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Regenbogen-Flagge am Hirschwirt in Moosburg:Buntes Zeichen der Solidarität

Die politische Gruppierung "Fresh" hat mit der Pride-Fahne auf die Diskriminierung von queeren Menschen aufmerksam gemacht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weil die Stadt das Hissen der Regenbogen-Flagge am Rathaus ablehnt, hat "Fresh" am Sonntag ein eigenes Banner an prominenter Stelle aufgehängt. Man will zeigen, dass in Moosburg kein Platz für Diskriminierung ist.

Von Thilo Schröder, Moosburg

Eine vier Meter lange Flagge in Regenbogenfarben wehte am Sonntag aus einem Fenster des "Jazz Club Hirsch". Die Gruppierung "Fresh" hat mit der Aktion auf die immer noch vorherrschende Diskriminierung von queeren Menschen aufmerksam machen wollen - gerade im ländlichen Raum. "Denn nicht nur in großen Städten leben queere Menschen. In jeder Gemeinde und jedem Dorf gibt es Personen, die wegen ihrer Orientierung oder ihrer Identität angefeindet oder benachteiligt werden. Sich alleine oder sogar unsicher fühlen", so die Organisatoren. "Auch in Moosburg." Mit der ursprünglichen Idee, die "Pride-Flagge" als Zeichen der Solidarität am Rathaus aufzuhängen, war Fresh im Vorfeld gescheitert.

Ingrid Huch-Hallwachs, Wirtin des Hirschen, hatte ihre Lokalität für die Aktion dagegen zur Verfügung gestellt, "weil ich das gerne unterstütze", wie die 57-Jährige sagt - schließlich ging es den Organisatoren darum, ein Zeichen zu setzen, "dass im Hirschen und hoffentlich auch in ganz Moosburg kein Platz für Diskriminierung ist; dass hier jeder Mensch so leben und lieben darf, wie er oder sie es möchte". Angefertigt hatte die Fahne eine geflüchtete afghanische Schneiderin.

Bereits Mitte Juni hatte Fresh bei der Moosburger Stadtverwaltung angefragt, ob die Flagge am Moosburger Rathaus aufgehängt werden dürfe, sagt Benedict Gruber. Er habe Gründe geschildert, "warum das mehr als Aktivismus ist, ein Zeichen nach innen - auch an die ganzen Ungeouteten, dass man nicht in die Großstadt ziehen muss, um das auszuleben". Die Stadtverwaltung habe eine Beflaggung aber abgelehnt, sagt der 25-Jährige.

Am Rathaus sollen nur "offizielle" Flaggen hängen

Auf Nachfrage teilt die Stadt mit, man habe "nur das Hissen dieser Flagge am Rathaus abgelehnt, da dies der Ort für die offiziellen Beflaggungen sein soll". An anderen Orten wie dem Jugendhaus oder der Volkshochschule könne eine Regenbogenflagge dagegen bedenkenlos aufgezogen werden. Weshalb die Regenbogenflagge nicht als Teil der offiziellen Beflaggung angesehen werde, dazu äußert sich die Stadt im Detail nicht. Auch die Frage, ob man grundsätzlich einen Bedarf sehe, queere Menschen stärker zu unterstützen, bleibt unbeantwortet.

Vor der Kommunalwahl hatte Bürgermeister Josef Dollinger (Freie Wähler), damals noch Kandidat, in einem Fragebogen des Jugendparlaments auf die Frage, wie er sich für mehr Toleranz gegenüber der queeren Community einsetzen wolle, geantwortet: "In meiner bisherigen politischen Arbeit ist mir in unserer Stadt keine Intoleranz gegenüber diesem Personenkreis bekannt geworden." Laut Gruber haben Stadt und Bürgermeister ihre Ablehnung ihm gegenüber damit begründet, dass politische Beflaggungen bereits in der Vergangenheit abgelehnt worden seien - etwa bei außenpolitischen Solidaritätsbekundungen - und man derlei Anfragen gleichbehandeln wolle.

"Ich würde sagen, dass eine Regenbogenflagge etwas viel weniger kontroverses ist", sagt Gruber als beispielsweise die Idee, eine Tibet-Flagge am Moosburger Rathaus zu hissen. Nicht zuletzt mit Einführung der Homoehe und anderen Fortschritten in Sachen Gleichberechtigung queerer Menschen sei der Umgang normaler geworden. Und schließlich würden auch andere Städte Regenbogenflaggen an ihren Rathäusern aufziehen.

Im Stadtrat hieß es, man prüfe die Angelegenheit

In der Stadtratssitzung am 6. Juli hatte Fresh-Stadtrat Thomas Wittmann das Anliegen erneut zur Sprache gebracht, zunächst ohne einen formalen Antrag zu stellen. Dollinger habe daraufhin angekündigt, die Angelegenheit zu prüfen, berichtet der 23-Jährige. Wenn diese Prüfung negativ ausfalle, wolle man einen Antrag stellen. Über den würde dann der Stadtrat entscheiden. "Was genau geprüft wird, weiß ich nicht", sagt Wittmann. Er vermutet aber, dass es sich dabei weniger um bürokratische Hürden als um eine Frage des Verwaltungswillens handelt. "Es wirkt mehr so, als ob man überlegt: Möchte man das tun oder nicht?"

Grünen-Stadtrat Johannes Becher unterstützt das Vorhaben. In der Sitzung habe er zu bedenken gegeben, ob über derlei Themen nicht auch unbürokratisch entschieden werden könne. Dies sei ja gerade der Vorteil der kommunalpolitischen Ebene, erläutert der Landtagsabgeordnete. Die Ankündigung Wittmanns, wenn nötig einen Antrag zur Regenbogenbeflaggung des Rathauses zu stellen, sei im Gremium überdies positiv angenommen worden. "Da gab es von großen Teilen des Stadtrats Unterstützungsbekundungen."

© SZ vom 14.07.2020/nta
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