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Wirtschaft in Freising:Mehr Gewerbe in Attaching

Das ehemalige Gartencenter und das Fachmarktzentrum in Attaching könnten demnächst Geschichte sein. Die Stadt möchte das Gewerbegebiet umstrukturieren und wieder attraktiv machen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Stadt will dort vor allem kleinere Betriebe ansiedeln, denn die Clemensänger werden langsam voll. Die Grünen kritisieren die vorliegenden Pläne, sie befürchten ein Wachstum ohne Maß.

Von Kerstin Vogel, Freising

Es ist eine schwierige Gemengelage, die sich da in den vergangenen Jahren in und rund um Attaching entwickelt hat. Zu lang drohte der geplante Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen jede Entwicklung zunichte zu machen, niemand mochte so recht für eine ungewisse Zukunft planen. Im Gewerbegebiet am Ortsrand ging es zudem schleichend bergab. Der Gartenbaumarkt musste schließen, das Einkaufszentrum leidet seit Jahren unter Leerständen und strukturellen Mängeln. Nachfolger für frei werdende Flächen sind kaum zu finden, das Konzept ist nicht mehr zeitgemäß, hochwertige Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe finden an anderer Stelle bessere Angebote.

Gleichwohl sieht das Freisinger Stadtentwicklungsprogramm (Step) auch für Attaching eine Entwicklung vor - und nahezu zeitgleich mit der Ankündigung der Staatsregierung, wohl mindestens bis 2028 auf die Erweiterung des Flughafens zu verzichten, kommt nun auch Bewegung in die angestoßenen Projekte. So wurde inzwischen nicht nur ein Bebauungsplan für die Ortsmitte auf den Weg gebracht, der Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats hat in seiner jüngsten Sitzung auch eine Bauleitplanung für das Gewerbegebiet in Auftrag gegeben.

Die Idee für ein Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe gefällt nicht allen Bürgern

Als Basis dieser Planung dient ein neues Strukturkonzept, das den Attachingern im September in einer Bürgerversammlung bereits vorgestellt und überwiegend positiv aufgenommen worden war. Auf dem gut 50 Hektar großen Areal werden das Kaufmarktzentrum und das frühere Gartencenter wohl keine Rolle mehr spielen. Neben Hallengewerbe stellt man sich hier für die Zukunft ein eher kleinteiliges Gewerbegebiet für Handwerker vor. Nach Westen in Richtung Attaching könnte ergänzend ein Mischgebiet für Gewerbe und Wohnen entstehen, eine Idee allerdings, die nicht allen Bürgern gefiel.

Begrüßt wurden dagegen die Pläne für den bestehenden Grünzug, der ausgebaut werden und eine sichere Fuß- und Radwegeverbindung in Richtung Lerchenfeld bilden soll. Der hier verlaufende ehemalige Bach soll reaktiviert werden und als "strukturgebendes Element" dienen. Ein neuer Nahversorger soll außerdem in Zukunft die Bedürfnisse der Attachinger erfüllen - als "Ergänzung, nicht als Konkurrenz zum lokalen Dorfladen", wie in dem Strukturkonzept ausdrücklich betont wird.

In der Innenstadt gebe es erheblichen Leerstand an Gewerberäumen, gibt die Agenda-Projektgruppe Bauen, Wohnen und Verkehr zu bedenken

Im Planungsausschuss wurde das Projekt überwiegend mit Zustimmung aufgenommen - auch, weil die Stadt vor allem für ihre eigenen, möglicherweise expansionswilligen Handwerker und Betriebe neue Gewerbeflächen braucht, wie es hieß. Die Clemensänger sind langsam voll, sehr viel mehr freie Flächen stehen nicht zur Verfügung. Andreas Mehltretter (SPD) sprach von einem "guten Konzept, mit dem man die bitter notwendige Umstrukturierung in Attaching schaffen kann".

Gegen die Ausarbeitung einer Bauleitplanung wie vorgeschlagen sprachen sich die Stadträte der Grünen aus. Ihnen wird hier zu groß gedacht, sie befürchten ein Wachstum ohne Maß und sind sich darin beispielsweise einig mit der Agenda-Projektgruppe Bauen, Wohnen und Verkehr. Diese hatte kurz vor der Sitzung des Planungsausschusses eine Stellungnahme abgegeben, in der sie das Vorhaben ebenfalls kritisiert. Eine Planung, die eine erhebliche Neuversiegelung beinhalte, sei ökologisch nur tragbar, wenn sie dringend erforderlich ist. "Diese Notwendigkeit erschließt sich hier aufgrund der vergangenen und zukünftigen Stadtentwicklung aber nicht." In der Innenstadt gebe es erheblichen Leerstand an Gewerberäumen, argumentiert die Gruppe weiter, auch die bestehenden Einkaufszentren Steinpark und Schlüterhallen würden nicht in voller Kapazität genutzt. Ein weiteres Zentrum für Einzelhandel und Business würde die strukturellen Probleme der Innenstadt verschlimmern und klima- und umweltschädlichen Flächenfraß vorantreiben.

© SZ vom 17.11.2020/ilos
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