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Freisinger Einzelhandel öffnet:"Endlich wieder Schuhe probieren!"

FREISING: Maskenpflicht + Wiedereröffnung von Geschäften - Impressionen aus der bürgerlichen Altstadt (Obere und untere Altstadt)

Das Leben ist in die Freisinger Innenstadt zurück gekehrt.

(Foto: Johannes Simon)

Es ist einiges los an diesem ersten verkaufsoffenen Montag in der Freisinger Innenstadt nach sieben Wochen Pause. Die Kunden halten sich an die Maskenpflicht und die Ladeninhaber freuen sich über persönliche Kontakte.

Doch, es ist einiges los in der Freisinger Innenstadt an diesem ersten schon ziemlich verkaufsoffenen Montag seit sieben Wochen. Trügen nicht viele Passanten Masken auf ihrem Weg entlang der von Baggern aufgerissenen Hauptstraße, es sähe aus wie immer. Nur die drei großen Kleidergeschäfte, K&L Ruppert, H&M und Gewandhaus Gruber müssen ihre Türen noch geschlossen halten, ihre Verkaufsfläche liegt über 800 Quadratmetern.

Im nachhaltigen "fashion and more" empfängt Günther Sesselmann mit Mundschutz, wie vorgeschrieben. Obwohl sein Hauptsortiment faire und ökologisch hergestellte Kleidung ist, durfte er dank seines Nahrungs-Sortimentes auch in den vergangenen Wochen öffnen. Trotzdem hatte er massive Umsatzeinbußen, denn Socken oder Pullover durften die Kunden nicht mitnehmen, wenn sie Kaffee oder Schokolade kauften. Schilder hatte Sesselmann auf die Kleiderständer gehängt, mit dem entsprechenden Hinweis. Doch, das sei ein wenig skurril gewesen, sagt er. Fünfmal sei die Polizei da gewesen, einmal das Landratsamt. "Die haben gesagt, dass so viele angerufen und sich beschwert haben, weil wir geöffnet hatten", sagt er und weiß, wer die Anrufer waren - Mitbewerber. Doch alles sei rechtens gewesen, "wir sind mittlerweile ein Nahversorger mit Naturkost".

FREISING: Maskenpflicht + Wiedereröffnung von Geschäften - Impressionen aus der bürgerlichen Altstadt (Obere und untere Altstadt)

So mancher scheint die Maskenpflicht nicht ganz so ernst zu nehmen.

(Foto: Johannes Simon)

Gleich am Anfang hat Sesselmann überlegt, was er tun könne, um den Umsatz am Laufen zu halten. Einen Online-Shop realisiere man nicht von heute auf morgen, also versuchte er es mit Video-Shopping, verbreitete das Angebot über soziale Medien. "Die Leute haben angerufen und gesagt, was sie möchten", erzählt er, dann sei er mit der Handy-Kamera zu den Regalen und die Kunden wählten aus. Per Pay-Pal wurde der Betrag überwiesen, und er schickte die Sachen oder die Kunden holten sie. Bestimmt an die 50 Leute hätten den Service angenommen, "und wir haben total viel gelacht". Außerdem hat Spondeals, die App eines Start-ups Aufwind bekommen. Auch Sesselmann ist jetzt dabei. "Ich war erst skeptisch, weil ich eigentlich gegen dieses Schnäppchen - Konzept bin. Aber mittlerweile sind wir über 60 Freisinger Geschäfte und die haben über 35 000 Euro an Gutscheinen verkauft." Das alles sei das Positive an der Corona-Krise: "Ich habe in den paar Wochen so viel dazu gelernt wie in zwei Semestern Studium."

Nicht jeder findet die Maskenpflicht gut

Wieder draußen fällt eine Frau auf, die eine braune Papiertüte über den Kopf gestülpt hat. Sie protestiere gegen den Maskenzwang, der gleich mehrere Grundrechte verletze, erklärt sie. Welche, das hat sie auf die Rückseite geschrieben und fordert stattdessen Freiwilligkeit. Dieses Schüren von Todesangst hält sie für menschenverachtend, "und einer muss ja mal anfangen, zu sagen, es wird langsam zu viel".

FREISING: Maskenpflicht + Wiedereröffnung von Geschäften - Impressionen aus der bürgerlichen Altstadt (Obere und untere Altstadt)

Schon Tage vor Ladenöffnung haben Kunden in der Buchhandlung Rupprecht Bücher bestellt.

(Foto: Johannes Simon)

Im "Stilhaus", einem Laden für italienische Damenmode, sieht es Inhaber Peter Hemmer entspannter. Die seinem Laden angeschlossene Näherei stellt gerade Stoffmasken her, sie sind an diesem ersten Öffnungstag der Verkaufsschlager. Ob italienische Mode gerade ein Gütezeichen sei, sagt er mit einem Lachen, könne er nicht sagen, "aber es bleibt dabei, der Stil ist einfach super". "Hurra, wir sind wieder da", steht auf einem Schild am Modehaus Billmayer, es sei gut angelaufen sagt Inhaberin Andrea Billmayer. "Vor allem ganz treue Kunden, die uns unterstützen wollen." Klar seien die Umsätze weggebrochen, trotz Online-Shops. Dann unterbricht sie das Gespräch, eine Kundin steht daneben, probiert eine Hose und wartete auf Billmayers Rat - ein Service, den ein Onlineshop so niemals bieten wird. Auch Martina Koppauer, Filialleiterin in der Buchhandlung Rupprecht, hat nicht wenig zu tun, einige Kunden haben schon Tage vorher telefonisch Bücher bestellt. Einen Trend macht sie nicht aus, weder apokalyptische Romane noch Sachbücher, wenn, dann eher welche zum Thema Garten.

Zufrieden sieht Martin Deller im gleichnamigen Schuhhaus aus. "Wir sind angenehm überrascht", sagt er lächelnd. Nein, man habe keinen Onlineshop eingerichtet, er habe Nummern an die Schuhe im Schaufenster geklebt, auf dass Passanten dann bestellen konnten. Gar nicht mal Wenige hätten das getan, auch Junge. "Zum Teil habe ich bis nach Kranzberg geliefert", so Deller. Trotzdem stapeln sich bis unter das Dach die Schuhkartons, vor allem die Übergangsware. "Aber wenn es so weiter geht, sind wir sehr zufrieden", sagt Deller. Eine Kundin daneben schaut auf, strahlt und ruft: "Endlich wieder Schuhe probieren!"

© SZ vom 28.04.2020/nta

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