Hospiz- und Palliativversorgung:Pflege am Ende des Lebens

Lesezeit: 2 min

Hospiz- und Palliativversorgung: Ein Palliativteam macht einen Hausbesuch bei einem sterbenden Menschen.

Ein Palliativteam macht einen Hausbesuch bei einem sterbenden Menschen.

(Foto: Robert Haas)

Der Landkreis Freising will ein Netzwerk aufbauen, das eine Betreuung Schwerstkranker und Sterbender gewährleistet.

Von Peter Becker, Freising

"Wir werden alle sterben", sagte Heino Pause (FW). Es gelte, sich bewusst zu machen, dass das Leben irgendwann endet, man müsse sich damit auseinandersetzen. Pause plädierte im Ausschuss für demografische und soziale Fragen des Kreistags dafür, im Landkreis Freising ein Hospiz- und Palliativnetzwerk zu schaffen und gleichzeitig eine verwaltende Koordinierungsstelle einzurichten. So lautete auch die Botschaft an den Kreisausschuss, der sich abschließend mit dieser Materie auseinandersetzen muss.

Grundlage der Hospiz- und Palliativarbeit sei die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland", erläutert dazu die Verwaltung am Landratsamt. Diese setzt sich für Menschen ein, die "aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind". Dort steht geschrieben, dass jeder schwerstkranke und sterbende Mensch ein Recht auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung habe. Dies könne sowohl ehrenamtlich als auch hauptberuflich in einem möglichst vertrauten Umfeld geschehen.

Im Landkreis Freising gibt es bereits ein kleines Netzwerk

Im Landkreis besteht bereits ein kleines Netzwerk. Gesundheitsregion plus, Ambulantes Palliativteam, Hospizgruppe Freising, Sophienhospiz und der Bayerische Hospiz- und Palliativverband (BHPV) haben einen Steuerungskreis zur Hospiz- und Palliativarbeit im Landkreis Freising gegründet. Es gibt die Vision, dieses Netzwerk zu erweitern und zu einer Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger zu machen. "Es hapert aber an der Vernetzung", sagte Susanne Bauer, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion plus im Landkreis Freising. Deshalb können nicht alle Betroffenen von Hospizarbeit und Palliativversorgung profitieren. Die wichtigste Aufgabe eines Netzwerks und einer Koordinierungsstelle wäre, für diese Menschen und ihre Bezugspersonen eine Anlaufstelle zu bieten.

Für den Aufbau eines Netzwerks und einer Koordinierungsstelle gibt es Zuschüsse. Zum einen eine Förderung durch den BHPV, die bis Ende dieses Jahres beantragt sein muss. Das ermöglicht die Anstellung einer Person, die fünf bis sieben Stunden pro Woche arbeitet und auf 450-Euro-Basis bezahlt wird. Voraussetzung ist ein vorhandenes Netzwerk, was auf den Landkreis zutrifft. Alle Kooperationspartner verpflichten sich zu einer einmaligen Zahlung von 500 Euro zur Unterstützung des Netzwerks.

Eine Förderung könnte zum 1. Januar des kommenden Jahres beginnen

Zum anderen gewährt das Sozialgesetzbuch eine entsprechende Förderung, falls der Landkreis für 2022 seinen Anspruch beim BHPV geltend macht. Bestehende Netzwerke können diesen Zuschuss beantragen. Wichtig wäre zusätzlich ein Arbeitsvertrag für einen Koordinator oder eine Koordinatorin, dann könnte die Förderung zum 1. Januar 2023 beginnen. Ziel wäre die schnelle Gründung eines Netzwerks samt Koordinierungsstelle. Diese soll beim Freisinger Hospizverein angesiedelt sein. Die Förderung besteht aus einer Kooperation des Landkreises Freising mit den Krankenkassen, die jeweils 15 000 Euro pro Jahr für die Personalkosten einbringen.

Der Landkreis wird nun zunächst die Charta unterzeichnen, um dann die Förderanträge zu stellen. Landrat Helmut Petz (FW) betonte, dass es nicht darum gehe, eine neue Stelle im Landratsamt zu schaffen, sondern es handele sich um eine Initiative des Gesetzgebers. Gregor Wild (CSU) warnte davor, parallel zum jüngst eingerichteten Pflegestützpunkt eine Doppelstruktur zu schaffen. Petra Waldhör vom Freisinger Ambulanten Pflege-Team betonte, dass dies nicht der Fall sei. Die Aufgabenfelder seien unterschiedlich und ergänzten sich. Es gehe nicht um Pflege, sondern um Beratung und Vernetzung.

Johannes Becher (Grüne) sagte, dass Pflege am Ende des Lebens etwas sehr Spezielles sei. Pflegende könnten da oft nicht weiterhelfen. Herbert Bengler (SPD) bekräftigte, dass "Pflege und Hospiz zwei Paar Stiefel sind". Er stört sich allerdings daran, dass es sich bei der Koordinierungsstelle nur um eine geringfügige Beschäftigung handele. "Die sollte sozialversicherungspflichtig sein."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema