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Neue Messungen:PFOS-Chemikalien: Bach-Verschmutzer könnte in München sein

Wilde Fische, die aus der Moosach stammen, sollten auch weiterhin nicht verzehrt werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im August haben Behörden festgestellt, dass Fische aus der Moosach mit giftigen PFOS-Chemikalien belastet sind. Aktuelle Messungen ergeben, dass die Tiere in Fischzuchten kaum belastet sind und führen näher zum Verursacher.

Anfang August war bekannt geworden, dass die Konzentration der PFOS-Chemikalien in der Moosach und im Nebenfluss Mauka erhöht ist. PFOS steht für Perfluoroctansulfonsäure, die Stoffe sind in der Natur nicht abbaubar. Auch wild lebende Fische aus der Moosach waren belastet. Das Landratsamt hatte daraufhin eine Verzehrwarnung für die wild lebenden Fische aus der Moosach herausgegeben und wegen der Verunreinigung Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Ob im nächsten Schritt weitere Fische aus der Moosach und auch welche aus der Mauka untersucht werden, ist noch nicht klar. Darüber werde entschieden, wenn dem Wasserwirtschaftsamt München neue Erkenntnisse zur Ursache und zur aktuellen Situation vorlägen, so Szumilas.

In den bisher untersuchten Fischen aus Zuchtbetrieben im Landkreis Freising sind die Werte von PFOS-Chemikalien nur geringfügig erhöht. Elf Fischproben hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bisher untersucht, sie stammen aus sechs verschiedenen Betrieben. "Das LGL stellte in allen Proben lediglich geringe Gehalte an PFOS fest", berichtet Pressesprecher Aleksander Szumilas. Mit einer Verzehrwarnung für Fische aus Zuchtbetrieben ist deshalb nicht zu rechnen. Von Seiten des Landratsamtes Freising heißt es: "Das LGL hat angesichts der geringen Werte an PFOS eine Gesundheitsgefährdung aufgrund des Verzehrs von Fischen aus diesen Betrieben ausgeschlossen und die Verkehrsfähigkeit der Fische bestätigt", so Pressesprecher Robert Stangl. Die Verzehrwarnung für wilde Fische aus der Moosach bleibt allerdings bestehen. Das Freisinger Landratsamt hatte Stangl zufolge angeordnet, alle Fischzuchtbetriebe im Landkreis Freising amtlich beproben zu lassen.

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Erhöhte Werte auch südlich von Eching

Bei der Suche nach der Quelle der Chemikalien hat es mittlerweile Fortschritte gegeben. Das Wasserwirtschaftsamt hat südlich von Eching das Grundwasser beprobt und auch dort erhöhte Werte festgestellt, so berichtet es Behördenleiter Christian Leeb. Er spricht von einer "Schadstofffahne aus München raus". Untersucht hat das Amt das Grundwasser auf einer Breite von rund zwei Kilometern zwischen der B13 und dem Stadtteil Hasenbergl. Im Zustrombereich liegen mehrere Betriebe, die Galvanotechnik verwenden, also Metalle bearbeiten. Dazu gehören solche im Euro-Industriepark oder am Güterbahnhof. Möglicherweise könnten die der Verursacher sein, sagt Leeb - momentan sei aber alles noch Spekulation. Mit den neuen Erkenntnissen ist er zuversichtlich, den Ursprung der Chemikalien weiter einzugrenzen und so die Quelle zu finden. Dazu will das Wasserwirtschaftsamt das Grundwasser womöglich auch weiter im nördlichen Stadtgebiet testen, so Leeb.

Vor einem EU-weiten Verbot im Jahr 2011 waren PFC unter anderem in Feuerlöschschäumen enthalten. Der bekannteste Stoff darunter: PFOS. Auch am Münchner Flughafen gibt es eine Werksfeuerwehr. Dass die aktuelle Verunreinigung vom Flughafen kommt, hält Leeb vom Wasserwirtschaftsamt aber für "sehr unwahrscheinlich". Denn die bei Übungszwecken verwendeten Schäume seien dort aufgefangen worden, erklärt er. Anders ist es in Nürnberg. Dort reinigt der Flughafen in Abstimmung mit der Stadt seit Jahren die Rückstände von PFC-haltigem Schaum, die durch jahrelange Übungen der Flughafen-Feuerwehr in Boden und Grundwasser gelangt sind.

Wie die Lage am Flughafen in München ist, hat Christian Magerl, damals Landtagsabgeordneter der Grünen, schon 2013 in einer Anfrage an den Bayerischen Landtag wissen wollen. Ob im Umfeld des Münchner Flughafens Proben zu PFC-Werten genommen worden sein und wenn ja, wie hoch die seien, fragte er in dem Schreiben. Das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit ließ in der Antwort wissen, seit 2012 würden zahlreiche Grund- und Oberflächenwasserproben auf PFC untersucht. Die Messwerte vom März 2013 lagen demnach bei maximal 0,13 Mikrogramm PFOS pro Liter - und damit unter dem Schwellenrichtwert für Grundwasser und Trinkwasser. Als Erklärung schrieb das Ministerium: "Anders als bei den Flughäfen Nürnberg und Manching mit langjährigen Übungen auf teils nicht befestigten Flächen wurden am Flughafen München alle Feuerwehrübungen von Beginn an nur auf befestigten Flächen mit Entwässerung zur Kläranlage Eitting durchgeführt."

Informationen und neue Messergebnisse zu PFC-Chemikalien veröffentlicht das Wasserwirtschaftsamt München ab sofort unter https://www.wwa-m.bayern.de/grundwasser_boden/grundwasserqualitaet/index.htm.

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