Kultur- und Kreativwirtschaft:Gutes Geld für gute Ideen

Die Wirtschaftsförderung möchte den Unternehmern der Kultur- und Kreativwirtschaft eine Plattform bieten. Sie sollen sich untereinander kennenlernen und Ratschläge erhalten, wie sie sich am Markt behaupten können.

Von Erich C. Setzwein

Sie haben gute Ideen, aber sie haben weder eine Geschäftsstrategie noch die erforderlichen Kontakte, um ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen. Den sogenannten Kreativen möchten die Wirtschaftsförderer von Landkreis und Kommunen unter die Arme greifen und ihnen die Verbindungen ermöglichen, damit sie ihre Projekte verwirklichen können. Deshalb wird es am 19. Mai in Gröbenzell eine Auftaktveranstaltung für Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft geben. Unterstützt wird die Wirtschaftsförderung dabei von zwei Organisationen aus München.

"Vom Münzpräger bis zum Softwareentwickler reicht dieser Wirtschaftszweig", sagt Gröbenzells neuer Bürgermeister Martin Schäfer, der noch als Gewerberreferent diese Veranstaltung mitangeschoben hat. Jetzt ist er quasi Gastgeber des ersten Treffens zum gegenseitigen Kennenlernen, denn die Veranstaltung findet dort statt, wo bereits Kreativität in vielen Bereichen inklusive der Bürokultur gelebt wird: im Stockwerk Gröbenzell. Und damit auch alle anderen, die entweder nicht teilnehmen können oder sich einfach dafür interessieren, das Event in Gröbenzell erleben wollen, wird es per Livestream im Internet übertragen. Wie wichtig solche Netzwerktreffen sind, zeigen für den Verein Europäische Metropolregion München (EMM) die vorangegangenen Veranstaltungen in Miesbach und Gilching (Kreis Starnberg). Dort hat die "Roadshow" bereits Station gemacht - mit einigem Erfolg, wie EMM-Geschäftsführer Wolfgang Wittmann berichtet. Die EMM als "neutrale Plattform, auf der in der Region München übergreifende Themen besprochen werden", will das überdurchschnittliche Potenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft fördern. Nach Wittmanns Darstellung verfügen drei Landkreise in der Region über mehr Firmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft als das gesamte Bundesland Thüringen. Mit mehr als 2000 sogenannten Kreativen schneidet der Landkreis Fürstenfeldbruck besonders gut ab. Die Zahl zitiert die Wirtschaftsförderin des Landkreises, Barbara Magg, aus einer Studie der Hochschule München, die der Fürstenfeldbrucker Professor Klaus Wollenberg dort betreut hat. Doch trotz der hohen Zahl mangelt es offenbar noch an der "Sichtbarkeit" dieser Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Mit viel Vorarbeit aus dem Landratsamt haben die Wirtschaftsförderer nun ein ungefähres Bild von dem, was sie fördern möchten. "Das Bemerkenswerte ist die Vielfalt", sagt etwa Sylvia May, die in der Stadt Puchheim die Wirtschaftsförderung übernommen hat. Die Unternehmen teilten sich auf elf Märkte auf, so May.

Das fängt bei der Musik an und setzt sich über den Buch- und den Kunstmarkt, die Film- und die Rundfunkwirtschaft, den Markt für darstellende Künste, Design, Architektur, Presse, Werbung fort und reicht bis zur Software- und Games-Entwicklung. "Sie habe eine Leistungsfähigkeit, die außerordentlich ist", ordnet Jürgen Enninger vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes die Szene ein. Neben dem Knüpfen von Kontakten soll den Teilnehmern - 1200 sind eingeladen worden - aufgezeigt werden, mit welcher Geschäftsstrategie sie vorankommen können. Enninger sagte, dass man die Firmeninhaber für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sensibilisieren wolle. "Bei den Kreativen geht es zunächst um Selbstverwirklichung, nicht um Geld." Sollte dennoch jemand kommen und gerade danach fragen, werde ihm aufgezeigt, wie die Firma angepasst werden müsse, um es selbst zu erwirtschaften. Gröbenzells Bürgermeister, bis vergangene Woche selbst Unternehmer, sagt aber auch, dass man den Kreativen "die Wege zu den Fördertöpfen zeigen" wolle. Das aber erst am Ende der Beratung, ergänzt Enninger. Für Petra Tech, Wirtschaftsförderin der Stadt Germering ist genau so wichtig, dass es bei den Entscheidungsträger ankommt, wer die Kultur- und Kreativwirtschaft verkörpert und was sie leistet.

Einen wissenschaftlichen Ansatz hat vor zwei Jahren dazu Klaus Wollenberg zusammen mit seinen Studenten geleistet. In seinem Forschungsprojekt über den Landkreis Fürstenfeldbruck hat er herausgefunden, dass die Kreativwirtschaft kein Nischendasein führt, sondern deren Umsätze bei bis zu zwölf Prozent liegen. Die Kreativen würden darüber hinaus auch andere Wirtschaftszweige mit ihren Impulsen inspirieren. Doch Wollenberg hat auch Schattenseiten entdeckt, wie er in einem SZ-Interview berichtete: Künstler und Kreative würden oft ausgenutzt. "Es gibt bis zu 15 Prozent prekäre Arbeitsverhältnisse." Die Kreativwirtschaft sei auch keine Alternative etwa zur klassischen Industrie, sondern eine Ergänzung. Diese Wahrnehmung bei öffentlichen Stellen zu fördern, sieht Barbara Magg als wichtige Aufgabe der Gröbenzeller Veranstaltung an.

Das Landratsamt hat zwar an viele Vertreter der Kunst- und Kreativwirtschaft Einladungen verschickt, aber wohl längst nicht alle Adressen gefunden. So kann auch, wer sich dem Wirtschaftszweig zugehörig fühlt und keine Einladung bekommen hat, an der Veranstaltung am Montag, 19. Mai, im Stockwerk Gröbenzell teilnehmen (Beginn ist um 19 Uhr). Eine Anmeldung an die E-Mail kreativ@lra-ffb. ist erforderlich. Der Livestream des Abends ist unter www. boinx.com/kreativ zu sehen.

© SZ vom 08.05.2014
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