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Landkreis Freising:Was "Sabine" angerichtet hat

Die Rettungskräfte mussten auch zur evangelischen Kirche an der Saarstraße ausrücken und das Dach sichern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Orkantief legt den Landkreis lahm, die Schule fällt aus, Straßen sind wegen umgestürzter Bäume gesperrt, der Strom fällt teilweise aus und die Einsatzkräfte sind seit dem frühen Morgen im Einsatz.

Die Meldung, dass an diesem stürmischen Montag die Schulen auch im Landkreis Freising geschlossen bleiben würden, war schon am frühen Sonntagabend über die sozialen Netzwerke verbreitet worden. Mit diesem Beschluss, so der Pressesprecher des Landratsamtes Freising, Robert Stangl, sei das Landratsamt einer Entscheidung der Regierung von Oberbayern gefolgt. Normalerweise entscheide die Führungsgruppe Katastrophenschutz gemeinsam mit dem Landratsamt über den Schulunterrichtsausfall. Zur Erleichterung einiger Eltern blieben zumindest die städtischen Kindertagesstätten geöffnet. Wenn auch teilweise in einer Art "Notmodus", so Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt, nachdem das Personal die Einrichtungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur bedingt habe erreichen können.

In der THW-Einsatzentrale hat am Montag Einsatzleiter Marco Eisenmann (links) die Arbeit koordiniert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Welche Kraft das Orkantief Sabine tatsächlich entfalten würde, zeigte sich dann am Montagmorgen: Heftige Böen fegten über die Straßen und durch die Wälder, schnell mussten wegen umgekippter Bäume die ersten Straßen gesperrt werden: die B301 zwischen Attenkirchen und Thalham, die FS 10 zwischen Oberappersdorf und Gründl und die FS18 zwischen Aiglsdorf und Attenkirchen sowie zwei Gemeindeverbindungsstraßen von Neufahrn nach Fürholzen und von Neufahrn nach Massenhausen. Die Kreisstraße FS 10 zwischen Oberappersdorf und Gründl bleibe aufgrund von Sturmschäden bis auf Weiteres gesperrt, hieß es am Montag gegen 14 Uhr. Auch diverse Gemeindeverbindungsstraßen im Landkreis könnten noch nicht befahren werden. Aufgrund der bis in die Nacht zum Dienstag weiterhin zu erwartenden Orkanböen könne es zeitweise erneut zu Einschränkungen im Straßenverkehr geben, warnte Robert Stangl.

Seit dem Morgen waren die Feuerwehren im Landkreis, die Führungsgruppe Katastrophenschutz sowie die Kreiseinsatzzentrale im Einsatz. Das THW-Freising war mit 40 Kräften und acht Fahrzeuge im Einsatz. Am Vormittag mussten die Helfer zu einem Einsatz an der evangelischen Kirche in Freising ausgerückt und das Dach sichern.

In zahlreichen Gemeinden gab es Stromausfall

Wie sich ebenfalls bereits am Abend angedeutet hatte, ging auf der Schiene ziemlich schnell nichts mehr, die S-Bahnen fuhren nur noch auf der Stammstrecke. Es kam zu größeren Einschränkungen im Regionalbusverkehr. In zahlreichen Gemeinden des Landkreises Freising kam es durch die Folgen des Sturmtiefs am Morgen zeitweise zu Stromausfällen. Dazu zählten Haag, Hörgertshausen, Langenbach, Marzling, Mauern, Wang, Tegernbach, Kirchdorf (inklusive der Ortsteile Geierlambach, Hirschbach, Helfenbrunn). Damit stand dort auch das Festnetz nicht zur Verfügung.Am Montagnachmittag hieß es dann aus dem Freisinger Landratsamt alle Gemeinden seien wieder versorgt.

Vollsperrung der B 301 zwischen Thalham und Attenkirchen wegen umgestürzter Bäume.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Stadt Freising sperrte vorsorglich bis Dienstag auch den Waldfriedhof für Besuche. Verabschiedungs- und Beerdigungstermine sollten aber wie geplant stattfinden. Das Landratsamt rief Bürger im Landkreis dazu auf, Waldgebiete unbedingt zu meiden. Auch nicht notwendige Fahrten sollten sicherheitshalber vermieden werden.

Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs von den Bayerischen Staatsforsten in Freising hatte natürlich die Auswirkung des Orkantiefs Sabine auf den Wald im Blick. Nach einem erstem Eindruck sei er "vorsichtig optimistisch" sagte er und meinte, dass es schlimmer hätte kommen können. Ein genaueres Urteil über die Schäden könne so früh jedoch noch nicht gefällt werden. Aus Sicherheitsgründen könnten die Förster wohl erst am Dienstagmorgen eine genauere Erkundungsfahrt durch den Freisinger Wald machen. Erst nachdem das Orkantief vollständig abgezogen sei, werde der Forstbetrieb mit den Aufräumarbeiten beginnen.

sab

In Neufahrn musste die Feuerwehr ein umherfliegendes Wellblechdach bergen.

(Foto: Feuerwehr)

Die Rettungskräfte waren fast ununterbrochen im Einsatz

Um die direkten Auswirkungen des Sturmes zu bewältigen, waren neben Feuerwehr und Polizei auch die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) sowie die Kreiseinsatzzentrale (KEZ) und das Technische Hilfswerk (THW) Freising mit Mitarbeitern und Ehrenamtlichen im Einsatz. Die FüGK übernehme in besonderen Fällen, wie eben bei diesem Orkantief Sabine, die übergeordnete Koordination, erläuterte Landratsamts-Pressesprecher Robert Stangl. Kreisbrandrat Manfred Danner leite die Führungsgruppe und koordiniere gemeinsam mit seinem Team die örtlichen Einsätze von allen Einsatzgruppen, die Polizei ausgeschlossen. Danner, so Stangl, habe dann das letzte Wort.

Florian Wöhrl, Pressesprecher der Feuerwehr Freising, sagte, die Rettungskräfte seien am Montag seit 6.30 Uhr mehr oder weniger ununterbrochen im Einsatz gewesen. Die meisten Einsätze im Landkreis hätten sich dabei auf umgestürzte Bäume und Geäst auf den Straßen beschränkt. Die Nandlstädter Feuerwehr musste laut Sprecher Franz Linseisen die Bergstraße wegen eines umgestürzten Strommasten zeitweise sperren. Abgerissene Stromleitungen, ein Wassereinbruch und ein 40 Quadratmeter großes Dach, das auf ein Nachbarhaus geweht wurde, beschäftigen die Feuerwehr in Neufahrn. Auf der A92 war zudem ein Lastwagen durch Orkanböen ins Schleudern gekommen und mit einem Taxi zusammengestoßen. Das Fahrzeug sei dann auf einem Acker zum Stehen gekommen. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Auch die Agentur für Arbeit Freising reagierte auf die schwierigen Wetterbedingungen und gab bekannt, dass Arbeitslose Meldepflichten und Termine, welche am Montag und Dienstag stattfinden würden, nachholen dürften. "Arbeitslose können auch ihre Termine absagen, ohne dass wir dies beanstanden", so Nikolaus Windisch, Chef der Agentur für Arbeit.

© SZ vom 11.02.2020/nta
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