Kirche Marx beruft neuen Generalvikar - und beginnt eine Reform

Kardinal Reinhard Marx will Frauen neue Karrierechancen in der Kirche eröffnen.

(Foto: dpa)
  • Kardinal Reinhard Marx macht seinen früheren Sekretär Christoph Klingan zum neuen Generalvikar.
  • Es wird außerdem eine Neuerung im Amt geben: In Zukunft soll der Generalvikar nicht mehr wie bisher die Verwaltung leiten.
  • Dafür soll es künftig einen eigenen Verwaltungschef geben - und das könnte auch eine Frau sein.
Von Kassian Stroh

Die Spitze der Erzdiözese München und Freising steht vor einer tief greifenden, für katholische Verhältnisse geradezu revolutionären Reform - und die hat Kardinal Reinhard Marx am Mittwoch mit einer ersten Personalentscheidung eingeleitet. Er beruft seinen früheren Sekretär Christoph Klingan zum neuen Generalvikar, wie das Erzbistum mitteilte. Der 41-Jährige ist derzeit Pfarrer in Poing im Landkreis Ebersberg, dort bleibt er auch noch bis Ende August, wird parallel aber schon Stellvertreter des bisherigen Generalvikars Peter Beer, dessen Job er dann nach einer Einarbeitungszeit übernehmen wird.

In den katholischen Bistümern ist der Generalvikar Stellvertreter des Bischofs und zugleich Chef der Verwaltung - er ist damit der zweitmächtigste Mann. Und da Marx oft nicht in München weilt, ist die Stellung hier umso mächtiger. Noch. Denn Marx und Beer haben eine Reform in Gang gesetzt: Künftig soll der Generalvikar nicht mehr die Verwaltung des Erzbistums leiten, das sogenannte Erzbischöfliche Ordinariat. Für diese Aufgabe soll es einen eigenen Verwaltungschef, vielleicht sogar eine Verwaltungschefin geben - denn die Stelle ist, was manch Selbstverständlichkeit in der katholischen Kirche erschüttert, nicht für einen Priester reserviert, sondern soll mit einem Laien besetzt werden.

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Am Dienstag erst wurde die Ausschreibung im Internet veröffentlicht, gesucht wird demnach ein Jurist oder Betriebswirtschaftler mit Verwaltungs- und Leitungserfahrung - und zwar männlich, weiblich oder divers. Klingan als künftiger Generalvikar hat über ihn oder sie dann zwar eine dienstliche Aufsicht, ist aber nicht der Vorgesetzte in Verwaltungsfragen, wie es in einer Mitteilung des Ordinariats heißt. Er soll sich um thematische, inhaltliche und theologische Fragen kümmern.

Mit dieser Reform, quasi einer Zweiteilung des Amts des Generalvikars, will Marx erklärtermaßen die Leitung der Verwaltung professionalisieren. Bisher brauchte ein Generalvikar keine entsprechende Erfahrung, er musste nur Priester sein. Zudem will Marx Laien, insbesondere Frauen, neue Karrierechancen eröffnen, indem er die zweithöchste Hierarchie-Ebene für sie öffnet. Und er erfüllt damit eine Forderung vieler Kritiker der innerkirchlichen Verhältnisse, die Konzentration der Macht auf Priester zu reduzieren.

Klingan ist in München geboren und in Baldham aufgewachsen

Ähnliche Überlegungen gibt es auch in anderen deutschen Bistümern wie zum Beispiel Eichstätt. Dass München nun eine solche Reform umsetzt, ist aber ein besonderes Signal. Zum einen weil Marx der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist. Zum anderen weil die Erzdiözese München und Freising eines der größten, reichsten und politisch wichtigsten deutschen Bistümer ist.

Der neue Generalvikar Klingan ist in München geboren und in Baldham aufgewachsen. Nach Angaben des Ordinariats machte er zunächst eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) und arbeitete für die Lokalbaukommission der Stadt München, ehe er hier und in Rom Theologie studierte und 2008 zum Priester geweiht wurde.

Nach zwei Jahren als Kaplan im Chiemgau wurde er 2011 Marx' persönlicher Sekretär. Fünf Jahre später ging er dann nach Poing als Pfarrer der Gemeinde St. Michael. Der bisherige Generalvikar Beer hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, er werde das Amt Ende 2019 abgeben. Welche Aufgabe der 53-Jährige künftig übernimmt, ist noch nicht bekannt.