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SZ-Balkonien:Die Blattläuse sind schon da

Balkonien
(Foto: Lukas Barth)

Das Balkonien-Komitee erlebt eine herbe Enttäuschung

Der große Tag ist da, eine erste Bestandsaufnahme auf Balkonien ist angesetzt. Angetreten, auch etwas für die Artenvielfalt zu tun, will das SZ-Team nun wissen: Was lebt in, über, zwischen und unter den inzwischen in recht ansehnlicher Zahl aufgestellten Blumentöpfen, Sandkisten, Mini-Altholzbereichen und der Bienentränke?

Man rückt auf den Balkon aus und übt sich in dem, worüber man sonst berichtet, im Kartieren. Schnell macht sich Enttäuschung breit, es ist kein krabbelndes oder fliegendes Insekt zu finden. Doch halt, an Sonnenblume und Brennnessel entdeckt das Komitee kleine, dicke, schwarze Tierchen, die auch ohne Fachkenntnis schnell bestimmt sind - Blattläuse. "Iiihh, Läuse!" tönt es aus dem Konferenzraum, eine Praktikantin hat die Kartierung mitgehört und fasst sich in die Haare. Man kann sie beruhigen, Blattläuse sind zwar von Gartenliebhabern gefürchtet, mit dem Schrecken aller Kindergärten, den Kopfläusen, haben sie jedoch nichts zu tun. Von den etwa 3500 verschiedenen Läusearten sind nur 400 auf ein Säugetier fixiert, und nur drei davon mögen Menschen, die Kopflaus, die Filzlaus und die Kleider- oder Körperlaus.

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Auch die SZ-Redaktion will die Bienen retten und Insekten sowieso. Das Thema hat auch die morgendliche Redaktionskonferenz erreicht. Die Debatte führt zu der Erkenntnis, dass Kellerasseln keine Insekten sind.   Kolumne von Alexandra Vettori und Kerstin Vogel

Blattläuse locken Ameisen an

Die junge Kollegin, die der Bio-Viefalt in Form von unansehnlichem Gestrüpp und Brennnesseln von Anfang an skeptisch gegenüber stand, lacht: "Ist doch witzig, wir tun was für Insekten, und die einzigen, die da sind, sind Blattläuse!" Jetzt, meint sie ermunternd, müsse man nur noch auf Ameisen warten, die die ekligen Läuse ja bekanntlich melkten, "dann kommen vielleicht doch noch ein paar Viecher", fügt sie grinsend an. Tatsächlich lernen wir auf den Seiten der Umweltverbände, dass Blattläuse mit einem in ihrem Honigtau enthaltener Spezial-Zucker Ameisen herbeilocken, auf dass diese die Blattlaus von der zähen Ausscheidung befreien. Ohne diesen Putzdienst verklebt der Honigtau bei vielen Blattlausarten die rückwärtige Leibesöffnung. Nachdem die Ameisen erst die Betonwand in den dritten Stock empor wandern müssen, könnte es also sein, dass wir all die Hausmittel gegen Blattläuse, die jetzt die Redaktionsrunde beleben, gar nicht brauchen. Eines wird jedenfalls nicht in Zweifel gestellt: Wir machen weiter!