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Konzert:Platz für die Popfrauen

Songs From Here

Ala Cya, Elena Steri, Cosma Joy, Hanna Sikasa und Die Nowak (von links) wollen gemeinsam mehr erreichen und stellen ihre Songs auf einen kleinen Tour dem Publikum vor.

(Foto: Songs From Her(e))

Für das Mini-Festival "Songs From her(e)" haben sich fünf Musikerinnen aus vier bayerischen Städten zusammengeschlossen

Eigentlich sollte es nicht wichtig sein, "ob da jetzt eine Frau oder ein Mann auf der Bühne steht", sagt Elena Steri. Und sie hofft, dass das auch irgendwann so sein wird. Im Moment sei es aber leider so, "dass da immer noch viel mehr Männer auf Bühnen stehen und gepusht werden, obwohl es auch so viele wahnsinnig gute weibliche Musikerinnen gibt". Deswegen hält es die 21-jährige Singer-Songwriterin aus Nürnberg für wichtig, "dass sich Frauen in der Musikszene gegenseitig unterstützen". Und genau deshalb hat sie zusammen mit dem Münchner Booker und Musikmanager Paul Marx "Songs From Her(e)" initiiert: Ein Mini-Festival, das an diesem Freitag in der Münchner Milla insgesamt fünf Musikerinnen aus München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg live an einem Abend präsentiert.

Wobei an einem Abend nicht ganz stimmt. Denn die Veranstaltung in der Milla ist gleichzeitig der Auftakt zu einer kleinen Tour, die mit Landshut (Rocket Club, 14. März), Bayreuth (Kunst- und Kulturhaus Neuneinhalb, 15. März), Regensburg (Degginger, 18. März), Nürnberg (Z-Bau, 19. März), Augsburg (Das Peripher, 20. März) und Würzburg (Kellerperle, 21. März) sechs weitere Stationen hat. Das heißt, jede der Musikerinnen hat gewissermaßen ein Heimspiel. Elena Steri, wie gesagt, in Nürnberg. Dort, das heißt unter anderem beim Bardentreffen, sorgte sie mit ihrem intimen Soulpop und Solo-Auftritten mit Ukulele und Gitarre schon für einiges Aufsehen. Genauso im Vorprogramm von James Mackenzie oder beim Klangtherapie-Festival in der Fränkischen Schweiz. Ein eigenes Album gibt es auch schon. Dabei war im Februar 2019 ihr erster Auftritt.

Ebenfalls aus Nürnberg kommt Hanna Sikasa. Auch sie hat 2019 ihr Debütalbum veröffentlicht und vermischt darauf sehr eindringlich Jazz, Pop und Soul. Eingespielt hat sie die Songs mit einer achtköpfigen Band, zu der unter anderem eine Cellistin, ein Trompeter und drei Backsoundsängerinnen gehören, die neben Nürnberg aus Augsburg und München stammen. Ebenfalls mit großer Besetzung war auch schon Cosma Joy zu erleben: beim Puls Festival 2018, wo die Musikerin mit dem Münchner Rundfunk Orchester auftrat. Die Singer-Songwriterin mit britischen Wurzeln macht mit ihrem jazzigen, luftigen Indie-Folk-Sound hier in München schon länger von sich reden und hat unter anderem im Vorprogramm von Tom Odell und Tom Walker gespielt.

Ala Cya stammt aus Augsburg. Die Solo-Künstlerin hat 2017 ihre Debüt-EP "#Treasurehunt" herausgebracht und war seitdem in ganz Europa unterwegs. Ihre Songs schwanken zwischen intimem Kammerpop und beschwingtem Indiepop mit Elektrobeats und experimentellen Keyboard-Klängen. Die Nowak heißt mit bürgerlichem Namen Rebekka Maier. Sie ist in Sinzing in der Nähe von Regensburg zuhause und arbeitet halbtags als Erzieherin. Sie hat bei den Bands 24indigo und Cato Janko gesungen. Als ihr Band-Partner bei Cato Janko weggezogen ist, hat sie sich als Die Nowak neu erfunden. Von allen Frauen singt sie, zu Gitarre, Piano und billigen Keyboardsounds, als einzige deutsch. Und zwar lustig-bissige und traurig-ernste Texte, für die sie mit dem Rio-Reiser-Songpreis ausgezeichnet wurde und mit denen sie 2019 das Songslam-Jahresfinale gewonnen hat.

Auf die Idee, "mehrere hörenswerte Künstlerinnen ohne jeglichen Konkurrenzgedanken auf eine Bühne zu stellen", ist Elena Steri übrigens im letzten September nach ihrem Release-Konzert gekommen, bei dem sie bereits zwei weibliche Supports hatte (darunter Cosma Joy). Dass "Songs From Her(e)" unter anderem von Puls und der Musikzentrale Nürnberg unterstützt wird, zeigt nun für sie, dass auch andere diese gut finden. Ob es auch eine Fortsetzung des Formats geben wird, kann Steri im Moment nicht sagen, aber: "Die Vorbereitung und die Treffen haben uns auf jeden Fall schon sehr viel Spaß gemacht". Und deswegen können sie sich alle, sagt die Musikerin, sehr gut vorstellen, auch danach noch "zusammen auf Bühnen zu stehen". In dieser oder einer anderen Konstellation oder in welcher Form auch immer.

Anmerkung der Redaktion: Das Konzert und die Tour werden wegen des Coronavirus verschoben.

© SZ vom 13.03.2020
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