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Corona-Pandemie beeinflusst Freisinger Unfallstatistik:Zahl der Verkehrstoten auf Rekordtief

FREISING: Neubau Brücke Angerstrasse

Wenn Corona nichts Gutes hervorgebracht hat, die Verkehrsbilanz der Polizei im Landkreis Freising fällt bedingt durch die Einschränkungen der Pandemie im vergangenen Jahr zumindest sehr viel besser aus als in den Vorjahren. Wo weniger gefahren wird, passiert naturgemäß auch wenig.

(Foto: Johannes Simon)

Auf den Straßen im Landkreis sind 2020 nur zwei Menschen ums Leben gekommen, das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt sowie der Verletzten ist rückläufig. Sorge bereitet der Polizei nur die hohe Anzahl der Wildunfälle.

Von Kerstin Vogel, Freising

Weniger Verkehrsunfälle, entsprechend weniger Menschen, die im Straßenverkehr schwer verletzt wurden - und die Zahl der Verkehrstoten sogar auf einem Rekordtief: Wenn Corona nichts Gutes hervorgebracht hat, die Verkehrsbilanz der Polizei im Landkreis Freising fällt bedingt durch die Einschränkungen der Pandemie im vergangenen Jahr zumindest sehr viel besser aus als in den Vorjahren. Wo deutlich weniger gefahren wird, passiert naturgemäß auch wenig.

Bei zwei Unfällen sind im vergangenen Jahr trotzdem zwei Menschen gestorben. Das ist laut dem am Donnerstag vorgelegten Bericht jedoch der niedrigste Wert seit zehn Jahren. So verunglückten 2012 noch acht Menschen bei ebensovielen Unfällen, 2019 ereigneten sich vier tödliche Verkehrsunfälle, bei denen vier Menschen starben. Insgesamt ist die Zahl der Unfälle im Landkreis Freising 2020 um 17,5 Prozent gesunken und zwar auf 4744. 2019 waren es noch 5754. In all diesen Zahlen sind die Unfälle auf den Autobahnen (A 9, A 92), die durch den Landkreis verlaufen, nicht berücksichtigt.

Rückgang von fast 19 Prozent bei den Verletzten

Einen Rückgang um fast 19 Prozent hält die Polizei bei der Anzahl der Verletzten fest. Wurden 2019 noch 734 Menschen bei Unfällen auf den Straßen im Landkreis verletzt, waren es 2020 nur 597. Mit leichten Verletzungen kamen dabei im vergangenen Jahr 508 der Unfallopfer davon (2019: 623). Das ist ein Rückgang um 18,45 Prozent. 2018 wurden noch 661 leicht Verletzte gezählt. Bei der Zahl der Schwerverletzten ist 2020 sogar ein Rückgang um fast 20 Prozent zu verzeichnen. 2019 hatten sich noch 111 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr schwere Verletzungen zugezogen. Im vergangenen Jahr wurden hier lediglich 89 schwer verletzt.

Als Hauptunfallursachen listet die Polizeistatistik für 2020 Fehler beim Abbiegen oder Wenden, Vorfahrtsmissachtungen und überhöhte Geschwindigkeit auf. Ob Corona die Menschen insgesamt vernünftiger hat werden lassen, ist nicht bekannt - die Anzahl der Geschwindigkeitsunfälle im Landkreis Freising ist jedoch stark zurückgegangen - um gut 18 Prozent. 2019 wurde noch bei 145 Unfällen nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit als Unfallursache festgehalten. Im vergangenen Jahr waren 118 Raser unterwegs, die mit ihrem Fahrzeug verunglückten.

Äußerst positiv sieht die Polizei im Landkreis Freising außerdem die Beteiligung der "Jungen Erwachsenen", das ist die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, an Verkehrsunfällen. Hier ist ein Rückgang von fast 23 Prozent zu verzeichnen. 2020 waren junge Erwachsene an 315 Verkehrsunfällen beteiligt. 2019 war das bei 408 Unfällen der Fall. 2011 lag diese Zahl noch bei 462 Verkehrsunfällen, ist aber seither kontinuierlich gesunken auf zuletzt 6,6 Prozent Anteil an der Gesamtzahl der Unfälle.

Die jungen Erwachsenen stellen etwa acht Prozent der Gesamtbevölkerung und waren noch vor wenigen Jahren mit etwa 20 Prozent überproportional am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt. Wie es im Polizeibericht heißt, hat zu der Verbesserung "sicher auch das begleitete Fahren ab 17 seinen Teil beigetragen". Im Übrigen hat es im Landkreis Freising auch seit 2008 keinen einzigen "Disco-Unfall" mehr gegeben - unter anderem wird das als Erfolg des "Rufbus"-Projekts gewertet.

Die Zahl der Alkoholunfälle ist leicht angestiegen

Nicht ganz so positiv, wenn auch noch nicht besorgniserregend, ist die Entwicklung bei den Alkoholunfällen im Landkreis Freising. Ihre Zahl ist Jahr 2020 "trotz hohen Kontrolldrucks der Polizei" leicht angestiegen, wie sich in der Statistik nachlesen lässt. Waren 2019 noch an 45 Unfällen alkoholisierte Verkehrsteilnehmer beteiligt, lag ihre Zahl im vergangenen Jahr bei 56. Im Zehn-Jahresvergleich, den die Polizei angestellt hat, liege die Zahl der Alkoholunfälle jedoch "im Bereich einer akzeptablen Schwankungsbreite", heißt es im Bericht.

Ein Rückgang um 15 Prozent ist schließlich noch bei den Unfallfluchten zu verzeichnen. 777 derartige Unfälle wurden 2020 bei den Polizeidienststellen im Landkreis angezeigt, 2019 waren es 917. Insgesamt 307 Fälle konnten 2020 aufgeklärt werden. Das ist eine Quote von 39,5 Prozent, die von der Polizei als gut bewertet wird.

Sehr erfreulich nennt der Bericht außerdem den kontinuierliche Rückgang bei den Schulwegunfällen. Im ganzen Landkreis ereigneten sich im vergangenen Jahr fünf Schulwegunfälle mit acht Leichtverletzten, 2019 waren es acht Unfälle mit ebenfalls acht verletzten Schülern. Die Schulweghelfer leisteten hier einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, heißt es dazu in der Polizei-Statistik anerkennend.

Besorgniserregend ist für die Polizei dagegen nach wie vor die hohe Anzahl der Wildunfälle, die 35,5 Prozent an der Gesamtunfallzahl ausmachen. Die Polizei musste im Landkreis Freising 1685 Wildunfälle (2019: 1781) aufnehmen. In 1458 Fällen waren Rehe mit Fahrzeugen kollidiert, gefolgt von 115 Hasen, 32 Wildschweinen, 23 Füchsen und 15 Dachsen. Bei drei Wildunfällen im Jahr 2020 wurde ein Mensch schwer und vier weitere wurden leicht verletzt.

© SZ/nta
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