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"Fridays for Future":Tausendfacher Protest, null Bußgeld

Unter dem Motto "Fridays for Future" haben in der Münchner Innenstadt rund 1200 Schüler für mehr Klimaschutz demonstriert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Am Freitag sind in München erneut mehr als 1000 Schüler zur "Fridays for Future"-Demonstration gekommen.
  • In den Tagen zuvor hatte das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium Aufsehen erregt: Dort war von möglichen Geldbußen für Eltern von demonstrierenden Schülern die Rede.
  • Schulleiter Wolfgang Hansjakob spricht von einem Missverständnis. Die Schule sucht nun neue Regeln für die Klima-Demonstranten.

Erneut sind sie auf der Straße und nicht in der Schule, trotz aller Debatten um Geldbußen und andere Sanktionen. Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern sind an diesem Freitag in München zusammengekommen, um unter dem Motto "Fridays for Future" für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Laut Polizei bis zu 1200, laut den Veranstaltern 1300 Schüler zogen vom Marienplatz zur Hochschule für Fernsehen und Film in der Maxvorstadt, wohin Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber an diesem Tag zur Jugendklimakonferenz geladen hatte.

Ob sich auch Schüler des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in Bogenhausen beteiligt haben, weiß Schülersprecher Marius Antonini nicht. Die Schule hat in dieser Woche überregional Aufsehen erregt, weil in einem Elternrundbrief von möglichen Bußgeldern für Eltern die Rede war. Parteien stellten sich gegen diese Idee, eine Bank kündigte an, Geld zu sammeln, um die Betroffenen zu unterstützen.

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An der Schule selbst hat sich die Aufregung dagegen inzwischen gelegt. Es werde kein Bußgeld für Eltern geben, wenn Kinder die Schule verlassen, um zu demonstrieren, sagt Schulleiter Wolfgang Hansjakob. Nach einem Gespräch der Schulleitung mit Vertretern von Eltern und Schülern sind jetzt andere Ideen im Gespräch: zum Beispiel neue Umweltprojekte für die Schule und für zu Hause - und Wege, wie sich die "Fridays for Future"-Proteste mit der Schulpflicht vereinbaren lassen könnten.

Von einem Kurswechsel spricht Schulleiter Hansjakob aber nicht, sondern von einem Missverständnis. Der Hinweis auf mögliche Geldbußen habe sich nie an alle Eltern gerichtet, deren Kinder freitags während der Unterrichtszeit demonstrieren gehen, sondern nur an Eltern, die ihre Kinder eigenständig vom Unterricht befreien wollten. In den vergangenen Wochen habe er immer häufiger solche Briefe erhalten, vor allem von Eltern von Schülern aus der Unterstufe, sagt Hansjakob. Nach eigenen Angaben erklärte er diesen bereits in der vergangenen Woche einzeln die Rechtslage. In dieser Woche schickte er dann jenen Rundbrief an alle, der fehlgedeutet worden sei. Hier hieß es, vom Unterricht könne nur die Schulleitung befreien, was in diesem Fall aber ausgeschlossen sei. Die Schule habe bisher wohlwollend auf das Fehlen von Schülern reagiert. Künftig aber werde unentschuldigtes Fehlen "mit Ordnungsmaßnahmen und möglicherweise auch über das Referat für Bildung und Sport mit Bußgeld geahndet".

Was an dem Gymnasium nun konkret geschieht, darüber werde noch beraten, er wolle nicht vorgreifen, sagt der Direktor. Schon jetzt spiele der Klimaschutz aber eine große Rolle. Tatsächlich ist die Schule als "Umweltschule in Europa" ausgezeichnet worden. Es gebe Projekte von der Mülltrennung bis zum Nähen neuer Kleidung aus alten Stoffen im Werkunterricht. "Hier ist schon viel passiert in Sachen Klima- und Umweltschutz", sagt Hansjakob. "Und es wird noch viel passieren."

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