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Stadt Freising:Mieten bei Sozialwohnungen steigen

Wohnanlage aus den 1950er Jahren in München, 2018

Um zehn Prozent wird die Miete der Sozialwohnungen in der Murstraße ab April steigen (Symbolbild).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Freisinger Stadtwerke erhöhen in diesem Jahr bei zwei Objekten die Mieten. Man beruft sich darauf, dass bei Weitem nicht das erlaubte Maß ausgeschöpft wird. Für die betroffenen Mieter ist es trotzdem eine Belastung.

Lina Müller ist sauer. Vor einigen Wochen hat sie den Brief bekommen, den kein Mieter bekommen möchte: Die Miete wird bald erhöht, stand da drin, und zwar um zehn Prozent. Lina Müller ist Rentnerin, vergangenes Jahr durfte sie sich über eine kleine Rentenerhöhung von 30 Euro freuen. "Trotzdem werde ich dank unseres tollen Systems insgesamt 40 Euro weniger als davor haben", sagt sie. Doch es gibt auch einen anderen Grund, warum Lina Müller sauer ist. Seit vier Jahren wohnt sie in der Freisinger Murstraße, Stadtteil Lerchenfeld, in einer Sozialwohnung, die von den Stadtwerken betreut wird. "Warum werden ausgerechnet die Sozialwohnungen dermaßen erhöht?" fragt sie. Und vor allem: "Am Ende kann man ja nichts machen, der Privatmarkt ist für mich keine Option."

Lina Müller heißt in Wirklichkeit anders, doch ihr Name "muss nicht unbedingt in der Zeitung stehen". Den gleichen Brief, den sie erhalten hat, haben auch weitere 67 Haushalte erhalten. Denn im gesamten Mietobjekt an der Murstraße steht von April an eine Mieterhöhung von zehn Prozent an: Die Grundmiete, die derzeit bei 8,10 Euro liegt, soll auf 8,90 erhöht werden, wie Andreas Voigt, Geschäftsführer der Freisinger Stadtwerke, erklärt. "Die Anlage wurde 2012 gebaut, es handelt sich um die erste Mieterhöhung in acht Jahren", so Vogt. Auch die Mieterhöhung in einem anderen Mietobjekt der Freisinger Stadtwerke steht zur Debatte, allerdings für die zweite Jahreshälfte. 24 Wohnungen werden davon betroffen sein, die Miete liegt dort derzeit bei 3,80 Euro pro Quadratmeter.

"Wir dürfen die Miete alle drei Jahre erhöhen. Das machen wir aber nicht"

Jeder, der von Privatenpersonen mietet und deutlich mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens dafür ausgibt, könnte nun auf solche Preise neidisch sein. Doch auch Sozialwohnungen sind unterschiedlich: Die Grundmiete bei Sozialwohnungen, die neu gebaut werden, liegt schon bei zehn oder elf Euro, "weil die Baukosten höher sind", wie Vogt sagt. Und ist das ein Grund, die Miete in Sozialwohnungen zu erhöhen? "Wir dürfen die Miete alle drei Jahre erhöhen. Das machen wir aber nicht", so Voigt weiter.

Ungefähr 900 Wohnungen werden von den Freisinger Stadtwerken betreut, dazu gehören auch die 140 Wohnungen der Stadt sowie die Wohnungen der Stadtbau Gesellschaft. Die Zahl der Menschen, die auf den privaten Mietmarkt angewiesen sind, ist jedoch höher. "Wie viele Leute in Freising genau zur Miete wohnen, ist schwierig zu sagen", sagt Markus Grill, Vorsitzender des Mietervereins Freising. Seinen Schätzungen zufolge betrifft das aber in der Domstadt jeden zweiten Haushalt, ähnlich wie auf Bundesebene. Und nein, das sieht nicht gut aus. "Der Mietmarkt in der Stadt bleibt weiterhin angespannt", so Grill. Was die Stadt Freising zur Verbesserung der Situation macht, sei aber "nicht genügend". Auch im Landkreis ist die Lage nicht erfreulich. Dass der Süden schon angespannt ist, zeigt die Tatsache, dass sechs der Städte, in denen laut einer Verordnung der bayerischen Staatsregierung eine angespannte Situation besteht, sich überwiegend im Süden befinden: Außer Freising und Moosburg ist das bei Eching, Fahrenzhausen, Hallbergmoos und Neufahrn der Fall. Doch "auch im Norden wird die Situation angespannter", so Grill.

Der Mieterverein fordert, Genossenschaftsmodelle zu fördern und höher zu bauen

Die Lösung? Laut dem Mieterverein sollte die Stadt Genossenschaftsmodelle fördern, städtische Grundstücke in Erbpacht vergeben und den "Mut haben", in die Höhe zu bauen. "Damit meine ich nicht zehn Geschosse, aber ein oder zwei Geschosse draufbauen, damit man auf drei oder vier kommt, ist durchaus denkbar", so Grill. Und vor allem: Endlich die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels in Auftrag geben. Denn: "Nur mit einer fundierten Datengrundlage kann man die hiesige Situation genau analysieren und konkret sagen: Das ist zu teuer. Bisher kann man das nur vermuten", so Grill. Außerdem könnte der Mietspiegel ein wenig helfen, "die Gesamtlage zu stabilisieren".

Der Freisinger Stadtrat hat im Haushalt 2020 das Geld für eine solche Statistik bereits eingestellt. Ungefähr 70 000 Euro kostet laut Markus Grill die Erstellung eines Mietspiegels, der von unabhängigen Instituten und Universitäten realisiert wird. Nur fehlt noch der "politische Wille", um ihn tatsächlich in Auftrag zu geben. Bisher, zum Beispiel vor Gericht, wird in der Regel der Wohnungsmarkt in Dachau als Vergleichswert genommen, und zwar auf Basis des Dachauer Mietspiegels. Das sei aber nicht optimal, so Grill, denn in Dachau gibt es keine Universität und auch keinen Flughafen, die durchaus einen großen Einfluss auf den Wohnungsmarkt haben.

Von April an wird Lina Müller für ihre Wohnung 555 Euro anstatt 485 bezahlen müssen. Ihre Rente beträgt 1230 Euro, für ihr kleines Auto, das sie unbedingt braucht, weil ein Familienmitglied behindert ist, hat sie auch Fixkosten. "Für mich ist das machbar, aber geärgert habe ich mich trotzdem. Denn ich muss auf das Theater und andere Aktivitäten verzichten", sagt sie. Immerhin sind bei ihr die Heizkosten gleich geblieben.

© SZ vom 26.02.2020/lada

Mieterverein Freising
:"Es bleibt auf hohem Niveau schwierig"

2600 Mitglieder hat der Mieterverein in Freising. Seit April ist Markus Grill dort ehrenamtlicher Vorsitzender. Dass der Wohnraum in der boomenden Region knapp und vor allem teuer ist, bekommt er in dieser Funktion ganz besonders zu spüren

Interview von Petra Schnirch

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