Wissenschaft Ein Leben für die Leber

Von München erwartet Celia Martinez-Jimenez ähnlich gute Forschungsbedingungen wie in Cambridge. "Wir hatten dort alle Technologien zur Verfügung, die derzeit verfügbar sind", sagt sie.

(Foto: Robert Haas)

Celia Martinez-Jimenez forscht über Möglichkeiten, den Alterungsprozess von Zellen zu stoppen. Die Spanierin arbeitete weltweit, jetzt hat sie sich für München entschieden.

Von Sabine Buchwald

Jetzt hat sie ihren ersten Winter in München fast geschafft. Tage ohne Sonnenschein. Vereiste Straßen. Schneestürme. Aus dem Süden Spaniens, wo sie aufgewachsen ist, kennt Celia Martinez-Jimenez solche Wetterwidrigkeiten nicht. Da wachsen Orangen und Zitronen und man schützt sich vor der Hitze. Wie unangenehm sich beißende Winterkälte im Alltag anfühlen kann, hatte Martinez-Jimenez vorher selten erlebt. Sie lacht, als sie die Eingangstür ihres Institutes öffnet und ihr der Wind Schnee ins Gesicht bläst. Was macht das schon. Sie wird auch hier, am nördlichen Stadtrand von München, viele Stunden im Labor verbringen. Da ist es eigentlich egal, wie niedrig oder hoch draußen die Temperaturen sind. Sie ist schließlich hierher gekommen, um mit ihrer Forschung weiterzukommen.

Anfang des Jahres hatte man sie um einen Vortrag gebeten, darin sollte sie erklären, warum sie München zur neuen Heimat gewählt hat. Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte mehr als 200 Wissenschaftler aus dem Ausland zu einem Empfang ins Alte Rathaus geladen. Er selbst war an diesem Januarabend dann doch nicht dabei. Ein Vertreter der Stadt begrüßte die akademischen Gäste, bevor Hans van Ess, Sinologie-Professor der Ludwig-Maximilans-Universität (LMU), den Wissenschaftsstandort München rühmte und betonte, dass man an der Isar ohne die internationale Verstärkung bei weitem nicht so positiv dastehen würde. Zuletzt trat an jenem Abend Celia Martinez-Jimenez vor das Mikrofon. Wippender Zopf, ein buntes Tuch um den Hals, die großen Augen mit wachem Blick ins Publikum gerichtet. Sie hatte eine Powerpoint-Präsentation mit vielen Bildern vorbereitet, um zu veranschaulichen, weshalb sie hier sei und an was sie forsche.

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Klick für Klick wollte sie die Umrisse einer Europakarte mit den Ländern und Städten füllen, in denen sie bisher studiert und gearbeitet hat. Lilafarbene Felder mit gelben Punkten: Spanien und die Universität von Valencia, die Schweiz und das Biozentrum der Universität Basel, Griechenland und das Alexander-Fleming-Institut, in England das Krebsforschungscenter und das Wellcome Trust Sanger Institut in Cambridge. Und dann München mit dem Helmholtz Pioneer Campus (HPC) in Neuherberg, wo sie seit Ende des Sommers 2018 ein Forschungsteam aufbaut. Doch die Technik in dem holzgetäfelten Rathaussaal funktionierte nicht so, wie Martinez-Jimenez geplant hatte. Sie lächelte die Enttäuschung weg und hielt sich an ihr Redemanuskript.

"Meiner Meinung nach", begann sie auf Englisch, "ist wissenschaftliche Forschung geprägt von Wissensaustausch und internationaler Zusammenarbeit." Bei diesem Satz dürften die Kollegen ihres neuen Instituts dahin geschmolzen sein wie ein Löffel Eiscreme im Mund. Denn genau darum geht es im HPC: Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt zusammenzubringen. "Wir suchen nach Ausnahmetalenten, denen wir den Freiraum geben, ihre Ideen schnell und zielgerichtet umzusetzen", sagt Thomas Schwarz-Romond, Molekularbiologe und Operativer Direktor des Campus.

Ziel sei es, ihre neuen Erkenntnisse in die medizinisch-technische Anwendung zu bringen und für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Die Forscher haben keine Lehrverpflichtungen und müssen keine Drittmittel einwerben. Für dieses ambitionierte Projekt stellt das Münchner Helmholtz-Zentrum das Geld zur Verfügung. Die Initiative gibt es erst seit 2017, im Herbst soll der Grundstein für ein neues Gebäude auf dem Gelände in Neuherberg gelegt werden. Die 50,8 Millionen Euro dafür haben der Bund und der Freistaat Bayern für das europaweit einzigartige Projekt bereits zugesagt.