Ermittlungen So fasste die Polizei die Automaten-Sprenger

Am Geldautomaten, den die Bande sprengen wollte, sind deutliche Schäden zu sehen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Jagd auf die inzwischen festgenommene Bande, die Geldautomaten ausraubte, klingt wie ein Action-Film. Hauptkommissar Benedikt Schmucker erklärt, wie die Ermittlungen abliefen.

Interview von Thomas Schmidt

Vier Verbrecher gefasst, drei Polizisten verletzt und ein Raub verhindert: In der Nacht auf Mittwoch wurde eine internationale Bande gestoppt, die in Germering einen Bankautomaten sprengen wollte. Die Gruppe soll für mindestens vier weitere Fälle im Zuständigkeitsbereich der Münchner Polizei verantwortlich sein. Kriminalhauptkommissar Benedikt Schmucker berichtet über die Ermittlungsarbeit.

SZ: Woher wusste die Polizei, wann und wo die Täter zuschlagen?

Benedikt Schmucker: Wir waren ihnen einen Schritt voraus. Ermittlungen der Münchner Kriminalpolizei ergaben Hinweise darauf, dass diese Tat bevorsteht, so konnten wir uns vorbereiten. Leider kann ich keine Details verraten, das würde anderen Tätern nur in die Hände spielen.

Bankräuber, die auf alles eine Antwort wissen

Schon seit Jahren jagen niederländische Verbrecher Geldautomaten in die Luft - nicht nur in Holland. Und je sicherer die Automaten werden, desto mehr Gewalt setzen sie ein. Von Thomas Kirchner mehr ...

Ein Täter ist noch auf der Flucht. Wie zuversichtlich sind Sie, ihn zu erwischen?

Wir haben Hinweise auf die Person des Täters und sind deswegen zuversichtlich, ihn demnächst festnehmen zu können. Mehr kann ich dazu nicht sagen, sonst würde ich die Ermittlungen gefährden.

Wie geht es den verletzten Polizisten?

Alle drei wurden im Krankenhaus behandelt und wir hoffen, dass es ihnen möglichst schnell wieder gut geht.

Das Sprengen von Geldautomaten scheint bei Verbrechern derzeit im Trend zu liegen, viel mehr als der klassische Bankraub, bei dem die Täter bewaffnet eine Filiale stürmen.

Den klassischen Bankräuber gibt es nach wie vor. Aber natürlich verändert sich das Täterverhalten. Banken schützen sich immer besser, manch ein Täter überfällt dann eher eine Tankstelle oder einen Supermarkt. Auch der Zahlungsverkehr hat sich verändert, Geld wird immer seltener am Bankschalter abgehoben, sondern am Automaten. Entsprechend passen sich die Täter an.

Ist das Automaten-Sprengen also ein neues Kriminalitätsphänomen?

In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl dieser Fälle deutschlandweit deutlich zugenommen. Woran das liegt - darüber kann man nur mutmaßen. Vielleicht liegt es auch am Erfolg: Irgendwann hat eine erste Tat mal geklappt und wurde so zum Vorbild für andere Täter.

Um die richtige Menge Gas einzuleiten - genug, um an das Geld zu kommen, aber nicht so viel, dass das ganze Haus in die Luft fliegt -, braucht es Profis. Werden die Täter immer geschickter?

Die Verbrecher sammeln Erfahrungen und verbessern dadurch ihr Verhalten. Von Tat zu Tat werden sie geschickter. Ich würde aber nicht davon sprechen, dass es ein Wettrüsten zwischen Verbrechern und Polizei in diesem Bereich gibt.

Handelt es sich bei solchen Tätergruppen meist um international agierende Banden aus dem Ausland?

Es gibt beides: Reisende Täter, wie jetzt in Germering. Es gibt aber durchaus auch lokale Tätergruppen. Mitte September hat die Münchner Polizei mehrere Männer festgenommen, die geplant hatten, im Osten der Stadt einen Bankautomaten zu sprengen und die bereits andere Taten in Oberbayern verübt haben. Jetzt sitzen sie in Haft.

Wenn sich ein Täter mit dem Fluchtauto ins Ausland absetzt, muss die Münchner Polizei dann an der Grenze stoppen und kann nur noch hinterherwinken?

Nein. Wir informieren natürlich sofort die Polizei in dem Nachbarland, die dann so schnell wie möglich übernimmt. Aber wenn ein Täter verfolgt wird, dürfen die nacheilenden Kollegen Deutschland verlassen und dem Räuber weiter hinterherfahren. Sie behalten ihn im Auge, bis die Kollegen aus dem jeweiligen Land eingetroffen sind. Das wird in Grenzregionen auch immer wieder trainiert.

Es heißt, die Automaten-Sprenger-Bande aus den Niederlanden weiche seit einiger Zeit gezielt nach Deutschland aus, weil die Geldinstitute in ihrer Heimat immer mehr aufrüsten. Sind die Münchner Banken nicht ausreichend geschützt?

Auch die Münchner Banken haben erkannt, dass es diese Entwicklung gibt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Aber natürlich gibt es hier Unterschiede zwischen den einzelnen Filialen.

Ist mit den Festnahmen in Germering jetzt erst Mal Schluss mit den Überfällen?

Das ist eine Mutmaßung. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Nachricht in entsprechenden Kreisen herumsprechen wird.