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SZ-Balkonien:Soziales Ungleichgewicht

Die Vogeltränke auf dem SZ-Balkon wird durch das überlaufende Wasser vom Topf darüber gespeist. An Vögeln mangelt es allerdings bisher noch.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Biene als solche lässt SZ-Balkonien derzeit noch links liegen. Nur eine Gast war schon da - und das war eine Hummel.

Nun ist das erste Halbjahr 2019 fast rum und auf SZ-Balkonien wächst es unbestreitbar und gedeiht. Der Blick vom Konferenztisch hinaus richtet sich auf einen Mini-Dschungel aus Wildblumen, Brennnesseln, Tomaten und Tomaten - und es wachsen auch noch ein paar Tomaten, wobei sich hier inzwischen eine Art Zweiklassengesellschaft entwickelt hat: Prachtvolle Gewächse in großen Schalen hier, echte Mickerlinge in Plastiktöpfchen da, fast ist es wie im echten Leben, wo die Menschen in den großen Häusern ja meistens dann auch die dicken Autos fahren und sich in Joop oder wenigstens Boss und Lacoste gewanden.

Erstaunlicherweise hat dieses soziale Ungleichgewicht auf dem SZ-Balkon die Genossen im Landkreis bislang völlig kalt gelassen, stattdessen hat sich der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes, Markus Grill, umgehend zu Wort gemeldet, als die Redaktion die Ankunft der ersten Biene im Blühwiesentopf via soziale Medien gefeiert hat. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist es nämlich so, dass die Biene als solche SZ-Balkonien derzeit noch links liegen lässt und durch Abwesenheit glänzt. Manch ein Mitarbeiter will schon beobachtet haben, wie sich vereinzelte Exemplare dem Wildwuchs im dritten Stock nähern, um dann doch in Richtung Weihenstephaner Berg abzudriften, andere wollen lediglich vorbeitreibende Pusteblumensamen gesehen haben, aber vielleicht waren die auch einfach am Abend vorher zu spät ins Bett gegangen.

Die erste Biene auf Balkonien war gar keine

Denkbar wäre, dass oben im Lindenkeller einfach das bessere Buffet aufgebaut ist, was nicht verwunderlich wäre, schließlich wird der Stadtgarten von Profis betrieben. Zwar hat das Balkonien-Komitee der Redaktion sogar eine Insektentränke im Angebot, die raffinierterweise durch das überlaufende Gießwasser aus dem Topf darüber gespeist wird, aber wer weiß, was so ein Biergartenwirt noch alles im Angebot hat.

Die erste Biene jedenfalls, die dann doch den Weg nach SZ-Balkonien gefunden hatte - war am Ende gar keine und der SPD-Chef hats gemerkt, kaum dass das Foto online stand. "Das ist eine Hummel", kommentierte er trocken unter dem Bild. Eine umgehende, intensive und extrem investigative Recherche ergab: Mutmaßlich hatte Markus Grill recht. Zwar ließ die schlechte Bildqualität (der Fotograf war grad nicht da) keine einhundertprozentige Identifikation zu, möglicherweise könnte es sich bei der vermeintlichen Biene aber doch auch um eine Hummel gehandelt haben. Und da heißt es immer, die SPD hätte keine Ahnung von "grünen" Themen...

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