dürfe "keinen zweiten Fall Gärtnerplatz" geben, sagte Thomas Mütze (Grüne) und verwies auf die Kostenexplosion bei der Renovierung.