bedeckt München 11°

Inhabergeführte Geschäfte:Das Geschäft mit dem Leder

Stefan Kremmer führt das Ledergeschäft Birnkammer zusammen mit Christl Hoffmann.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das 1857 gegründete Fachgeschäft Birnkammer verkauft Taschen und Koffer, aber auch Sachen wie Schirme und Schuhbedarf. Seit 1900 ist der Laden in Familienbesitz. Die heutigen Betreiber blicken trotz Internet-Konkurrenz und Innenstadtsanierung positiv in die Zukunft.

Von Katharina Aurich, Freising

Fast majestätisch stehen die beiden markanten Häuser Untere Hauptstraße 26 und 28 nebeneinander. Völlig unterschiedlich sind ihre Baustile, aber die beiden Gebäude beherbergen eine Firma: das Fachgeschäft für Lederwaren und Reisegepäck Birnkammer. Hier, mitten in Freising in diesem großzügigen Areal, wuchs Stefan Kremmer auf, der heute gemeinsam mit Christl Hoffmann die Firma leitet. Woher kommt aber der Name Birnkammer, unter dem man das Geschäft seit Generationen kennt?

1857 gründete Armin Graf den Lederhandel in der Unteren Hauptstraße 28, 1878 übergab er den Laden an Wilhelm Herlinger, und von ihm übernahm Kremmers Großvater, der ebenfalls Stephan, aber mit "ph" hieß, im Jahr 1900 das Geschäft. Er wurde auch in die Bürgerschaft aufgenommen, das war die Voraussetzung, um in Freising Handel treiben zu können. Kremmers Großvater verstarb sehr früh im Jahr 1912, als Kremmers Vater gerade ein Jahr alt war. Die Großmutter, eine geborene Dachs, heiratete erneut, nämlich Franz Birnkammer aus Moosburg. Im Jahr 1918 wurde dann das Haus Untere Hauptstraße 26 dazugekauft.

Damals wurde im Geschäft noch mit Leder und Häuten gehandelt

Vorne im Gebäudekomplex befand sich das Geschäft, in dem damals noch mit Leder und Häuten gehandelt wurde. Eine Zeit lang wurden auch Schäfte für Schuhe hergestellt. Noch heute erzählen eine alte Nähmaschine, Regale mit Lederstücken und Arbeitstische im hinteren Teil des Gebäudes aus dieser Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen die Familienmitglieder Stephan und Leni Kremmer aus der ersten Ehe der Witwe Dachs sowie ihr zweiter Mann Franz Birnkammer senior und ihr gemeinsamer Sohn Franz junior einen Gesellschaftervertrag, um das Unternehmen in Familienhand weiterzuführen.

Heute gehört das Geschäft Stefan Kremmer sowie der Enkelin von Franz Birnkammer senior, Christl Hoffmann. Sie haben sich für die Zukunft viel vorgenommen. Denn das Areal mit dem hoch herrschaftlichen Domherrenhaus, in dem sich auf der Hofseite im ersten Stock ein wunderschöner Arkadengang befindet, wird derzeit überplant. In Zukunft soll hier wie schon in früheren Zeiten, als auf dem "Birnkammer-Areal" rund 30 Menschen lebten und sich verschiedene Gewerbe im Hof angesiedelt hatten, wieder ein Wohn- und Geschäftsensemble entstehen. Die jetzt meist leer stehenden Hofgebäude sollen behutsam saniert oder abgerissen werden, so Stefan Kremmer. Ziel dabei ist auch, das Geschäft zu erhalten, denn "Leder ist unser Leben", bekennt der Firmeninhaber.

Auf dem Areal ander Unteren Hauptstraße in Freising, das derzeitüberplant wird, wollen die heutigen Betreiber ihren Laden fortführen und ein Wohn- und Geschäftsensemble wie in früheren Tagen schaffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

In der Familie gebe es Nachwuchs, der das Geschäft übernehmen will, so Kremmer

Aber das wird in Zukunft nicht einfacher, denn "unser größter Feind ist das Internet", schildert Kremmer. Lederstücke werden heute nur noch für den Bastelbedarf verkauft, die Schwerpunkte des Geschäftes sind Koffer, Taschen, Geldbörsen, Handschuhe, Gürtel, Rucksäcke, Schirme und Schuhbedarf. Außerdem wird für alle Produkte ein Reparaturservice angeboten. "Wir sind Profis im Verkauf von Lederwaren", versichert der Chef. Fünf bis sechs Mitarbeiter, die meisten von ihnen in Teilzeit, kümmerten sich um die Kundenwünsche. Dies zeichne das Geschäft im Gegensatz zum unpersönlichen Interneteinkauf aus.

Drei Jahre nachdem Stefan Kremmer 1982 in den Betrieb eingetreten war, wurden die Innenstadt zum ersten Mal saniert und der Individualverkehr eingebremst. Die Kundenzahl ging zurück, erinnert er sich. Er fürchtet nun, dass die aktuelle Innenstadtsanierung für seine Branche wieder einen Kundenrückgang bedeutet. Dennoch sei er optimistisch, denn innerhalb der Familienzweige gebe es wie in den Generationen zuvor einigen Nachwuchs, der das Geschäft übernehmen wolle. Er ist sich sicher, dass die Lederwarenhandlung Birnkammer auch in Zukunft zum Freisinger Stadtbild dazugehören wird.

© sz.de/nta
Inhabergeführte Geschäfte in Freising

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite