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Roomer's Bar:Wenn der Drink fast so unterhaltsam ist wie die Begleitung

Ein Tresen wie ein Raumschiff, darauf werden Drinks serviert.

(Foto: Robert Haas)

In der neuen Roomer's Bar werden ausgefeilte japanische Kreationen serviert. Das fordert den Besucher, übrigens auch finanziell.

Der Wasserkocher irritiert in dieser Umgebung. Direkt hinter dem von unten beleuchteten Marmor-Tresen, neben hochwertigen Spirituosen, in dieser dunklen Bar, deren Tresen wie ein Raumschiff im Raum liegt, oben umkränzt von einem Ring aus Flaschen, an der Wand begrenzt mit einem Regal voller gigantischer Einmachgläser, in denen Zimtstangen, Pfirsichhälften oder Zitronenscheiben in Shoshu liegen und ihren Geschmack an den japanischen Likör abgeben. Dietmar Petri, zusammen mit Johannes Möhring Barchef, hält den Teekocher hoch und lächelt. Er wird gleich erklären, warum der hier wichtig ist.

Petri und Möhring sind seit einer Woche in der Bar des neuen Luxus-Hotels Roomer's an der Landsberger Straße im Einsatz. Die beiden haben bereits in der Cortiina Bar und im Fleurs du Mal im ersten Stock des Schumann's zusammen gearbeitet. Nun also japanisch. Am Tresen sitzen derzeit gerne Wiesn-Gruppen, ansonsten klingen die Gespräche so international, wie es in einem Hotel üblich ist.

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Der Blick durch Holzstreben rüber ins asiatische Restaurant Izakaya mit seiner offenen Küche macht das Sitzen an Petris Tresen noch ein wenig entspannter. Drüben geschäftiges Braten und Brutzeln, hier entspanntes Zusehen an einer der vier Mix-Stationen. Zum Beispiel beim Teekochen, um daraus einen haltbaren Green-Tea-Schaum zu machen, der als Haube auf dem "Improved japanese Cocktail" sitzt.

Diese Bar ist für Gäste, die sich ebenso gerne mit dem Geschmack ihres Drinks beschäftigen wie mit dem Gesprächspartner. Zum Beispiel mit einem Pear & Oil, ein Drink mit japanischem Whisky, Ahornsirup, Sherry-Essig, Birnen-Soda und Soja-Staub, so steht es auf der Karte. Und der Drink, der in einem Minifass gereicht wird, ist fast so unterhaltsam wie ein Theken-Kompagnon. Ein Schluck und es dauert erst einmal eine Weile, bis man alle Geschmacksnoten erkannt und erschmeckt hat. Sauer, süß, die ganz dezente Soja-Note am Ende.

Wer hier also alleine am Tresen vor seinem Drink sitzt, muss sich nicht einsam fühlen, er ist ausreichend gefordert, auch finanziell. Ein Fünf-Sterne-Hotel hat entsprechende Cocktail-Preise. Pear & Oil zu 14 Euro, genauso wie der Bruce Banner, ein grüner Drink, nach der Comic-Figur Hulk, die im normalen Leben Banner heißt. Fassgereifter Wermut, Estragon, der Edel-Zuckersirup Oleo Saccharum, Saft von unreifen Trauben, genannt Verjus, und darauf ein weißer zähflüssiger Traubenschaum.

Frisch, weich und wieder ein Drink, der einen an die Wand starren lässt und dem Schluck nachschmecken. An der Wand stehen dann die nächsten Gegenstände, mit denen Petri und seine Cocktail-Chemiker hantieren, Shoshu-Reifung. Wer die Klinke in der Wand findet, kommt zum "Hidden Room", ganz in Rot, mit knapp 50 Plätzen und "Bottle-Service".

Man muss also eine Spirituosen-Flasche kaufen, um dort Zugang zu bekommen. Da braucht der eine oder andere danach vielleicht dann sogar einen ganz normalen Tee, den gibt es selbstverständlich auch.

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