bedeckt München 24°
vgwortpixel

Olympia-Attentat von München:Unvergessen

Zum ersten Mal ist die Ausstellung über das Olympia-Attentat von 1972 im Alten Tower des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck öffentlich zu sehen. Sie könnte der Anfang zum Aufbau eines Erinnerungsortes sein

Das Interesse ist groß, und wenn die Veranstalter es gewollt und gekonnt hätten, wären am Freitagnachmittag wohl 100 Besucher in die Ausstellung "5. September 1972 - Das Ende der heiteren Spiele von München" gekommen. Das Thema scheint immer noch zu ziehen, wohl aber ist es auch der Ort, den so viele einmal sehen wollen. Denn die von der Historikerin Angelika Schuster-Fox für das Gedenkjahr 2012 konzipierte und im vergangenen Jahr überarbeitete Ausstellung mit Schautafeln und Videoeinspielungen ist nun im Alten Tower des Fliegerhorsts Fürstenfeldbruck aufgebaut worden. An jener historischen Stätte also, an der während der Olympischen Spiele von München zehn Menschen durch einen palästinensischen Terroranschlag starben. Weil aber der Platz begrenzt ist, haben am Freitag bei der ersten öffentlichen Führung mit Schuster-Fox erst einmal nur 40 Besucher teilnehmen können.

Das Gelände gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die Bundeswehr ist Mieterin auf dem Gelände und für die Sicherheit verantwortlich. Es gibt bislang keinen anderen Zugang zum Tower, als an der Hauptwache vorbei und durch die Kaserne. Zudem sind in dem Flachbau des ersten Flugplatztowers Büros und eine Werkstatt der bayerischen Polizei untergebracht, die das Gelände drumherum für ihre Fahrsicherheitstrainings nutzen. Gleich nebenan, nur durch einen hohen Zaun getrennt, hat der Münchner Autobauer von der Bima Flächen für seine Driving Academy gepachtet und unterweist dort Kunden in sicherem Fahren. Genau zwischen dem Tower und dem von BMW genutzten ehemaligen Flugzeug-Shelter mit der Nummer 24 landeten am 5. September die beiden Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes, die die palästinensischen Terroristen für den Flug nach Fürstenfeldbruck verlangt hatten, um von dort ausgeflogen zu werden. An Bord der Helikopter waren ihre Geiseln, Angehörige der israelischen Olympiamannschaft.

Es sind David Mark Berger, 28 Jahre alt, der gleichaltrige Zeev Friedman, Eliezer Halfin, 21, Amitzur Schapira, 40, der 53 Jahre alte Kehat Schor, der erst 18-jährige Mark Slavin, 18, Andre Spitzer, 27, Yaacov Springer, 51, und der 32 Jahre alte Moshe Weinberg. Als die Polizei die Geiseln befreien will, scheitert sie, die Terroristen ermorden die Israelis, wie sie zuvor in München schon mit dem 41 Jahre alten Yossef Gutfreund, und dem 32-jährigen Josef Romano getan hatten. In dem Feuergefecht stirbt auch der 33 Jahre Polizeibeamte Anton Fliegerbauer.

Stadt Fürstenfeldbruck Gedenken als Generationenaufgabe

Fürstenfeldbruck

Gedenken als Generationenaufgabe

Am 46. Jahrestag des Olympia-Attentats machen Angehörige der Opfer von 1972 und Politiker klar, dass sie an der Forderung nach einem Erinnerungsort im Fliegerhorst festhalten   Von Erich C. Setzwein

Dieser Opfer wird nun - und auf noch nicht absehbare Zeit - im Fliegerhorst-Tower gedacht. Die Tafeln der Ausstellung, entworfen vom dem Brucker Designer Reinhard Fornara, sind übergroßen Schriftrollen nachempfunden, auf denen Angelika Schuster-Fox einen Überblick über die Vorgeschichte der Olympischen Spiele in München, das Attentat sowie die Erinnerungsarbeit geschildert hat. Dazwischen sind auf Monitoren Videos mit den Nachrichten zu sehen, unter anderem Stimme und Gesicht des Olympiasprechers Hans Klein, der das Schreckliche nüchtern vorträgt. Ergänzt wird die Ausstellung im Erdgeschoss

Ursprünglich war die Ausstellung allein für das Gedenken zum 40. Jahrestag des Anschlags entworfen worden und als Wanderausstellung. Doch gerade die sehr knappe Form hat sie wohl zu einem Dauerläufer werden lassen. Nachdem sie die Ausstellung in Fürstenfeldbruck 2012 öffentlich gezeigt worden war, wurde sie im Offizierscasino des Fliegerhorstes, im Veranstaltungsforum, in der Sparkasse und im Viscardi-Gymnasium gezeigt, ehe sie ihre Reise in die Realschule in Herrsching und zur Universität der Bundeswehr in Neubiberg machte. Im vergangenen Jahr dann machten Angehörige der Opfer aus Israel und Deutschland ein paar Verbesserungsvorschläge, die Angelika Schuster-Fox einarbeitete.

Die Landeshistorikerin sagt, dass sie mit dem nicht nachlassenden Interesse an der kleinen Ausstellung und der Laufzeit über nun schon sechs Jahre nicht gerechnet habe. Vor allem das Interesse an den nun vom Landratsamt angebotenen Führungen habe sich überrascht. Die Führung beschränkt sich nicht nur auf die Ausstellung, sondern ermöglicht es den Teilnehmern, den Tower bis zum zweiten Stockwerk kennenzulernen. Viel ist außer ehemaligen Schulungsräumen der Luftwaffe nicht zu sehen, allerdings geht es ja auch um den Ausblick auf das Vorfeld und jenen Ort, an dem der Befreiungsversuch stattfand.

Auch wenn die Führung und Besichtigung am Freitag die erste und einzige in diesem Jahr einzige war, so werden im kommenden Jahr doch weitere folgen. Wer sich dafür interessiert, kann sich beim Landratsamt anmelden. Per E-Mail an oeffentlichkeitsarbeit@lra-ffb.de oder telefonisch bei der Öffentlichkeitsarbeit unter 08141/5190. Zum Einlesen empfiehlt sich die von Angelika Schuster-Fox verfasste und vom Landkreis herausgegebene Broschüre, die Begleitbuch der Ausstellung von 2012 war. Als PDF-Datei sind die Broschüre sowie weitere Veröffentlichungen zur Erinnerungsarbeit auf der Seite www.lra-ffb.de/ unter dem Suchbegriff "Olympiaattentat" zu finden.