Kino:Scherze mit dem Schurken

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Kino: Anny Ondra muss als Alice in "Blackmail" in Notwehr töten.

Anny Ondra muss als Alice in "Blackmail" in Notwehr töten.

(Foto: Filmmuseum München)

Alfred Hitchcocks "Blackmail" wird bei den Internationalen Stummfilmtagen unter freiem Himmel gezeigt.

Von Josef Grübl

Als Alfred Hitchcock im Februar 1929 mit den Dreharbeiten des Thrillers "Blackmail" begann, war dieser als Stummfilm geplant. Doch noch während der Dreharbeiten beschlossen die Produzenten, den ersten britischen Tonfilm daraus zu machen. Daher mussten mehrere Szenen mit der neuen Technik nachgedreht werden, andere Passagen blieben stumm. Es gab allerdings ein Problem mit Hitchcocks Hauptdarstellerin: Anny Ondra war tschechisch-österreichischer Herkunft und hatte einen so starken deutschen Akzent, dass sie nur ihre Lippen bewegen durfte, während eine andere Schauspielerin im Hintergrund die Sätze in ein Mikrofon sprach. Da die Technik noch ganz neu war, merkt man das auch.

Ein Erfolg war der Film trotzdem - vielleicht auch, weil er in den meisten Kinos noch in der Stummfilmfassung lief. Auch hier war die Technik eben ganz neu, die Kinobetreiber hatten ihre Säle noch nicht umgerüstet. Das Publikum sah die Geschichte einer Frau namens Alice, die mit dem Scotland-Yard-Beamten Webber liiert ist, in Notwehr aber einen Maler tötet. Als man Webber auf den Fall ansetzt, wird es knifflig: Er möchte Alice schützen, doch dann taucht ein angeblicher Zeuge auf, der die beiden erpresst. "Blackmail", der in Deutschland unter dem Titel "Erpressung" herausgebracht wurde, ist nun im Rahmen der Internationalen Stummfilmtage zu sehen, live vertont wird er von dem Pianisten Neil Brand.

Die Reihe mit den Freiluftaufführungen im Innenhof des Stadtmuseums geht bis Sonntag, 24. Juli, es gibt jeden Abend Live-Musik. Auf dem Programm stehen unter anderem der deutsche Bergfilm "Die weiße Hölle vom Piz Palü" (16. Juli), die sowjetische Komödie "Jüdisches Glück" (17. Juli) oder der Chaplin-Film "The Immigrant" (21. Juli).

Aber noch einmal zurück zu "Blackmail": In dem berühmten Interview-Buch mit François Truffaut verriet Alfred Hitchcock, dass er sich in einer Szene einen haarigen Scherz erlaubt habe. "In Stummfilmen trug der Schurke meistens einen Schnäuzer", sagte der Regisseur. "Mein Maler hatte keinen Schnäuzer, aber ein schmiedeeisernes Gitter, das in seinem Atelier steht, wirft auf seine Oberlippe einen Schatten, der wie ein Schnäuzer wirkt, echter und drohender als jeder natürliche." Dieser Bart ist also tatsächlich ab.

Blackmail, GB 1929, Regie: Alfred Hitchcock, Do., 14. Juli, 21 Uhr, Filmmuseum, Innenhof Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1

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