Das erste Freibad Münchens, das Schyrenbad (im Bild), wurde 1847 eröffnet und existiert bis heute. Ein halbes Jahrhundert später, 1901, errichtete die Stadt für 1,8 Millionen Goldmark im Jugendstil das erste kommunale Hallenbad, das Müller'sche Volksbad. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden zahlreiche weitere Bäder errichtet. 1953 zählte die Stadt bereits 15 stadteigene Bäder. Doch es ging nicht immer nur aufwärts. Eine Bäder-Flaute mit sinkenden Besucherzahlen in den 1980er-Jahren führte dazu, dass man die bestehenden Bäder für zu eintönig erachtete und sie zunehmend in spaßige Erlebnisbäder oder Wellness-Oasen umwandeln wollte. Heute gehe der Trend wieder zum sportlichen Schwimmen, heißt es bei Stankiewitz. Davon zeugen sicherlich auch die jüngsten Sanierungen der Olympia-Schwimmhalle und des Cosimawellenbads, das am vergangenen Samstag wiedereröffnet hat. Auch die Bade-Begeisterung für die Isar ist ungebrochen. Das Buch greift die aktuelle Diskussion auf, in der Isar ein Flussbad zu errichten, für das sich der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) im Vorwort ausspricht.

Selbstverständlich dürfen die Nackerten in einem Bade-Buch über München nicht fehlen. Der erste FKK-Verein in der Stadt hatte sich bereits 1927 gegründet, die Nackten durften sich zunächst nur in kleinen, begrenzten Bereichen aufhalten. CSU-Oberbürgermeister Karl Scharnagl handelte sich 1947 sogar ein Strafverfahren wegen Erregung öffentlicher Ärgernisse ein. Er war im Nacktbadeclub des Nordbads gesehen worden - unbekleidet versteht sich. Doch seit den 1970er-Jahren wollten die Nackten sich nicht mehr hinter Zäunen und Hecken verstecken. Sie rekelten sich ungeniert am Isarufer, planschten unbekleidet durch den Eisbach und sonnten sich in Parkanlagen. Das wiederum gefiel nicht allen im katholischen München. Stankiewitz zitiert den damaligen Sprecher des Katholikenrats damit, dass "diese pendelnden Penisse" ein peinlicher Anblick seien.

1. August 2017, 16:462017-08-01 16:46:50 © SZ vom 01.08.2017/vewo