Landkreis-Vergleich Freisinger Hallengebühren auf dem Prüfstand

Die Handballerinnen des SC Freising absolvieren viele Spiele und brauchen darum etliche Hallenstunden. Für den Verein geht das ins Geld.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Stadtratsfraktion der Grünen wünscht sich eine Gegenüberstellung von Zahlungen, die Vereine leisten, und Fördermitteln der Stadt. Nur so könne beurteilt werden, ob die Sportler in Freising finanziell stärker belastet werden als die im Umland.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Werden die Freisinger Sportvereine mit den Gebühren für die Nutzung der städtischen Sporthallen zu stark belastet? Auch das war ein Thema bei der jüngsten Sitzung des Stadtverbands für Sport. Die Kritik, die an diesem Abend laut geworden ist, hat die Stadtratsfraktion der Grünen zum Anlass für einen Antrag im Ausschuss für Kultur, Bildung und Sport genommen. Dort soll die Berechnungsgrundlage für die Hallennutzung detailliert dargelegt werden, weil diese eben immer wieder für Ärger bei den Sportvereinen sorgen würden. Vor dem Hintergrund, dass es Städte gebe, die keine derartigen Hallennutzungsgebühren erheben würden, die aber im Gegenzug oftmals keine Zuschüsse gewähren, sei hier eine größere Transparenz vonnöten, begründete Grünen Stadträtin Susanne Günther diesen Antrag.

Die Gebühren für die städtischen Hallen belaufen sich nach Information der Stadt Freising derzeit auf fünf Euro pro Stunde bis 20 Uhr, danach müssen Vereine zehn Euro pro Stunden zahlen. Weil vor allem Jugendmannschaften die Halle tagsüber nutzen, hatte sich die Stadt in Absprache mit den Vereine für die ermäßigte Gebühr bis 20 Uhr entschieden. Zuletzt erhöht worden waren die Hallengebühren am 1. Oktober 2016. Bis dahin seien sie 13 Jahre lang unverändert gewesen, so Pressesprecherin Christl Steinhart. Fünf beziehungsweise zehn Euro pro Stunde, das klingt jetzt nicht nach viel Geld und Winfried Heldner, Kassier beim SC Freising, dessen Vorsitzender Dieter Hillenbrand bei der Sitzung des Stadtverbands für Sport die hohen Ausgaben für die Hallengebühren angesprochen hatte, will auch nicht groß klagen. Er rechnet nur vor.

Für die Hallennutzung zahlt der SC Freising fast 30 000 Euro im Jahr

"Wir hatten 2017 Einnahmen in Höhe von 110 000 Euro über die Mitgliedsbeiträge, aber wir haben Ausgaben für den reinen Sportbetrieb in Höhe 165 000 Euro, da ist ein Loch und das ist unser Problem", sagte Heldner. Bei den Hallengebühren sei der SC Freising bei bald 30 000 Euro im Jahr. "Unsere Handballer und Volleyballer sind sehr engagiert, die Handballerinnen spielen in der Landesliga und die Volleyballer in der Regionalliga, das ist natürlich auch verbunden mit vielen Hallenstunden, so Heldner weiter. Hinzukämen weitere 20 000 Euro, die der SC Freising 2017 an Beiträgen an den Bayerischen Landessportverband (BLSV) zahlen müsse. Das läppert sich und Winfried Heldner sagte darum ganz klar, dass da die Unterstützung der Stadt Freising und auch des Landkreises sehr hilfreich sei. Freisinger Vereinen gewährte die Stadt für das Sportjahr 2017 laut Pressesprecherin Christl Steinhart als freiwillige Leistung Zuschüsse in einer Gesamthöhe von 186 953 Euro, davon waren 71 273 Euro Übungsleiterzuschüsse und 115 680 Jugendzuschüsse. Für Jugendliche Mitglieder gibt es von der Stadt Freising 20 Euro pro Kopf. Hinzu kommen Zuschüsse für Investitionen in Höhe von zehn Prozent.

Bei den Gebühren herrscht Vielfalt, in Marzling und Neufahrn ist die Hallennutzung sogar gratis

In Marzling wird die Gemeindehalle vom SV Marzling genutzt, vor allem die Gymnastikabteilung halte dort Kurse ab, berichtet Bürgermeister Dieter Werner. Bislang nutzt der Sportverein die Halle unentgeltlich. Vor längerer Zeit hat es einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss gegeben, da dort vor allem Angebote für Jugendliche und Kinder, beispielsweise das Mutter-Kind-Turnen, stattfinden.

