Große Vorbehalte:Mehrheit im Kranzberger Gemeinderat lehnt Solarpark ab

Große Vorbehalte: Eine Freiflächenanlage wie diese in Unterhaching hätte auch westlich von Kranzberg entstehen können - doch die Mehrheit der Gemeinderäte stimmte dagegen.

Eine Freiflächenanlage wie diese in Unterhaching hätte auch westlich von Kranzberg entstehen können - doch die Mehrheit der Gemeinderäte stimmte dagegen.

(Foto: Claus Schunk)

Nur vier Ratsmitglieder befürworten eine Freiflächenanlage in der Nähe des Ortsteils Zinklmiltach. Man wolle den Konkurrenzdruck zwischen Energie- und Lebensmittelerzeugung nicht weiter verschärfen, hieß es.

Von Petra Schnirch, Kranzberg

Die Vorbehalte im Kranzberger Gemeinderat gegenüber Solarparks bleiben groß. Eine deutliche Mehrheit signalisierte in der Sitzung am Dienstag, dass sie eine 4,8 Hektar große Freiflächenanlage im Westen der Gemeinde bei Zinklmiltach ablehnt - aus optischen Gründen, vor allem aber um den Konkurrenzdruck in der Landwirtschaft zwischen Energie- und Lebensmittelerzeugung nicht weiter zu verschärfen. Lediglich vier Ratsmitglieder befürworteten einen Solarpark bei Zinklmiltach grundsätzlich. Ein neuer Arbeitskreis soll sich nun damit befassen, wo im Gemeindegebiet erneuerbare Energien gefördert werden könnten.

Seit 2009 hat Kranzberg Anträge zur Errichtung von Solarparks immer wieder abgelehnt. Silvia Tüllmann (FWG) sprach sich in der Sitzung am Dienstag vehement gegen eine solche Anlage "in offener Landschaft" aus. Vor der Wahl hätten es sich alle Gruppierungen auf die Fahnen geschrieben, die "bayerische Kulturlandschaft" zu erhalten, sagte sie. Außerdem sollte guter Ackerboden nicht aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden, denn dann "steigen die Pachtpreise, die Flächen werden immer weniger". Rudolf Wildgruber (KGL) und Franz Braun (CSU) betonten, dass Photovoltaikanlagen "aufs Dach" gehörten. Bei keinem anderen Thema "würden wir auch nur eine Minute diskutieren", ob für ein Vorhaben mit einer Größenordnung von 50 000 Quadratmetern ein Bebauungsplan aufgestellt werde, sagte Braun. Roland Haslbeck (CSU) hielt dagegen: "Wir sind alle für den Atomausstieg, wir sind alle für den Kohleausstieg - irgendeinen Tod muss man sterben". Georg Hammerl (FWG) warf ein, dass der Antragsteller keinen Ackerbau mehr betreibe und seine eigenen Flächen für den Solarpark nutzen wolle. "Das ist eine verzwickte Geschichte", sagte er. Was die Nachhaltigkeit angehe, "kommt man fast nicht aus". Petra Horneber (CSU) gab zu bedenken, dass das "keine Entscheidung für die Ewigkeit" sei. In 20, 30 Jahren könnte die Anlage zurückgebaut werden.

Bürgermeister Hermann Hammerl (FWG) befürchtet allerdings einen Bezugsfall. Er gab Andreas Adldinger (CSU) zwar Recht, dass die Planungshoheit bei der Gemeinde liege. Der Druck werde aber steigen, sobald der erste Solarpark genehmigt sei, das zeigten Beispiele aus anderen Gemeinden. Ein weiterer Interessent aus dem Gemeindebereich habe im Rathaus bereits angefragt. Hermann Hammerl verwies auf das Beispiel Rudelzhausen. Dort würden PV-Freiflächenanlagen nur auf sogenannten Konversionsflächen genehmigt, etwa auf dem Gelände ehemaliger Kiesgruben, nicht aber auf Ackerboden.

Notwendig seien wirklich innovative Lösungen, sagte Konrad Neumair (KGL), etwa Anlagen, die so aufgeständert würden, dass die Flächen dennoch landwirtschaftlich genutzt werden könnten. Stellvertretender Bürgermeister Anton Hierhager (SPD) schlug vor, den Antrag als Anlass für eine ergebnisoffene Diskussion zu nehmen, wo sich die Gemeinderäte solche Anlagen vorstellen könnten. Er selbst befürworte einen Solarpark auf dem fraglichen Grundstück nicht. Traurig sei, dass ein Landwirt damit mehr verdiene, als wenn er Nahrungsmittel anbaue. Ein Arbeitskreis des Gemeinderats soll sich nun mit dem Thema erneuerbare Energien auseinandersetzen.

© SZ vom 15.04.2021/nta
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