Kritik am Freisinger Landratsamt Bedrohte Existenzen

Vor gut einem Jahr hat die Malachitgrün-Affäre ihren Lauf genommen. Jetzt sind die betroffenen Fischzuchtbetriebe in Schwierigkeiten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Kreis-SPD sorgt sich nach der Malachitgrün-Affäre um die betroffenen Fischzuchtbetriebe und kritisiert die ihrer Meinung nach schleppende Vorgehensweise der involvierten Behörden.

Von Peter Becker, Freising

Der Landkreis Freising muss alle seine Ressourcen ausschöpfen, um den Fischzuchtbetrieben an der Moosach zur Seite zu stehen. Das war Konsens einer Pressekonferenz des SPD-Kreisverbands zur "Malachitgrün-Affäre", die vor gut einem Jahr ihren Lauf nahm. Betroffene Betriebe, wie die von Peter Baumgartner und Benjamin Nadler, können seitdem keine Fische mehr verkaufen, weil diese mit dem Farbstoff belastet sind, der in Verdacht steht, krebserregend zu sein. Der SPD-Landtagsabgeordnete, Umwelt- und Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn warf den Behörden intransparentes Handeln vor. Insbesondere soll jetzt das Landratsamt darauf drängen, dass der Tatbestand der Gewässerverunreinigung noch in das Verfahren gegen den Verursacher der "Malachit-Affäre" aufgenommen wird.

SPD-Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter erinnerte daran, dass vor gut einem Jahr das Landratsamt Traunstein bei einer Beprobung von Fischen aus einem Freisinger Zuchtbetrieb Malachit festgestellt worden war. Gegenüber dieser Substanz gilt eine Nulltoleranz. "Seitdem sind wir nicht weitergekommen mit irgendwas", kritisierte Mehltretter die seiner Ansicht nach schleppende Vorgehensweise der involvierten Behörden. Die Politik sei mit in der Verantwortung, weil es um Existenzen gehen. Baumgartner beziffert seinen Schaden im Bereich von 300 000 bis 500 000 Euro. "Die Freisinger Betriebe sind durch einen Dritten in die Krise gestoßen worden", stellte Mehltretter fest. Der SPD-Kreisvorsitzende kritisierte "ewige Verzögerungen" und "die schleppende Weitergabe von Informationen" seitens der Behörden. Dadurch hätten die Züchter nicht rechtzeitig reagieren können. Betroffene und Öffentlichkeit seien nicht angemessen informiert worden, kritisierte Mehltretter.

So sieht es auch Verbraucherexperte Florian von Brunn. Seiner Meinung nach hätte das Landratsamt aufgrund der geltenden Rechtslage über die Verschmutzung der Moosach und die Belastung der Fische mit Malachit rechtzeitig informieren müssen. "Das Landratsamt muss erklären, warum es den Verstoß nicht veröffentlicht hat", forderte er. Brunn erkennt auf Seiten der Behörden eine intransparente Vorgehensweise, die er als symptomatisch für Bayern bezeichnet, wenn es um die Aufarbeitung von Boden- oder Gewässerverunreinigungen gehe. An der Aussage, dass die Menge von Malachit, die in die Moosach geraten ist, laut dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nicht gesundheitsgefährdend sei, zweifelt er. Deshalb habe er eine Anfrage gestellt, wie viele und welche Art von Fischen zur Ermittlung des Ergebnisses herangezogen worden seien. "Ich bin gespannt, was da rauskommt", meinte er.

Baumgartner klagt, dass er seine Fische weiter füttern müsse - solange, bis sie jetzt im Sommer wegen des zunehmende Sauerstoffmangels in den Teichen verenden würden. Töten dürfe er sie wegen der Bestimmungen zum Tierwohl nicht. Auf Schadenersatz kann er erst hoffen, wenn der Verursacher der Moosach-Verschmutzung samt der Zuchtteiche verurteilt ist. Baumgartner hofft auf finanzielle Hilfe durch den Staat, wenngleich er sich von den Behörden wie ein Verbrecher behandelt fühlt. Informationen bekomme er von diesen keine. Und je mehr er sich in der Öffentlichkeit äußere, umso mehr Knüppel scheine man ihm zwischen die Beine werfen zu wollen.