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Bürgermeisterwahl in Hohenkammer:Die Stichwahl muss entscheiden

Mario Berti, CSU, und Susanne Hartmann, FDP, müssen in zwei Wochen noch mal antreten. Dass die Bürger ein zweites Mal an die Urnen gerufen werden, überrascht nicht. Im Vorfeld gab es keine klaren Favoriten.

Von Petra Schnirch, Hohenkammer

Eine Stichwahl wird in zwei Wochen entscheiden, wer die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister in Hohenkammer wird. Keiner der vier Kandidaten hat am Sonntag die absolute Mehrheit erreicht. Am besten abgeschnitten haben Mario Berti (CSU) mit 33,8 und Susanne Hartmann (FDP) mit 27,5 Prozent, zwischen ihnen haben die etwa 2040 Wahlberechtigten am 27. September die Wahl. Ihre beiden Mitbewerber Marina Brandstetter (Bürgervereinigung Hohenkammer) und Alfred Kopp (Freie Wähler) kamen auf 22,7 beziehungsweise 16,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,2 Prozent.

Dass die Bürger noch einmal an die Urnen gerufen werden, überrascht nicht. Im Vorfeld gab es keine klaren Favoriten, alle vier Bewerberinnen und Bewerber sind in der Gemeinde stark verwurzelt und engagieren sich seit Jahren in der Kommunalpolitik oder im Vereinsleben.

Mario Berti freute sich über das "stolze Ergebnis", er selbst habe zuletzt nicht mehr wirklich einschätzen können, wer die Nase vorn haben werde. Einen richtigen Grund zum Feiern gebe es aber noch nicht, sagte er kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. "Es geht weiter, es kann alles passieren." Die nächsten zwei Wochen "werden noch einmal richtig stressig". Auch bei Susanne Hartmann war die Freude groß. Sie hatte zwar gehofft, in eine Stichwahl zu kommen. In einem kleinen Ort wie Hohenkammer habe sie aber damit gerechnet, dass die beiden Männer vorne landen würden, gestand sie. In den kommenden beiden Wochen werde sie "akribisch arbeiten", sie habe ein sehr gutes Wahlkampfteam hinter sich. Zunächst habe sie bei einem Bier den unterlegenen FW-Bewerber Alfred Kopp etwas getröstet, erzählte sie, am Abend wolle sie mit Freunden dann noch einen Sekt aufmachen. Sie sei schon traurig und enttäuscht, räumte die Drittplatzierte Marina Brandstetter ein. "Wenn man sich um ein solches Amt bewirbt, wünscht man sich ein anderes Ergebnis." Mit der Bürgervereinigung werde sie dieses noch analysieren. Sie zeigte sich enttäuscht, dass ihre "umfassende berufliche Qualifikation" nicht ausgereicht habe. Die Betriebswirtin war vor ihrer Elternzeit in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Offenbar werde sie aber auf ihre Rolle als junge Mutter mit drei Kindern reduziert, sagte sie. Brandstetter ließ den Abend mit Familie und Freunden in ihrem Hof ausklingen.

Susanne Hartmann, FDP

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch Alfred Kopp machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Er habe sich deutlich mehr erhofft. Er sei angetreten, weil er sich gute Chancen ausgerechnet habe, sagte er. Aber Hohenkammer sei eben eine "schwarze Burg", dass er für die Freien Wähler angetreten ist, sei "vielleicht ein Hemmschuh". Mit einigen Freunden und Helfern traf er sich am Abend im Sportheim, um eine "Frust-Halbe" zu trinken - immerhin konnte er schon wieder lachen, als er das sagte.

Dass Hohenkammer erst sechs Monate nach den Kommunalwahlen einen neuen hauptamtlichen Bürgermeister bekommt, hat einen tragischen Hintergrund. Der CSU-Kandidat starb überraschend Ende Februar mitten im Wahlkampf, dieser wurde daraufhin sofort eingestellt, der Wahltermin zunächst auf Ende Mai verschoben. Die Corona-Pandemie machte es in den folgenden Wochen aber unmöglich, neue Aufstellungsversammlungen zu organisieren, sodass schließlich der 13. September dafür angesetzt wurde. Nach Mario Berti, der Ende März seine Kandidatur erklärt hatte, kam mit Alfred Kopp dann sogar noch ein vierter Kandidat dazu. Er gab seine Bewerbung im April bekannt. Marina Brandstetter und Susanne Hartmann dagegen hatten bereits 2019 Interesse am Bürgermeisteramt bekundet.

Mario Berti, CSU

(Foto: Marco Einfeldt)

Der bisherige Amtsinhaber Johann Stegmair (CSU) war nach 24 Jahren nicht noch einmal angetreten. Er wäre zwar nach eigenem Bekunden bereit gewesen, bis zu einer Neuwahl die Geschäfte weiterzuführen, aus rechtlichen Gründen war das allerdings nicht zulässig, er ging Ende April in den Ruhestand. Seit Anfang Mai führen deshalb Alexander Stampfl (CSU) und Michael Loy (Bürgervereinigung Hohenkammer) als Zweiter beziehungsweise Dritter Bürgermeister gemeinsam mit der Verwaltung vorübergehend ehrenamtlich die Geschäfte.

© SZ vom 14.09.2020

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