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Kommunalwahlen im Landkreis Freising:Franz Scholz will Landrat werden

Franz Scholz soll für die Alternative für Deutschland (AfD) Landrat im Landkreis Freising werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ehemaliger Polizist kandidiert für die AfD, die sich im Landkreis Freising auf kommunaler Ebene etablieren möchte.

Franz Scholz soll für die Alternative für Deutschland (AfD) das Amt des Landrats erobern. Die Kreisversammlung kürte den 64-jährigen Polizisten im Ruhestand am Samstagmittag zu ihrem Kandidaten. AfD-Kreisvorsitzender Johannes Huber habe ihn bekniet anzutreten, sagte Scholz in seiner Vorstellungsrede. "Schauen wir, was draus wird", fügte er hinzu. Falls Scholz tatsächlich Josef Hauner als Chef im Landratsamt ablösen sollte, würde er gerne seinen ehemaligen Kollegen von der Polizei den Rücken stärken. Ein wenig verfügt der Kandidat der AfD, der in Freising lebt, bereits über kommunalpolitische Erfahrung. Er habe in Eching am Ammersee mal für den Gemeinderat kandidiert, berichtete er.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landkreises, dass sich ein AfD-Kandidat um das Amt des Landrats bewirbt. Ebenso neu ist, dass die 23 Stimmberechtigten eine Liste für den Kreistag zusammenstellten. Es komme viel Verantwortung auf die Kandidaten zu, beschwor Huber eingangs der Listenaufstellung. Ihm liegt viel daran, dass sich die AfD auf kommunaler Ebene verankere und etabliere. Quasi als Dorn im Fleisch der etablierten Parteien. "Die anderen wollen, dass wir gar nicht existieren", beschrieb Huber die Ausgangslage. Als Versammlungsleiter fungierte Rainer Forster, ehemaliger Diözesansekretär im Landkreis Freising, der nun für die AfD im Nachbarlandkreis Erding das Amt des Landrats anstrebt.

Scholz führt als Landratskandidat die Kreistagsliste an. Ihm folgt auf Platz zwei der Moosburger Gerhard Welter, der 2016 aus der CSU ausgetreten war. Er fungiert bei der AfD als Kreisschatzmeister und gilt als möglicher Bürgermeisterkandidat in Moosburg. Er wolle sich im Kreistag für mehr Transparenz einsetzen, sagte er. Jeder solle wissen, "was mit unserem Geld passiert", erläuterte er. Einsetzen will sich Welter vor allem für die Blaulichtorganisationen. Dass die AfD im Kreistag nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen wird, dessen ist sich Welter sicher. "Es bläst uns ein rauer Wind entgegen, doch wir werden Stand halten", sagte er. Seine ehemaligen CSU-Kollegen will er nett begrüßen, aber gleichzeitig klar machen, dass er sich an keinen Mauscheleien beteiligen werde.

Platz drei der Liste belegt die 42-jährige Bianca Csonka. Die Freisinger Stylistin war wie Forster früher mit der ÖDP verbandelt. Wegen der EU-Politik der etablierten Parteien habe sie sich aber zur AfD hin orientiert, stellte sie sich vor. Im Kreistag strebt sie eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Gruppierungen an.

Auf Platz vier folgt der Bundestagsabgeordnete Johannes Huber. Nicht ohne Widerrede. Weil sich die AfD als basisdemokratische Partei versteht, witterte ein Mitglied der Versammlung Ämterhäufung. Dem hielt Huber entgegen, dass er auf kommunaler Ebene seine Expertise einbringen wolle. Einsetzen wolle er sich dafür, dass der Landkreis nicht auf den Kosten der Bundesregierung sitzen bleibe, welche diese für die Unterbringung von Asylbewerbern verursache. Strikt ist er gegen die Windräder, die bei Großgründling und Haslach entstehen sollen. Dort gelte es den Bürgerwillen zu achten, der sich seiner Ansicht nach klar gegen die Windkraftanlagen ausgesprochen habe. Aktionismus wie die Ausrufung des Klimanotstands hält Huber für übertrieben. Dagegen solle sich die AfD in den kommunalen Gremien einsetzen. "Wir brauchen gesunden Menschenverstand", sagte Huber.

Auf Platz fünf kandidiert Agrartechniker Attila Szalontay aus Neufahrn. Er will sich dafür einsetzen, dass kein Flüchtling mehr in den Landkreis kommt. Auf Listenplatz sechs folgt Fliesenleger Michael Albuschat aus Mauern. Er sei einst CSU-Wähler gewesen, sagte er. Den Christsozialen kehre er wegen der Abschaffung des Meisterbriefs, der Geldverschieberei in der EU und der Zuwandererpolitik den Rücken.