In Au gibt es die "Hopfenland-Halle", die nicht nur für kulturelle Veranstaltungen, sondern auch von den Ringern genutzt wird. Daneben steht die Schulturnhalle, eine Zweieinhalbfeld-Halle. Dort finden auch Trainings und Wettkämpfe des TSV Au und der ASV-Ringer statt. Der Kinder- und Jugendbetrieb ist frei, für die Erwachsenen wird eine Gebühr verlangt. Der TSV Au muss für die gesamte Halle pro Stunde 6,70 Euro zahlen, nutzt er einen Teil, reduziert sich dieser Betrag. Für die Ringer ist es noch günstiger: Sie zahlen für die gesamte Halle pro Trainingstag 85 Cent, ein Wettkampftag kostet zehn Euro.

In Neufahrn ist die Benutzung der gemeindlichen Hallen für die Vereine kostenlos. Die Sportförderrichtlinie sieht vor, dass nicht nur Gebühren, sondern auch Pachten und Erbbauzinsen nur dann erhoben werden, wenn es für den Gemeindehaushalt unumgänglich ist. Zuschüsse von der Gemeinde gibt es trotzdem.

In Eching fallen je nach Halle unterschiedliche Gebühren an. Die gesamte Dreifachturnhalle in der Dietersheimer Straße kostet für Kinder wochentags acht Euro pro Stunde, für Erwachse 13 Euro. An Wochenenden erhöhen sich die Sätze auf 16 und 18 Euro. Zwei Hallenfelder kommen wochentags auf sechs Euro für Kinder und acht Euro für Erwachsene, ein Hallenfeld kostet drei, beziehungsweise vier Euro. Für Kinder- und Jugendturniere werden keine Gebühren erhoben. Die Tagespauschale beträgt für Kinder 120 Euro, für Erwachsen 150 Euro, auswärtige Vereine zahlen mehr.

Auch im prachtvollen Hallbergmooser Sportpark fallen reich gestaffelte Gebühren für die Vereine an, von der Sauna bis zum Matten- oder Kraftraum gibt es extra Sätze. Ganz grob liegen die Hallenmieten für die drei unterschiedlich großen Sporthallen zwischen zehn und 18 Euro pro Stunde, zuzüglich Mehrwertsteuer.

In Moosburg zahlen die Vereine in städtischen Hallen fünf Euro pro Stunde und Halleneinheit. Kinder und Jugendliche sind frei. Nach Auskunft von Josef Mühlberger, Geschäftsleiter der Stadt, ist auch in der Eishalle die Nutzung durch Kinder und Jugendliche unentgeltlich. Ansonsten zahlt der EV Aich dort eine Monatspauschale, mit der acht Stunden und zwei Spiele abgedeckt sind. Der EV Moosburg muss 45 Euro pro Trainingsstunde entrichten sowie 80 Euro pro Spiel und 100 Euro für jede Eisdisco.

Im Gegenzug erhalten die Vereine von den Kommunen in der Regel Zuschüsse, etwa für die Jugend oder Übungsleiter, für Baumaßnahmen oder größere Turniere und Festivitäten. regu/av/axka

Könnten Stadt und Landkreis auf die Hallengebühren verzichten?

Auch der Landkreis stellt den Sportvereinen Hallen zur Verfügung. Grundsätzlich würden zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Kinder pro Stunde und Hallenteil (pro Nutzung) berechnet, so Landratsamtsprecher Robert Stangl. Als Unterstützung könnten Sportvereine die Vereinspauschale beantragen, die sich aus der Anzahl der erwachsenen Mitglieder (über 26 Jahre) und der sonstigen Mitglieder (bis 26 Jahre) sowie der Anzahl der Übungsleiterlizenzen berechne. 2017, so Stangl, seien insgesamt rund 232 000 Euro an Sportvereine ausbezahlt worden.

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Für den TSV Jahn, der nach Aussagen seines Vorsitzenden Dieter Link etliche Hallen nutzt, für die Basketballer, den Gymnastikverein und auch für das Kinderturnen, sind die Gebühren "ein Kostenfaktor, bei dem ich mich natürlich freuen würde, wenn er unser Budget nicht belasten würde". Bei der Frage, ob Stadt und Landkreis auf die Hallengebühren verzichten könnten, ist er jedoch skeptisch. Natürlich gebe es Städte und Gemeinden, die keine Gebühren verlangen würden. Doch da müsse man auch erst einmal genau hinschauen und klären, ob dann auch die Unterstützung der Sportvereine so laufe, wie in Freising, sagte Link.