Thema Sicherheit im Mittelpunkt AfD holt zu Rundumschlag aus

Der AfD-Kreisverband hielt seine Wahlveranstaltung mit Beatrix von Storch in Osseltshausen ab. Diese trug bereits bekannte Ansichten vor à la: Merkel? Muss weg. Flüchtlinge? Abschieben.

(Foto: dpa)

Bis zuletzt ist der Veranstaltungsort geheim gehalten worden - dennoch kommen 120 Anhänger der Partei aus der ganzen Region, informiert per E-Mail, zu einer Wahlveranstaltung mit Beatrix von Storch in die Hallertau.

Von Kerstin Vogel, Au

Völlig unbehelligt hat der AfD-Kreisverband am Sonntag seine Wahlveranstaltung mit Beatrix von Storch in Osseltshausen abgehalten. Der Veranstaltungsort, das Holledauer Wirtshaus, war fast bis zuletzt geheim gehalten worden, weil die Europaparlamentarierin nach Angaben der Partei unter Personenschutz steht. Außerdem sind in der Vergangenheit "unsere Wirte schon im Vorfeld von Veranstaltungen mit Drohungen von Gegnern der Meinungsfreiheit konfrontiert" worden, wie es in einer Mail der AfD dazu heißt.

An die 120 Anhänger finden an diesem Abend dennoch den Weg in die Hallertau, sie sind ebenfalls per Mail informiert worden. Der Kreisverband ist groß, die Kennzeichen der vor dem Wirtshaus geparkten Autos lesen sich wie eine Landkarte der Region - von Freising über Pfaffenhofen bis nach Ingolstadt, auch Coburg war vertreten. "Nicht nur die anderen können einen Flashmob organisieren", freut sich Kreisvorsitzender Bernhard Kranich: "Wir können das nämlich auch, nur besser." Ansonsten gibt Kranich einmal mehr den Einheizer - inklusive Schelte für die ungeliebte "Systempresse". Kranich lobt die "heile Welt in der Hallertau" und geißelt die chaotischen Ereignisse rund um den G-20-Gipfel in Hamburg, wo sich der Staat als "unfähig erwiesen hat, seine Bürger und deren Eigentum zu schützen". Nur die AfD stehe für Sicherheit und Ordnung. In Deutschland werde "ein Rechtsextremismus konstruiert und der Linksextremismus wird verharmlost".

Bei der SPD hat Huber Sozialisten ausgemacht, Grüne bezeichnet er pauschal als Kommunisten

Auch der Bundestagskandidat des AfD-Kreisverbandes, Johannes Huber, zielt vor allem auf das Thema Sicherheit. "Unser Land wird heimgesucht von Terrorismus", so Huber. Er unterscheidet dabei in einen "schwarzen, islamischen Terrorismus", zu dem jetzt auch noch der "rote, sozialistische Terrorismus" dazu komme. Hubers Einschätzung nach den Ausschreitungen in Hamburg: "Die Antifa sind die wahren Faschisten in Deutschland." Bei der SPD hat Huber Sozialisten ausgemacht, die Grünen bezeichnet er pauschal als Kommunisten und seine Befürchtung für den Fall einer rot-rot-grünen Regierung sind "bürgerkriegsähnliche Zustände".

Im Saal hört man all das gerne, ebenso wie die Angriffe auf die lokale Konkurrenz. Der SPD wirft Huber eine Denunzierungskampagne gegen den früheren KAB-Diözesansekretär Rainer Forster vor. Dieser habe seinen Beruf verloren, nur weil er den umstrittenen Friedensforscher Daniele Ganser und den Vorsitzenden der AfD in Bayern, Petr Bystron, zu Veranstaltungen eingeladen habe, so Hubers Lesart. Auch der Bundestagskandidat der SPD, Andreas Mehltretter, habe diese Schreiben der SPD unterzeichnet, kritisiert Huber - aber das sei vielleicht seiner Jugend geschuldet: "Der will vom Kreißsaal über den Hörsaal direkt in den Plenarsaal." Nur kurz darauf erscheint Forster persönlich mit einer Dreiviertelstunde Verspätung im Saal und wird als "Vorkämpfer für Demokratie und Meinungsfreiheit" gefeiert.

Huber bezeichnet Kardinal Marx als "sozialistischen Repräsentanten der katholischen Kirche"

Seinem Konkurrenten Erich Irlstorfer (CSU) wirft Huber vor, schon den Habitus von Kanzlerin Merkel angenommen zu haben und deren "uneingeschränkte Einladungspolitik" zu unterstützen. Seine Kampfansage an den Abgeordneten: "Was die CSU verspricht, wird die AfD halten." Auch die Kirche bleibt nicht ungeschoren. Huber nennt Kardinal Marx einen "sozialistischen Repräsentanten der katholischen Kirche", der sich aufschwinge, große Politik zu machen "und zwar gegen die eigene Bevölkerung".

Und Beatrix von Storch? Lässt dann wenig Unerwartetes hören. Das Lesen von Nachrichten? Nicht zu ertragen. Merkel? Muss weg. Flüchtlinge? Abschieben. Ehe für alle? "Ein Dammbruch".

Den Satz, mit dem von Storch vor einem Jahr bekannt wurde (und den sie später zurücknahm), dass nämlich zur Verhinderung des illegalen Grenzübertritts von Flüchtlingen notfalls von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden müsse, lässt sie aus. Dafür zitiert sie den Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, Manfred Weber, aus der FAZ mit den Worten: "Es muss Schluss sein, dass ein paar tausend Schlepper und Schleuser ganz Europa in Geiselhaft nehmen. Da müssen die Europäer notfalls auch die Waffe zur Hand nehmen." Für von Storch sind Schlepper und Schleuser offenbar identisch mit Flüchtlingen, denn sie empört sich, dass man sie für eine "fast wörtliche" Aussage vor einem Jahr "gesteinigt hat".