Kritik:Mythenscherz

Lesezeit: 1 min

Kritik: Jason und Medea: Countertenor Elmar Hauser und die Mezzosopranistin Fee Suzanne de Ruiter verschmelzen in ihren Duetten.

Jason und Medea: Countertenor Elmar Hauser und die Mezzosopranistin Fee Suzanne de Ruiter verschmelzen in ihren Duetten.

(Foto: Franz Kimmel)

Die Theaterakademie/Musikhochschule zeigt Cavallis Oper "Il Giasone" in der Reaktorhalle.

Von Egbert Tholl

Ginge es nach den Stimmfarben, dann wären Jason und Medea das ideale, symbiotische Paar, vom Anfang dieser Oper bis zu ihrem Ende. Denn der Countertenor Elmar Hauser und die Mezzosopranistin Fee Suzanne de Ruiter verschmelzen in ihren Duetten fast zu einer Stimme, beide singen herrlich klar, geradlinig, ihre halbdunklen Timbres finden unverbrüchlich zusammen, es ist ein ganz großer Genuss, diesem Klang und diesem Können zuzuhören.

Aber leider will es der Mythos von Medea und Jason weder im Allgemeinen noch in der Version von Francesco Cavalli, dessen Oper "Il Giasone" nach einem Libretto von Andrea Cicognini 1649 in Venedig uraufgeführt wurde, dass die beiden längerfristig glücklich werden. Wobei das hier so auch nicht stimmt, denn in der beherzt zusammengekürzten Fassung, die der Regisseur Manuel Schmitt in dieser Produktion der Theaterakademie/Musikhochschule in der Reaktorhalle auf die kreisrunde Drehbühne bringt, lösen sich am Ende alle Eifersuchts- und Rachegelüste in ein leicht surreales Tableau allumfassender Liebe aller Beteiligten auf.

Die Helden haben hier eines Liebeskater

Cavallis "Il Giasone" (also Jason) vereint viel überbordenden Irrsinn, Figuren tauchen auf, die eher Verwunderung auslösen, die Götter streiten sich, ein Diener stottert (aber mit Verve: Haozhou Hu). Die Helden - Jason, Herkules, ein paar Argonauten und andere mehr - sind ständig auf der Flucht, jammern und haben einen Liebeskater, die Frauen, also Medea und Isifile, Jasons weiteres Subjekt der Begierde, nehmen das Heft in die Hand. Hier gibt es keine toten Kinder, aber das Goldene Vlies.

Doch überragend viel Möglichkeiten, sich stimmlich zu präsentieren, haben nur drei, vier der hier mitwirkenden Studierenden der Musikhochschule. Die anderen gehen im Verhau des mythologischen Abgesang, den schon das Bühnenbild evoziert, verloren. Oder müssen sich, wie die an sich tolle Marianna Herzig, gegen Unbill behaupten. Ihre Isifile hat eine Arie großer Trauer, doch um sie herum tobt der Ulk eines Faschingsscherzes, unter den man auch die Leistung des ad-hoc-Orchesters subsumieren muss. Aber gesungen wird schön. Auch von Sotiris Charalampous als Gast, von Franziska Weber als Einspringerin.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema