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Zur Stichwahl in Hohenkammer:Sechs Fragen, zwölf Antworten

Wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung erläutern die beiden verbliebenen Bewerber um das Bürgermeisteramt ihre Standpunkte zu verschiedenen Themen in der Gemeinde.

Von Petra Schnirch, Hohenkammer

Ein Mann und eine Frau, Mario Berti von der CSU und Susanne Hartmann von der FDP, bewerben sich in der Gemeinde Hohenkammer am Sonntag noch einmal um die Nachfolge von Bürgermeister Johann Stegmair (CSU). Die beiden hatten im ersten Wahlgang am 13. September die Stichwahl erreicht. Die Freisinger SZ hat den beiden Kandidaten vor der Entscheidung noch einige Fragen gestellt.

SZ: Wo muss bei der Infrastruktur (Kita, Schule, Versorgung) in Hohenkammer nachgebessert werden?

Mario Berti: Unsere Gemeinde ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Unsere Einrichtungen, wie zum Beispiel die Schule und der Hort sind ausgelastet und geraten bereits heute an ihre Grenzen. Eine Erweiterung wird daher erforderlich sein, dies umso mehr, da das Thema Ganztagsschule in Zukunft für uns ein wichtiger Punkt sein wird. Für unsere Senioren sowie junge Familien muss auch etwas getan werden. Bauland ist teuer geworden und nicht für jedermann erschwinglich. Durch den Bau von barrierefreiem, gemeindeeigenem und günstigem Wohnraum, kann hier beispielsweise geholfen werden.

Susanne Hartmann: Neben der sukzessiven Instandsetzung unserer Ortsstraßen müssen wir mittelfristig die Erweiterung und Modernisierung unserer Kläranlage ins Auge fassen. Stromtankstellen sind in der heutigen Zeit erforderlich. Für Senioren benötigen wir zugeschnittene Tagesbetreuungen. Vor allem werden wir an unserer Schule die Erweiterung sowie die Digitalisierung angehen. Das bietet uns die Chance, in die Sanierung unseres Sportheims als künftiges Vereinsheim zu investieren. Das aber nur in enger Abstimmung mit den Anwohnern und ein tragfähiges Betreiberkonzept vorausgesetzt.

Wie könnte der ÖPNV für die Bürgerinnen und Bürger in Hohenkammer attraktiver werden?

Berti: Als eines der wichtigen Themen sehe ich die überfüllten Busse unserer Schulkinder. Dies ist ein dringlicher Punkt für mich. Unsere Kinder müssen sicher und gesund in die Schulen gebracht werden. Ich werde mich dafür einsetzen, die Schulbuskapazitäten zu erweitern. Der öffentliche Personen-Nahverkehr ist hauptsächlich Kreissache, in diesem Punkt werde ich eng mit unserer starken Kreistagsfraktion zusammenarbeiten. Bei der Einrichtung von landkreisübergreifenden Linien, genauso wie bei gemeindeübergreifenden Radwegen braucht es jedoch einen langen Atem.

Hartmann: Wir benötigen eine höhere Taktung der Buslinien und in der Früh für die Schulkinder mehr Buskapazitäten. Ziel ist es, dass die Menschen aus Hohenkammer und ihren Ortsteilen besser und schneller nach Freising und Petershausen, aber auch nach Lohhof (S1) und Garching (U-Bahn) gebracht werden können. Eine wichtige begleitende Maßnahme sind mehr und sicherere Bushaltestellen sowie der Ausbau der Radwege zu Bus und Bahn. Als Kreisrätin habe ich im Kreistag sofort Anträge für Bürgerbefragungen, bessere Verbindungen von und nach Petershausen, Freising und Lohhof gestellt.

Wer künftig als Bürgermeister oder Bürgermeisterin die Geschicke der Gemeinde Hohenkammer lenkt, entscheidet sich bei der Stichwahl am kommenden Sonntag, 27. September. Die Bürger haben die Wahl zwischen Mario Berti (CSU) und Susanne Hartmann (FDP).

(Foto: Marco Einfeldt)

Wie wollen Sie die Vereine in der Gemeinde unterstützen, die darüber klagen, dass sie keine geeigneten Räume haben?

Berti: Der Bau von Räumlichkeiten für unsere Vereine, wie zum Beispiel Proberäume für die Blasmusik und den Liederhort, ist ein dringlicher Punkt in unserer Gemeinde. Ich strebe für unsere Vereine dabei eine Verbundlösung mit dem Anbau an unsere Schule an. Mit diesem Konzept kann man im gleichen Zuge auch Räumlichkeiten für unsere Vereine schaffen. Auf dem Areal der Schule ist dafür genug Fläche vorhanden. Das Vereinsheim mit seiner Gastronomie in der Nachbarschaft ergänzt diesen Ansatz. Ich möchte gemeinsam mit dem Gemeinderat und in Zusammenarbeit mit den Vereinen eine gute Lösung finden.

