Capri Mehr als der x-te Italiener in Schwabing

Einige Überraschungen gab es im Capri in Schwabing.

(Foto: lukasbarth.com)

Das Capri beim Kurfürstenplatz ist ein kulinarisch weit interessanterer Ort, auch wenn mediterrane Einflüsse und Tugenden mitschwingen.

Von Carolus Hecht

Fürchtet Euch nicht: Capri ist nicht Italien. Warum eröffnet man in einer derart italienersatten Stadtregion wie der um den Schwabinger Kurfürstenplatz ein Lokal dieses doch sehr programmatischen Namens, das kulinarisch als ein weit interessanterer Ort gedacht ist, als es das x-te einschlägige Ristorante sein könnte? Das mag des Wirts Geheimnis bleiben.

Natürlich schwingen hier an der Ecke Nordend-/Bauer-Straße mediterrane Einflüsse und Tugenden mit. Die vorbildlich kleine, vierzehntäglich wechselnde Karte dieses etwas düsteren Etablissements zwischen gediegenem Bistro und abendlicher Cocktaillounge erlaubt sich weit darüber hinaus einige Eigenwilligkeit ohne billige Fusion-Pose. Und fünf Tische auf dem geräumigen Trottoir fügen sich anheimelnd in die Schwabinger Übung, draußen zu sitzen, was hierorts als Gemütszustand weit über jahreszeitliche Vorlieben hinaus gelten kann.

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Wir haben noch nie eine derart hinreißende Rahmsuppe aus frischen (!) Erbsen kosten dürfen, deren Rezept man gerne für den Privatgebrauch erkundete. Die Rinderconsommé mit Kräuternocken und Gemüsejulienne rangierte nicht allzu weit dahinter, allerdings zu nockenreich und brühearm. Die würzigen Crespelle - wir sind ja im Capri, Heimatverbundene könnten von Maultaschen reden - hatten dann genug Flüssiges zum Schwimmen. Zu viel Salz freilich in der sonst angenehm runden Spargelcremesuppe. Eine sehr delikate, keineswegs zu exotisch intonierte Vorspeise: der gegrillte Oktopus auf Glasnudel-Zuckerschoten. Nur die Vinaigrette mit Granatapfel zu der prächtigen bretonischen Artischocke erschien dem Hecht leicht zu sauer.

So manches Vorgericht mundet bestens als Hauptspeise und umgekehrt, über halbe Portionen lässt man mit sich reden. So wurde die Fregula Sarda, diese ganz spezielle Sorte sardischer Knopfnudeln, zum Hauptgang und für Nichtkenner dieser Pastavariante etwas irreführend als "Risotto" tituliert. Gegrillter Zander mit Basmatireis, beides tadellos. Ein andermal allerdings kam zum gebratenen Filet das Artischockengemüse aus dem Glas, ein schwer erträglicher Kunstfehler - wenn auch der einzige. Allzumal zur Frühjahrszeit, da ganz Süditalien von frischen Artischocken überquillt. Die eingeweckten Artischocken - und mögen sie für sich noch so schmackhaft sein - begegneten uns irritierenderweise auch noch im sonst meist knackigen, manchmal im Wartestand etwas ermüdeten Kräutersalat, in dem sich frische, fein zu Blättern geschnitten, neben den Granatapfelkernen besonders gut gemacht hätten.

Entzückt hat uns die Rindsroulade mit Blaukraut und Rotweinschalotten. Die Vollkorn-Schwammerl-Knödel hätte es dazu so geschmacksüppig gar nicht gebraucht. Das Rindersteak ein gewaltiges Stück, vorbildlich medium, und wieder die herrlichen Rotweinschalotten. Warum nur aber, so fragt man sich, glaubt in München kein Wirt, kein Koch, dass das Backhuhn unbedingt am Knochengerüst zuzubereiten ist, da doch das Gebein dem Geflügel gewisse Saftigkeit garantiert? Auch im Capri servierte man es respektabel, aber wie überall ohne Knochen, was den wahren Liebhabern dieses Gerichts das Verzehrvergnügen schmälert. Suppen und Vorspeisen begleicht man mit 7 bis 12,50 Euro, Hauptgerichte von 9 bis 22 Euro.

Den Wein gibt's im Capri zu münchenüblichen Preisen

Maxlrain ist eine untadelige Bierquelle, aus der man sich hier bedient. Beim Wein achtet der Wirt auf ein schmales, aber doch delikates, man möchte fast sagen repräsentatives Angebot: Beim Riesling aus Rheinhessen, dem Weinviertler Gemischten Satz, dem Sauvignon von der Loire, selbst beim portugiesischen Vinho Verde beweist sich Bemühen um sortentypische Qualität, aber nicht zu säurebetont, nicht zu aromatisch, um einen respektablen Mittelwert zumeist. Ähnliches lässt sich zum spanischen Tempranillo, dem apulischen Primitivo und dem Cuveé aus Syrah und Grenache Carignan aus dem Languedoc sagen. Wer - etwas modisch - Blanc de Noir schätzt, ist mit dem knackigen aus einem moselländischen Spätburgunder recht gut bedient. All das zu den münchenüblichen Apothekenpreisen.

Es kann vorkommen, dass diese eigentlich angenehme Lokalität schmal besetzt ist; und siehe, gerade wenn wenig los ist und die Aufmerksamkeit der Bedienenden nicht sehr beansprucht wird, muss man diese manchmal geradezu energisch einfordern. Gerade wenn Zeit wäre, reicht es selten zum Nachschenken des Flaschenweins, dies in einem Haus, dessen launiger und distinguierter Wirt offenbar bei einem Gutteil des Publikums schon von anderen Örtlichkeiten her legendären Ruf als warmherziger und professioneller Gastgeber genießt.

Und dass es nach Küchenschluss (je gemäß der Nachfrage) gerade noch zu ein paar Nüsschen reicht, ist doch arg asketisch. So gesehen täte auf Capri ein bisschen mehr Italien gut.

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