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Hotelprojekte am Hauptbahnhof:"... da kann sich jeder Stadtrat noch so auf die Hinterfüße stellen"

In der Schillerstraße will Motel One zwei Hotels betreiben.

(Foto: Robert Haas)
  • Investor Hubert Haupt wehrt sich gegen Kritik an seinem Hotelprojekt für Motel One in der Schillerstraße.
  • Am Hauptbahnhof sollen insgesamt zwei Hotels mit mehr als 900 Betten neu entstehen.
  • Haupt sieht seine Pläne "von einem einzigen Nachbarn" torpediert. Man habe sich, bis auf zwei Fälle, von allen Mietern freundschaftlich getrennt.

Hubert Haupt ist sehr zuversichtlich: "Wir werden das Hotel hier bauen, da kann sich jeder Stadtrat noch so sehr auf die Hinterfüße stellen." Der ehemalige Autorennfahrer, heutige Immobilieninvestor und Beirat der Projektentwicklungsgesellschaft Concrete Capital sieht sich "zu Unrecht verfolgt" wegen des Hotelprojekts von Motel One in der Schillerstraße.

Wie berichtet, will Concrete Capital dort auf Nummer 3 und 3a für Motel One ein Hotel mit 281 Zimmern bauen. Nachdem am Montag durch einen SZ-Bericht bekannt wurde, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein weiteres Motel-One-Hotel mit noch einmal 177 Zimmern entstehen soll, wird das Projekt im Stadtrat sehr kritisch gesehen.

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Wegen der hochkochenden Debatte lud Concrete Capital am Freitag zur Pressekonferenz. Haupt betonte, dass er von den Plänen auf der anderen Seite der Schillerstraße bis vor Kurzem nichts gewusst habe. Er machte eindeutig klar, dass er und sein Unternehmen der Politik kein Stück weit entgegenkommen wollen. "Die Stadt hat den ausdrücklichen Wunsch, dass das Viertel rund um den Hauptbahnhof entwickelt wird", sagte er, "in einer städtischen Studie steht sogar, dass in der Schillerstraße keine Wohnungen erwünscht sind."

Nun aber werde das Projekt im wesentlichen "von einem einzigen Nachbarn" torpediert. Man sehe sich öffentlich mit dem Vorwurf "rüder Entmietungsmethoden" konfrontiert. Dabei habe man Ersatzwohnraum zur Verfügung gestellt und sich "bis auf zwei Mieter von allen freundschaftlich" getrennt. Die anderen beiden Mieter seien der Hausmeister des Hotels nebenan und der Hotelbesitzer. Der habe eine Eisdiele im Erdgeschoss des bestehenden Hauses gemietet und wolle nur gegen eine Zahlung von 1,5 Millionen Euro weichen, weil er einen Vertrag bis Februar 2021 habe. Dagegen klagt Concrete Capital derzeit, das Urteil ergeht im Januar. Haupt sagt: "Wenn wir gewinnen, fangen wir im September mit dem Bau an, wenn nicht, dann eben 2021."

In der Gegend habe man das Recht, "zu 100 Prozent Gewerbe" zu errichten, und Stadtbaurätin Elisabeth Merk habe ihm auch versichert, dass die Stadt keinerlei Möglichkeit habe, den Bauantrag abzulehnen. An der Rechtslage könnten weder Oberbürgermeister Dieter Reiter noch der Stadtrat etwas ändern. "Was wir machen, ist normal, das ist Marktwirtschaft." Auch die anderen Hoteliers profitierten, wenn die Schillerstraße aufgewertet würde, sie müssten nur auch selbst in ihre Häuser investieren. Ihre Bedenken könne er nicht verstehen, meint Haupt. Und außerdem: "Wir setzen lediglich um, was von der Stadt vorgegeben ist."

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