Hartmann: Das Vereinsleben von Hohenkammer liegt mir sehr am Herzen. Unsere Familie ist nicht umsonst Mitglied in neun Vereinen. Vor allem die Blasmusik Hohenkammer sowie der "Liederhort Fidelitas" benötigen vernünftige Übungsräume. Aber auch die Schützengesellschaft Teutonia könnte eine modernere Schießbahn vertragen. In Abstimmung mit dem Gemeinderat und den betroffenen Anwohnern werde ich prüfen lassen, inwieweit man das derzeitige Sportheim zum Vereinsheim umbauen und erweitern kann. Die anstehende Schulerweiterung wird uns hier möglicherweise neue Optionen anbieten.

Die Gemeinde verfügt noch über Baugrundstücke. Sollte Hohenkammer weiter wachsen - und wenn ja, wo sehen Sie Bedarf?

Berti: Es ist gut, wenn eine Gemeinde Baugrundstücke zur Verfügung hat, die jederzeit bebaut werden können. Wir sollten allerdings ein moderates Wachstum mit Augenmaß anstreben, um unsere Infrastruktur (zum Beispiel die Schule) nicht zu überlasten. Kurzfristig würde ich das Thema Neubaugebiet oder Erweiterung in Hohenkammer ruhen lassen und erst bei entsprechendem Bedarf der einheimischen Bevölkerung angehen. Gebaut werden soll dort, wo bereits vorhandene Baugrundstücke in Hohenkammer sowie in den Ortsteilen bebaut werden können.

Hartmann: Eine Politik des aktiven Zuzugs werde ich bestimmt nicht sofort verfolgen. Da sind wir uns auch im Gemeinderat einig. Der dritte Bauabschnitt Oberfeld und die neue Gemeindewiese sind unsere Rücklage für pandemiebedingt möglicherweise finanziell schwierige Zeiten. Meines Erachtens ist es wichtig, dass wir weiterhin alle Ortschaften und Weiler für eine moderate Bebauung im Blick haben. Die Erschließung privaten Bauraums und Wohneigentums im Ort Hohenkammer und in den Ortsteilen habe ich immer schon unterstützt. Wir sollten eine Bestandsaufnahme von verfügbarem Wohnraum durchführen.

Was sollte Ihrer Meinung nach mit dem Grundstück der ehemaligen Alten Post geschehen?

Berti: Das Areal der "Alten Post" hat sich zu einem schönen grünen Platz entwickelt, wie diese Fläche weiter genutzt werden soll, muss sehr gut überlegt werden. Alle Wege stehen offen, ich sehe derzeit keinen dringenden Bedarf, das Grundstück schnell zu bebauen, auch weil andere geeignetere Flächen zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit dem Gemeinderat und unseren Bürgerinnen und Bürgern sollte eine weitere Nutzung der schönen grünen Wiese überlegt werden.

Hartmann: Die neue Gemeindewiese schafft Raum in der Ortsmitte von Hohenkammer. Wir müssen hier nichts übers Knie brechen und können zur Nutzung der Wiese vor allem die Ideen unserer Bürger einholen. Wenn man sieht, wie sich die älteren Menschen bei der Grabpflege abmühen, sollten wir als erstes eine einfache und kostengünstige Maßnahme in Form eines Parkplatzstreifens direkt am Kirchenwegerl einrichten. Damit würde der Transport von Pflanzen und Erde sehr vereinfacht. Das wird mit einfachen Mitteln, zum Beispiel Rasengittersteinen, umsetzbar sein. Ich hoffe, dass der Gemeinderat mitzieht.

Was schätzen Sie an Hohenkammer besonders?

Berti: Ich schätze an der Gemeinde Hohenkammer das Miteinander und die Gemeinschaft, Jung und Alt fühlen sich wohl und wir sind bis jetzt kein Schlafort geworden. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Hartmann: Den ländlichen Charakter und das Miteinander auf sportlicher, kultureller und politischer Ebene. Die Vielfalt in Hohenkammer bereichert unser Dasein. Ich nutze dieses Angebot in ganzer Breite - als Mitglied in neun Vereinen (unter anderem Sportverein, Schützenverein, Blasmusik, Krieger- und Soldatenverein oder Feuerwehr). Es war für mich und meine Familie die beste Entscheidung unseres Lebens, vor 20 Jahren hier ein Haus bauen zu dürfen. Im Kreis unserer Nachbarn und Freunde haben wir eine großartige Heimat gefunden. Auch wenn wir hier nicht geboren sind - unser Herz schlägt für Hohenkammer!

© SZ/nta
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