Kommentar:Besser nicht mehr pflanzen

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Invasive Neophyten gefährden die Artenvielfalt. Sie sollten nicht mehr verkauft und gepflanzt werden

Von Ingrid Hügenell

Die Forschungsreisenden, die im 16. und 17. Jahrhundert in Nordamerika und Asien von fremdartigen Pflanzen mit großen, bunten Blüten begeistert waren, hatten keine Ahnung von den Problemen, die sie mit Japan-Knöterich oder Herkulesstaude nach Europa brachten. Die Gewächse wurden hier von botanischen Gärten und reichen Gartenbesitzern als Statussymbole teuer bezahlt. Heute weiß man mehr. Drüsiges Springkraut, Staudenknöterich und Herkulesstaude verdrängen längst auch in den Naturschutzgebieten im Landkreis die heimischen Pflanzen.

Dass selbst die aggressivsten der invasiven Neophyten noch von Baumschulen, Gartencentern und Baumärkten verkauft werden, ist deshalb unverständlich und falsch. Denn es ist bekannt, dass zwar die meisten Neulinge kaum Probleme bereiten. Einige aber finden den Weg aus Parks und Privatgärten in das, was in Deutschland von freier Natur noch übrig ist. Sie tragen so zum Artensterben bei.

Mit Mühe und großem Aufwand versuchen Naturschützer sie in Schach zu halten, etwa im Fußbergmoos - fast immer ehrenamtlich, so wie Gerald Fuchs vom Landesbund für Vogelschutz und zahlreiche andere Helfer. Auch wenn viel Arbeit von Freiwilligen ohne Bezahlung erledigt wird - die Beseitigung kostet auch, etwa, wenn Landrats-und Wasserwirtschaftsämter, Städte und Gemeinden oder die Autobahn GmbH Südbayern die Arbeiten von bezahlten Profis erledigen lassen. Das Geld könnte man auch in andere Naturschutzprojekte stecken. Einfach wachsen lassen kann man die Neulinge aber auch nicht. Zu groß wäre der Schaden für die ohnehin bedrängten heimischen Pflanzen und Tiere.

Die Gartenbesitzer trifft kaum Schuld. Viele der Pflanzen werden sogar als insektenfreundlich angepriesen, und schließlich sind die wenigsten Kunden botanisch versiert. Nur den Kopf schütteln kann man jedoch darüber, dass Arten, deren Potenzial zur massenhaften Vermehrung bereits bekannt ist, dennoch von Kommunen weiter angepflanzt werden. Die Verantwortlichen können heute alles über die problematischen Neuzugänge wissen - anders als die begeisterten Reisenden vor 300 Jahren.

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