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Teamwork mit der Stadt:Das Attaching der Zukunft

Ich bau mir mein Dorf der Zukunft: Thomas und die Zwillinge Johannes und Josephine gestalten den Freisinger Stadtteil Attaching während einer Bürgerinformationsveranstaltung nach ihren eigenen Vorstellungen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Dorfbewohner sollen sich Gedanken darüber machen, wie ihre Ortschaft in 20 Jahren aussehen könnte. Zur Überraschung vieler spielt das Kaufmarktzentrum im Gewerbegebiet in den Plänen der Stadt keine Rolle mehr

Von Johann Kirchberger, Freising

"Wir sind die Attachinger, wir sollen und wollen unseren Ort selbst gestalten", sagte der langjährige Ortssprecher Hans Hölzl. Die erste Bürgerinformationsveranstaltung zur Ortsentwicklung Attachings stieß dann auf großes Interesse. Stadtbaumeisterin Barbara Schelle hatte in die Sporthalle Planer und Landschaftsarchitekten mitgebracht, die ihre bisherigen Überlegungen hinsichtlich der Ortsmitte und der Umgestaltung des Gewerbegebiets an der Autobahn erläuterten.

Die Attachinger sollen jetzt Umfragebögen ausfüllen, ihre Vorstellungen darlegen und bis 4. Oktober in einen Kasten werfen, der beim "Kramer" aufgestellt ist. Denn die Zeit drängt. Insbesondere was die Ortsmitte um den Maibaum und den ehemaligen Alten Wirt angeht, sind nämlich Voranfragen über die künftige Nutzung eingegangen. Grundstücksbesitzer Guy Graf von Moy plante einmal ein Hotel mit 148 Zimmern nebst einem Appartementhaus, und zuletzt den Bau von vier Mehrfamilienhäusern mit 60 Wohneinheiten. Moy zeigte sich zwar zu einer Zusammenarbeit mit der Stadt bereit, war zu einer Reduzierung der Pläne bereit, doch der dörfliche Charakter des Orts wäre zerstört, würden die Pläne genehmigt. Deshalb hat der Stadtrat eine Veränderungssperre erlassen und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen.

Zunächst aber soll mit den Bürgern ein Ortsentwicklungsplan erarbeitet werden. Die Attachinger, das ergab sich aus den Wortmeldungen, wollen keine Großbauten in ihrer Ortsmitte und nannten die Ortschaft Schwaig als Negativbeispiel. Die Attachinger wollen den Alten Wirt erhalten. Eine bayerische Wirtschaft wolle man hier neben der Kirche, Pizzerien habe man schon genug, hieß es. Wobei auch der Name Augustinerbräu fiel, der ins Boot geholt werden sollte, schließlich kauften Anton und Therese Wagner, die zuvor den Alten Wirt in Attaching betrieben, 1829 den Augustinerbräu in München und ihr Sohn Joseph machte daraus eine Großbrauerei. Seine Initialen zieren bis heute das Logo der Brauerei.

Anton Spitzenberger wünschte sich einen neuen Alten Wirt, mit einem Saal, in dem man Theater spielen könne. Auch ein Biergarten wäre ideal, sagte er. Wohnungen an dieser Stelle wolle man nicht. Die Obstwiese hinter dem Friedhof müsse erhalten bleiben, meinte ein anderer, schon weil man hier so tolle Grillfeste feiern könne. Was die Nutzung der übrigen Freiräume in der Ortschaft betrifft, etwa den Bereich um den Maibaum, erwarten sich die Planer Anregungen und Vorschläge. Auflisten sollen die Attachinger unter anderem, wie sie sich ihren Ort in 20 Jahren vorstellen, was ihnen wichtig ist und wo Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Erste Ideen wurden bereits am Freitag vorgetragen. Von einer Schule war die Rede, nachdem die in Lerchenfeld zu klein geworden sei, für "Betreutes Wohnen" sprach sich ein anderer aus. Boardinghäuser und weitere Arbeiterwohnheime des Flughafens wolle man dagegen nicht, hieß es.

Viel unklarer ist die Meinung zur Umgestaltung des Gewerbegebiets im Norden des Orts. So könnte das "etwas in die Jahre gekommene Areal", so die Stadtbaumeisterin, neu konzipiert werden. "Da geht es um 50 Hektar", sagte Schelle. Da sei man derzeit bei der Bestandsaufnahme. Die vorgelegten Pläne zeigten aber zum Erstaunen der Attachinger, dass sowohl das Kaufmarktzentrum als auch der leer stehende ehemalige Praktiker-Markt verschwunden sind. Neben Hallengewerbe sei hierein kleinteiliges Gewerbegebiet für Handwerker denkbar, ein Mischgebiet für Gewerbe und Wohnen, hieß es von den Planern.

Erhalten werden solle die Autobahnmeisterei. Berichtet wurde von Überlegungen, hier die Stadtgärtnerei anzusiedeln. Erhalten und teilweise vergrößert werden soll der bestehende Grünzug, der von Fuß- und Radwegen durchzogen werden soll. Im Süden könnten sich die Planer ein "verdichtetes Wohnen" für junge Familien vorstellen.

Zu wenig Grün sei das, sagte Michael Buchberger, ein anderer dagegen sah da zu viele Bäume eingezeichnet. Gefragt wurde, ob eine zentrale Fernwärmeversorgung möglich sei. "Unser Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung", hieß es von den Planern. Deshalb arbeite man an einem Entwässerungskonzept und einem Konzept für Photovoltaik. Ob denn ein so großes Gewerbegebiet notwendig sei, wurde gefragt. Ja, meinte Schelle, der Bedarf sei gegeben, "in den Clemensängern ist alles verkauft". Handwerksbetriebe würden dringend nach Erweiterungsmöglichkeiten suchen.

© SZ vom 28.09.2020

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